Klassentreffen der Bildungsfernen oder: Die Würmer sind in uns


 

Nachdem am Sonnabend zwischen 17.000 und 1,7 Milliarden Demonstranten (die Zahlen schwanken je nach Zählweise) die Straße des 17. Juni bevölkerten, traf sich am Sonntag die Nachhut der besorgten Bürger im Mauerpark, um noch einmal mutig die… ähh… Wahrheit über Corona auszusprechen.

Das Corinavirus, erklärte zum Beispiel ein junge Mann im Grund des Amphitheaters des Mauerparks, sei lediglich ein „orales Virus“, das von Medien erfunden worden sei. In der Realität hingegen sei es nicht existent. Die zirka 140 (oder waren es 140.000?) im Halbrund des Theaters sitzenden Zuhörer belohnten die bahnbrechende Erkenntnis mit Jubel und Beifall.

Was folgt daraus?

Der ältere Herr im hellblauen Hemd und beigefarbenen Jackett, der als nächstes das Bühnenplateau betrat, machte es klar: Keine Zeitungen mehr lesen, nicht Fernsehen – und falls man doch noch über eine Art Radio verfügt: Sobald ein Nachrichtensprecher anhebt, etwas zu vermelden: Sofort ausschalten! Denn all dies sei notwendig für ein selbstbestimmtes, glückliches Leben.

Querschnittsgelähmt sei er gewesen, erzählte er dann, unheilbar, doch unerwartet habe es dennoch eine spontane Heilung gegeben. Das geschah, weil er sich nur auf sich selbst konzentrierte: „Man muss dafür sorgen, dass einem der Körper nicht auf der Nase herumtanzt.“
Und während der unbedarfte Zuhörer sich noch aufrichtig mühte, sich vorzustellen, wie sein eigener Körper auf seiner eigenen Nasenspitze Pirouetten dreht, schlussfolgerte der Redner bereits messerscharf: Ohne einem auf dem Gesichtserker tanzenden Körper gibt es auch keine Infektionen – denn nur der eigene Geist bestimmt, ob so ein Virus in den Körper dringt.

Anderes, so erklärte der durch seinen Geist Spontangeheilte dann, sei längst im Körper im Körper vorhanden: Würmer zum Beispiel.
Wenn man einen Toten nach längerer Zeit exhumiere, werde man nur noch von Würmern zerfresssene Reste finden – der Sarg selbst aber sei stets wurmlochfrei. Denn Gewürm sei schon immer in uns gewesen…

Beifall beim Publikum, der sich zu lauten Verzückungsrufen steigerte und schließlich in einem gemeinsamen, tänzerischen Hin- und Herwiegen mündete…

Als die nächsten Redner dann noch gegen eine angebliche Einschränkung der Meinungsfreiheit polemisierten (und deutlich in der Minderzahl befindliche Gegendemonstranten fast zeitgleich wegen Zwischenrufen von der Polizei zurückgedrängt wurden), kam beim Berichterstatter ein gerüttelt Maß an Bewunderung auf.

Bewunderung für die Handvoll Basketballspieler unmittelbar vor dem Amphitheater, die unbeeindruckt von dem Klassentreffen der Bildungsfernen – so, als wäre dort nichts und niemand – Mal für Mal ihren Ball im Korb versenkten.

Karl Kraus (oder war’s Karl Valentin?) hatte dafür einst das treffendende Bonmot erfunden: Net amoal ignoriern.

 

Impressionen


 



11 Kommentare zu “Klassentreffen der Bildungsfernen oder: Die Würmer sind in uns”

  1. CS

    Aug 03. 2020

    Tja, im ganzen Universum gibt es Wurmlöcher. Särge werden Gottlob verschont.🧟‍♀️
    Sehr traurig, daß hier, wie vielfach auf den Transplakaten zu sehen, das Aspergersyndrom mißbraucht wird, um „Haßpersonen“ zu diffamieren. Wenn man keine Ahnung hat, hilft vielleicht Geistheilung oder eine Wurmkur.

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  2. Ingrid Weissbach

    Aug 03. 2020

    Lieber Gott, lass HIRN regnen!!! Würmer hats ja schon !

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  3. Eva Martin

    Aug 06. 2020

    Ich bin die Frau mit den ASPERGER-SÖDER, ASPERGER-SPAHN, ASPERGER-GATES und ASPERGER-DROSTEN-Plakaten. Es ist keine Diffamierung, obwohl ich natürlich verstehen kann, dass es so rüberkommt. Ich will nur darauf hinweisen, dass die autistischen Züge der Genannten etwas mit ihrer Kontextblindheit gegenüber den Auswirkungen dieser drastischen Corona-Maßnahmen und mit ihrer Neigung zu überzogenen Ängsten und repressiven Maßnahmen zu tun hat.
    Auf der Demo am 01.08. habe ich übrigens viel Zustimmung für meine Plakate bekommen. Die wurden auch ca. 500x abfotografiert. Die Leute merken doch, dass die Genannten einen gewissen Habitus haben und anders ticken als Neurotypische.
    Ich denke es schadet nicht, mehr über Neurodiversität und Autismus aufzuklären und dabei auch die problematischen Aspekte nicht zu verschweigen.

