Der Kirchner-Berg kreißte und gebar…. drei Parklets

 

Erinnert sich noch jemand?

Das große Ziel sei, den gesamten Autoverkehr auf die westliche Seite der Schönhauser Allee zu verlegen, erklärte der damalige Pankower Baustadtrat und heutige Verkehrsstaatsekretär Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/ Die Grünen) im Jahr 2015 allerorten. Der Fahrradverkehr könnte dann auf der für ihn reservierten östlichen Seite der Schönhauser schneller und sicherer werden und auch die Fußgänger hätten mehr Platz.
 

Das Drei-Phasen-Modell

Um verschiedene Möglichkeiten durchzuspielen wurden – von der damaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt initiiert und finanziert – Workshops mit dem dänischen Architekturbüro Gehl Architects durchgeführt. Das Büro hatte sich mit großen Lösungen zwischen San Francisco und Shanghai einen Namen gemacht. Entwickelt wurde drei sich jeweils steigernde Varianten. Beteiligt waren auch Anwohner und ortsansässige Gewerbetreibende.

Auch der Übergang zur U-Bahn sollte verbreitert werden

In Phase Eins sollten für einen Sommer zwischen der Eberswalder und der Wichertstraße auf der Ostseite der Schönhauser Parkplätze wegfallen und an deren Stelle sogenannte „Parklets“ aufgestellt werden: Transportable Holzpodien auf denen Bänke und Tische zum Verweilen einladen, aber auch Abstellplätze für Fahrräder oder Minigrünanlagen den vorherigen Parkplatzraum füllen.
Auch der Fußgängerübergang zur U-Bahn sollte breiter werden.

Zum Herbst war ein Rückbau und die Auswertung des Experiments vorgesehen.
Im Jahr darauf war die zweite Phase vorgesehen: Die Verlagerung des Fahrradverkehr vom Gehweg auf die rechte Fahrbahnspur. Damit würden dann alle Parkplätze auf der Strecke zwischen Stargarder und Wichertstraße wegfallen.
Auch dies sollte zuerst nur temporär geschehen, um zu sehen, wie sich dies auf den Verkehr auswirkt – und natürlich auch welche Akzeptanz ein solcher Einschnitt bei Anwohnern und Passanten hat.

Der dritte, radikalste Schritt war im dritten Jahr des Experiments vorgesehen: Die Sperrung der Ostseite für den Autoverkehr, der sich dann mit jeweils einer Spur auf der Westseite der Allee begnügen müsste.
 

Es zieht sich

Der erste Schritt sollte bereits im vergangenen Jahr gemacht werden. Doch wie Jens-Holger Kirchner im Dezember 2015 im Interview mit der Prenzlberger Stimme erklärte, waren vom Senat noch nicht alle erforderlichen Förderanträge gestellt worden, so dass man das ganze auf 2017 vertagte.
Mitte Dezember fand ein weiterer Workshop statt, auf dem angekündigt wurde, dass von Mai bis Oktober 2017 zehn bis zwölf solcher Parklets aufgestellt werden sollen. Der Mai kam, was fehlte, waren die Fußgängerinseln.

Vergangene Woche stellte ein Vertreter der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf der Sitzung des Pankower BVV-Verkehrsausschusses den Stand der Dinge vor.
Die Sache sei jetzt „ausschreibungs. und anordnungsreif“, erklärte der Senatsvertreter und: Lediglich drei Parklets sollen voraussichtlich ab Juli aufgestellt werden: Eines vor dem Blumencafé, ein zweites vor den Schönhauser Allee Arkarden und das dritte vor dem Häuserkomplex der Genossenschaft „Bremer Höhe“.

 

Parklets müssen erst noch bestellt und gebaut werden

Noch allerdings existieren sie erst als Zeichnung. In den kommenden tagen wird die Ausschreibung für die Herstellung der drei Gestelle in die Wege geleitet, von denen jedes um die 25.000 Euro kosten soll.

