Ein brandgefährlicher Ort

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Sonntag, der 9. März, kurz nach 14 Uhr. Bei der Feuerwehr geht die Meldung ein: Feuer auf dem ehemaligen Güterbehnhof Greifswalder Straße. Wenige Minuten später rollen Löschzüge auf das Gelände.

feuerwehrDicke dunkle Rauschschwaden quellen aus einer Fenster-
höhle einer Plattenbauruine, die in besseren Zeiten als Funktionsgebäude der Bahn diente. Schnell ist das Feuer in der ersten Etage gelöscht, die Reste des Brandherdes – ein Bettgestell – wird ins Freie befördert.

Seit Oktober 2012 verzeichnete die Polizei dort elf Brände.
In einigen Fällen, so die Auskunft der Berliner Polizei, wurde als mutmaßlicher Verursacher ein Obdachloser angetroffen.

Ungesicherte Ruine auf dem ehemaligen Güterbahnhof

Ungesicherte Ruine auf dem ehemaligen Güterbahnhof

Vermutlich um sich aufzuwärmen, hatte er Lagerfeuer im Gebäude entfacht. Im aktuellen Fall wurden drei unbekann-
te Jugendliche beobachtet, die in Richtung Ernst-Thälmann-Park wegliefen.

Gegenüber einer Journalistin, die kurz nach dem Eintreffen von Feuerwehr und Brandursachenermittlern vor Ort ist, klagen die Beamten darüber, dass das Gelände trotz der zahlreicher Vorfälle ungesichert ist und der Eingang der Ruine, die augenscheinlich auch als Unterkunft für Obdachlose dient, nach wie vor sperrangelweit offen steht.
 

Spekulationsobjekt gammelt vor sich hin

Im Brandfall eine potenzielle Todesfalle

Im Brandfall eine potenzielle Todesfalle

Dass die Ruine im Brandfall für Menschen die dort über-
nachten, schnell zur Todesfalle werden kann, dürfte unbestritten sein. Trotzdem blieb das Haus auch nach Brand Nummer Elf ungesichert.

Aber nicht nur die Ruine stellt eine Gefahr dar.

Das Grundstück grenzt ebenerdig an die Trassen der S- und Fernbahn. Kein Zaun, keine Absperrung trennt die Fläche von den vielbefahrenen Gleisen.
Solange das Areal als Güterbahnhof der Deutschen Bahn genutzt wurde, blieb der Zugang versperrt. Nun aber ist die Fläche öffentlich zugänglich, Kinder und Jugendliche

Rechts Partyzone, Abenteuerspielplatz und Obdachlosendomizil, links Bahnverkehr - dazwischen: nichts.

Rechts Partyzone, Abenteuerspielplatz und Obdachlosendomizil, links Bahnverkehr – dazwischen: nichts

haben das verwahrloste Grundstück als eine Art Abenteuer-
spielplatz für sich entdeckt. Im Sommer wird finden hier Partys statt, Hunde werden hier ausgeführt – freilaufend. Und gleich nebenan fahren im Minutentakt die S-Bahnen, donnern Güterzüge vorbei. Um so unverständlicher ist es, dass sich niemand wirklich für die Sicherung zuständig fühlt.

Das Grundstück gehört seit dem Frühjahr 2011 dem in Prenzlauer Berg nicht unbekannte Immobilienhändler Christian Gérôme. Gekauft hatte er die Brache weil er darauf spekulierte, hier großflächig profitablen Wohnungsbau betreiben zu können. Doch die zukünftige Nutzung des Geländes ist im Bezirk umstritten.

 

Sicherung des Grundstücks erscheint dem Eigentümer offenbar zu teuer

Frei zugängliche Bahntrasse: S-Bahn-Verkehr im Minutentakt

Frei zugängliche Bahntrasse: S-Bahn-Verkehr im Minutentakt

Während die Anwohner-Initiative des angrenzenden Thälmannparks eine Grünfläche favorisiert, wurden seitens des Bezirksamts Infrastrukturprojekte (Schulcampus, Spiel- und Sportplätze angemeldet, deren Flächenbedarf allerdings größer ist, als die gesamte Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs.
Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner möchte hingegen zusammen mit Eigentümer Gérôme Wohnungen bauen lassen – in der Hoffnung, es fällt dabei auch noch ein Plätzchen für eine Schule ab.

Eigentümer Christian Gérôme: ''Wissen Sie, was das kostet?''

Eigentümer Christian Gérôme: “Wissen Sie, was das kostet?“

Entschieden ist noch nichts, und so gammelt die Brache vor sich hin.
Gegenüber der Prenzlberger Stimme, hatte Christian Gérôme auf die Frage, warum die Ruine nach den zahlreichen Bränden noch immer nicht gesichert ist, keine eindeutige Antwort parat.
Falls das Gelände einmal bebaut werden sollte, so der Eigentümer, würde die Ruine ja sowieso verschwinden. Aber möglicherweise könnte man das Gebäude ja auch schon vorherabreißen.
Über die Sicherung seines Grundstücks zum den S- und Fernbahngleisen zum Beispiel mit einem Zaun, möchte er dagegen gar nicht weiter nachdenken – und hat dafür auch einen aus seiner Sicht nachvollziehbaren Grund: „Wissen Sie, was das kosten würde?!“

Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner:  "...zig Kilometer ungesicherte Gleisanlagen..."

Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner:
„…zig Kilometer ungesicherte Gleisanlagen…“

Ob und wann Christian Gérôme seinen Sicherungspflichten nachkommen wird, bleibt unklar.
Zwar erklärte Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner gegenüber der Prenzlberger Stimme, er habe am Montag den Grundstückseigentümer am Rande einer Konsultation aufgefordert, die Plattenbauruine zu sichern.
Doch Konsequenzen hat Gérôme bei weiterer Weigerung nicht zu befürchten: Eine Ersatzvornahme, bei der etwa das Bezirksamt die Sicherung übernimmt und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellt, möchte der Stadtrat nicht vornehmen.

Einen Zaun zwischen den stark frequentierten Bahngleisen und dem Spekulationsgrundstück hält Kirchner sogar für völlig überflüssig – und begründen kann er diese bemerkenswerte Auffassung auch: „In Berlin gibt es …zig Kilometer Bahnstrecken, die nicht gesichert sind!“ Auch wo sich diese befinden, wusste er nach kurzen Überlegen zu beantworten: „Zum Beispiel in Karow… .“

 

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