Thälmannpark: Bürgerantrag soll Güterbahnhofsfläche sichern

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Die Anwohnerinitiative (AI) Thälmannpark will das Gelände vom S-Bahnhof Prenzlauer Allee bis einschließlich des Anton-Saefkow-Parks vom Bezirk mit einem verbindlichen Bebauungsplanverfahren für Spiel-, Sport-, Kultur-, Kinder-, Jugend-, Seniorenfreizeitmöglichkeiten sichern lassen. Zu diesem Zweck soll vom Bezirksamt ein entsprechender Bebauungsplan erarbeitet sowie die Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs Greifswalder Straße samt der auf das Areal führenden Brücke vom Land Berlin erworben werden.

Gegenwärtig befindet sich das Grundstück im Besitz einer Gesellschaft – geführt von dem umstrittenen Immobilienhändler Christian Gérôme – die dort mit Unterstützung des Bezirkstadtrates für Stadtentwicklung Jens-Holger Kirchner mehrere Hundert Wohnungen bauen will.

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, hat die Anwohnerinitiative einen „Bürgerantrag“ verfasst, den sie in die Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zur Abstimmung bringen lassen will.
Begründet wird die Forderung mit dem enormen Defizit an sogenannter sozialer Infrastruktur im dichtbesiedelten Ortsteil Prenzlauer Berg.
Es wird darauf verwiesen, dass die BVV bereits im Jahr 2011 den Erwerb der ehemaligen Bahnflächen des Güterbahnhofs Greifswalder Straße zur Sicherung wichtiger Infrastrukturbedarfe gefordert hatte.
 

Bürgerantrag nimmt fünf Jahre alten BVV-Beschluss wieder auf

Tatsächlich nahm die BVV Pankow auf ihrer letzten Sitzung der alten Legislaturperiode einen auf Initiative der bündnisgrünen Fraktion zustande gekommenen Antrag an, in dem es unter anderem hieß, das Bezirksamt möge
„über die eingeleiteten Prüfungen auf einen potentiellen Bedarf der Fachvermögen Schule und Sport bzw. Umwelt und Natur für die ehemalige Bahnfläche am Güterbahnhof Greifswalder Straße zu berichten.“
Die Antwort kam Februar 2012. An der Spitze des Pankower Stadtentwicklungsbereiches stand inzwischen der bündnisgrüne Jens-Holger Kirchner.

Er tat den Bezirksverordneten kund:

„Mit Schreiben vom 01.12.2011 teilt das Schul- und Sportamt mit, dass ein Fachbedarf für eine 4-zügige Gemeinschaftsschule und für eine allgemeine Sportfläche, u.a. für Fußball und Hockey mit Funktionsgebäude, besteht. Insgesamt ist der Flächenbedarf größer als die gesamte Fläche des ehem. Güterbahnhofs Greifswalder Straße, die von Bahnbetriebszwecken freigestellt wurde. Das Jugendamt regt an, auch Flächen für eine Skateranlage zu nutzen, da sie unmittelbar an der lärmintensiven Bahnstrecke einen günstigen Standort hätte.“

Die Bedarfe waren also damals schon größer als die vorhandene Fläche. Geschehen ist damals allerdings nichts. Nun, fünf Jahre und einem gehörigen Bevölkerungszuwachs später, dürfte der Bedarf noch um einiges größer sein als 2011.

 

Umweltatlas des Senats empfiehlt „keine weitere Verdichtung“

Auch Umwelt- und Klimagründe werden in der Begründung für den Bürgerantrag angeführt.

So wird auf den von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt erstellten „Umweltatlas Berlin“ und des Stadtentwicklungsplan Klima hingewiesen, die den in Frage stehenden Flächen ine „sehr hohe stadtklimatische Bedeutung“ sowie eine „hohe Empfindlichkeit gegenüber Nutzungsintensivierung“ zu weisen. Deshalb seien „keine weitere Verdichtung, Verbesserung der Durchlüftung, Erhöhung der Vegetation, Erhalt der Freiflächen“ vorzunehmen und zu sichern, so dass „die Funktion der Fläche für den Kaltluftaustausch sichergestellt bleibt“.

Zum Einbringen eines Bürgerantrags in der BVV benötigen die Einreicher nach den gültigen regeln 1.000 Unterschriften.
 
Die Unterschriftenliste sowie weitere Informationen der AI Thälmannpark sind hier zu finden==>

 

 

6 Responses to “Thälmannpark: Bürgerantrag soll Güterbahnhofsfläche sichern”

  1. Und wenn die Skaterbahn kommt, startet die nächste Unterschriftenliste…

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  2. Wie teuer wäre es diese Fläche aufzukaufen? Ich denke es wäre sinnvoller maßvoll zu bauen, denn neuer Wohnraum ist wichtig und richtig.

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    • Das ist die Frage. Eigentlich handelt es sich um entwidmetes Bahnland, das grundsätzlich als unbeplantes Gebiet nach § 35 Baugesetzbuch zu behandeln ist. Das wäre äußerst preiswert. Allerdings hatte die Bahn in einerm ehemaligen Lagerschuppen noch vor der Entwidmung (und damit illegal) Gewerbe zugelassen, so dass dies eine gewisse Werterhöhung darstellen könnte- die aber meines Erachtens nach vom Verantwortlichen der illegalen Ansiedlung – der DB – zu tragen wäre.

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    • Ehem. Güter-und Rangierbf.sind wertvolle Brachen und Rückzugsorte für seltene Arten. Leider nimmt der Bebauungswahn in Berlin im Moment extreme Ausmaße an, so dass es wichtig ist, solche Flächen anderweitig zu sichern, sonst gehen uns bald die Erholungsflächen aus. Eine der wertvollsten Brachen ist schon verloren (ehem. Bbf. Schöneweide) mit der nachweislich größten Zauneidechsenpopulation Berlins und dem letzten Brutplatz des Brachpiepers, von Pflanzen und Insekten gar nicht zu sprechen. Im Moment verhandelt der Senat mit den Bln. Bäderbetrieben um die Liegewiesen auch noch zu bebauen. Ich warte darauf, dass die erste Grünanlage bebaut werden soll und keiner sich wehrt.

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    • Bei allem Verständnis für urbane Fauna und Flora, aber wenn nicht mal mehr Brachen in der Stadt bebaut werden sollen, dann wird der Wohnungsmangel ein noch viel größeres Problem. Ich sehe keinen Bebauungswahn, sondern dringende Notwendigkeit für zusätzlichen Wohnraum, bei jährlich 60.000 Menschen mehr in Berlin.

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      • .Koan

        Jun 20. 2016

        Bei aller Empathie für Wohnungssuchende, sollte nicht vergessen werden, dass neben einem Wohnhochhaus mit 600 Wohnungen daneben auch vom Bau eines Hotelhochhauses die Rede war. Irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass es gar nicht um eine Linderung des Wohnungsbedarfs im sozialverträglichen Sinne geht, sondern eher um die Linderung ungeduldig erwarteter Profitinteressen.

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