Als Grund der radikalen Reduzierung nannte der Mann aus der Verkehrsverwaltung: Drei Parklets sind die Mindestbedingung für eine Förderung durch den Bund. Da die Förderfrist demnächst ausläuft, waren mehr als drei nicht drin. Dafür sei aber angedacht, sie auch über den Winter stehen zu lassen.

Mit dem großen Experiment, dem Fußgänger- und Fahrradverkehr mehr Raum zu geben, hat diese Miniausführung nun allerdings nicht mehr zu tun.
Im Gegenteil: Da sich der Radweg auf dem Bürgersteig befindet, die Parklets aber auf der Fahrbahn, ist eine gegenseitige Behinderung und Gefährdung von Radfahrern und Fußgängern absehbar. Die Verkehrsverwaltung des Senats will dem mit „auffälligen Piktogrammen“ begegnen.
Wann und ob überhaupt die Phasen Zwei und Drei des einst groß angekündigten Versuchs starten werden, steht in den Sternen.

Angekündigt wurde einst ein spektakuläres Experiment. Herausgekommen ist ein Berliner Ergebnis.

 

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Zaudernde Verkehrsträumereien für die Schönhauser Allee

 

 



15 Kommentare zu “Der Kirchner-Berg kreißte und gebar…. drei Parklets”

  1. Nachbar

    Mai 22. 2017

    weg mit diesem Unsinn…. die ganzen experimente können gern in friedrichshain, kreuz-kölln oder anderswo erfolgen.

    der prenzlauer berg braucht solchen unsinn nicht. anche verkehrspolitiker verlieren einfach den sinn für realität… das chaos wird in den nächsten wochen vorprogrammiert sein.

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    • Marion

      Mai 22. 2017

      Lieber Nachbar, wir brauchen sehr wohl solche Experimente mit dem Ziel mehr Aufenthaltsqualität für unmotorisierte Menschen zu schaffen. Auch in Pankow, in der ganzen Stadt. Stadt ist zum Wohnen und Leben, nicht um immer mehr KFZ-Verkehr zu gewährleisten.

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  2. wie lausig!

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  3. Wie erwartet …

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  4. Jörg

    Mai 22. 2017

    Sehr gut. Das nennt man Pragmatismus. Der Untergang des Abendlandes bleibt aus und die Schönhauser wird Schritt für Schritt lebenswerter.

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  5. die 75.000 Euro für die Herstellung könnte man auch sinnvoller einsetzen. zum Beispiel für Wahlhelfer für Neuwahlen in Berlin

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  6. Ich hoffe mal, die Realität holt den verspinnerten Kirchner und seine versammelten Inkompetenzlinge recht bald ein.
    Vor gut einer Woche wurden der Ostseite der Schönhauser, Höhe Arcaden, die Tramschienen erneuert, was eine zeitweilige Sperrung einer der beiden Autospuren mit sich brachte.
    Binnen 30 Minutern entstand, was jeder grenzdebile 12jährige ohne weiteres Nachdenken sofort vorausgesagt hätte: Ein kompakter Stau von Eberswalder bis Arcaden, welcher sich auch außerhalb der Rush-Hour nicht mehr auflöste und Verkehrsteilnehmer und Anwohner nur verzweifelt die Köpfe schütteln ließ.
    Eigentlich wäre damit empirisch bewiesen, dass der geplante Umbau der Schönhauser auf zwei Autospuren genau das ist, was jeder halbwegs des Denkens fähige Mensch schon lange wusste: Eine Schnapsidee, welche weder gut gemeint sein und auch nicht gemacht werden kann . Es kann einfach nicht funktionieren!
    Dazu käme noch, was an diesen Tagen zwar schon deutlich zu spüren, aber noch nicht „sytemimmanent“ war: Eine sofortige Auswirkung auf die Umsätze der an der Schönhauser liegenden Geschäfte. Dass sich dort immer mehr Spätis, Handyläden, Daddelhallen etc. niederlassen und laufend alteingesessene Geschäfte eingehen ist ja ebenfalls länger bekannt und ebenso bekannt ist, dass dies auf die desparate Parksituation zurückzuführen ist. Man leistet sich da lieber eine zwei Kilometer lange Kopfsteinpflasterbrache unter der Hochbahn und verjagt die Leute aus der näheren und weiteren Nachbarschaft in die Innenstadt oder in die EKZs auf der grünen Wiese.
    Aber vielleicht reicht es Hern Kirchner noch nicht, mit seinen sinnlosen Kaputtrenovierungen in den umliegenden Wohnstrassen die Wohnungspreise auf inzwischen über 6.000 € qm hochgetrieben zu haben. Wahrscheinlich strebt er tatsächlich ein investorenfreundliches, hochrentables, totberuhigtes und nur für Tiefgaragenmieter erreichbares ländliches Idyll für Allerbestverdiener mitten in der Großstadt an?

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  7. Hohoho!

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  8. Ich schwanke zwischen Schadenfreude und echtem Ärger, denn naiverweise habe ich gedacht, dass wir auf der Schönhauser mal echte Innovation probieren und den Verkehr neu erfinden können… Wie konnte ich nur.

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  9. Das ist – leider – für das bisherige Agieren des Senats in Sachen Radverkehr typisch. Ich hatte mir allerdings unter dem neuen Senat einen etwas anderen Elan versprochen. Warum um alles in der Welt haut man nicht die 10+ Parklets dahin, jedes aus ein paar Europaletten zusammengezimmert und verzichtet dafür auf Förderanträge und den ganzen Klimbim, der Verwaltungshandeln so langatmig macht. Die Dinger müssen keine Designansprüche erfüllen, sie sollen den Straßenraum neu aufteilen. Wenns klappt, kann man natürlich richtig Geld ausgeben, denn schick darfs am Ende natürlich gerne sein.

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  10. Ich möchte ja nix dazu sagen er wer von dem gewählt typisch unsere grünen Wähler ihr in Prenzlauer berg und es wird noch schlimmer sage ich euch ich kenne es noch von früher wo Fleischer waren eck kneipen und die wohungen waren bezahlbar und Prenzlauer berg hatte noch Flair jetzt ist es hier an machen ecken ob ich in Hollywood bin und unsere lieben Fahrrad Rambos möchte ich ja auch nicht zu vergessen die grünen haben doch allee ein knall weg

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    • Michael Stoß

      Mai 22. 2017

      Ja, das stimmt natürlich. Schon seit Jahren verfolge ich den Kampf der Grünen gegen die lokalen Shops und niedrige Mieten. Als ich das erste Mal die Grünen in Verdacht hatte, habe ich mir gleich einen Aluhut zugelegt. Seitdem sehe ich klarer.

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  11. Viel zu radikal. Besser: Eine Autospur mit Tram, eine Parkspur und eine breite Radspur. Es müsste nichts umgebaut werden, nur die Fahrbahnmarkierung wird geändert. Das kann man auch auf der Hälfte der Strecke testen.

    Übrigens ist der Radweg auf dem Bürgersteig sowieso eine Zumutung. Sowohl die Breite als auch der Untergrund.

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  12. Frank Eck via Facebook

    Mai 22. 2017

    Verbrennungsmotoren könnte man echt komplett aus dem Stadtbereich verbannen. Irgendwann muss es ja eh damit anfangen.

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  13. heiner funken

    Mai 22. 2017

    tja der kirchner und seine ergebnisse. bei kirchner war und ist politik vor allem eine mediale selbstdarstellung. wenn diese selbstdarstellung gelung zu sein scheint ist das lausige ergebnis von geringer bedeutung.
    schaumschlägerei for staatssekretär

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