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    • CS

      Aug 06. 2020

      Nun, Eva Martin, Ihre Rückmeldung zeigt um so deutlicher, dass Sie nicht wirklich Ahnung haben. Dann wüßten Sie nämlich, dass Menschen mit dem Aspergersyndrom genauso divers sind wie alle anderen. Sie haben hier die von Ihnen genannten Personen in den Kontext mit Asperger gebracht, um von Ihnen so gesehene, negative Verhaltensweisen zu unterstreichen. DAS ist Kontextblindheit!

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    • Besserwessi

      Aug 08. 2020

      Werte Frau Martin, haben Sie ihre offenbar doch wirklich fortgeschrittene Hirnwasserabsenkung mal durch einen Spezialisten untersuchen lassen? Und dass Sie für dieses Geschreibsel am 01.08. (Tag der Geist.Befreiung) Zustimmung erhalten haben, versteht sich doch von selbst. Die dort Anwesenden teilen Ihr Leiden.

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  4. J.H.K

    Aug 08. 2020

    Schade das hier auch wieder Mainstream-mässig alle über einen Kamm geschoren werden. Bei der Demo am 1.08.2020 waren ebend 17000 bis 1,3 Millionen Demonstranten auf der Strasse um für ihre Rechte zu demonstrieren. Die Zahl 1,7 Milliarden ist unrealistisch und deutet auf einer Bildungsfernen Rechenoperation hin.
    Auf der Demo am 01.08.2020 waren Rechte, Linke, Spinner, Normale, Hell – und Dunkelhäutig, Proleten und Intellektuelle usw. Vielleicht auch Bildungsferne Journalisten die so eine große Demonstration ins lächerliche ziehen wollen. Also buntgemischt, wie unsere Bevölkerung ist. Diese Menschenmassen, unser buntes Volk, ist friedlich über die Leipziger Straße und der Friedrichstraße hin zum Brandenburger Tor maschiert. Eine friedliche Demonstration in der Größenordung hat es seid 1989 nicht mehr gegeben.
    Es war keine Partei – oder Gewerkschaft organisierte Veranstaltung. Diese Demonstration war vom Volk ausgegangen, die mit den politischen Entscheidungen und den übertriebenen Maßnahmen unzufrieden sind.

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    • von ODK

      Aug 11. 2020

      Lieber J.H.K.,

      selbstverständlich gestehe ich meine Bildungsferne – erst recht wenn’s ums Rechnen geht – ein, denn ein solches Selbsteingeständnis verhilft einem zuweilen, die eigenen unzureichenden Vorstellungen beiseite zu schieben und sich dorthin zu wenden, wo Bildung – in diesem Falle das Berechnen der physisch möglichen Anwesenheit von Demonstranten auf einer bestimmten Fläche – fachlich und sachlich kompetent dargestellt wird.

      Wie zum Beispiel hiier:

      https://www.br.de/nachrichten/wissen/faktenfuchs-wie-viele-leute-waren-auf-corona-demo-in-berlin,S6bfRBo

      Beste Grüße

      ODK

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  5. J.H.K

    Aug 12. 2020

    Mein Lieber ODK.

    Danke für Dein Interesse meines Kommentars. Erst wollte ich es dabei beruhen lassen aber wegen > das Berechnen der physisch möglichen Anwesenheit von Demonstranten auf einer bestimmten Fläche < muss man doch einen Selbsteingestehenden Bildungsfernen, mit Problemen beim Rechnen auf die Sprünge helfen.

    Wie erkläre ich es meinem Kinde ?

    Die machtvolle Kampfdemonstration begann Unter den Linden. Führte weiter über die Friedrichstrasse, Oranienburger Straße, Spandauer Brücke, Spandauer Straße, Mühlendamm, Gertraudenstrasse, Leipziger Straße, Leipziger Platz, Ebertstraße, hin zum Brandenburger Tor, und dort auf die Straße des 17. Juni. Und es wurde nicht im Gänsemarsch demonstriert, die Straßenzüge waren prall voll. Die ganze Demo wurde vom Bahnhof Friedrichstraße aufgezeichnet.
    https://www.youtube.com/watch?v=gKuGWFeQCN4
    Dauert fast eine ein und eine halbe Stunde

    Dann gibt es auch viele Zeitzeugen, wie zum Beispiel:

    Michael Fritsch (Kriminalhauptkommissar) aus Hannover war auf der Demo in Berlin und sprach auf der Demo QUERDENKEN 23.1 Dortmund 09.08.2020 von mehreren Hunderttausend Demonstranten. https://www.youtube.com/watch?v=Fqs5xtCn-p8
    Ein fränkischen Polizeibeamter als Dienstgruppenleiter tätig, war auf der Demo in Berlin, sagt öffentlich seine Meinung in Augsburg auf dem Fest für Frieden und Freiheit am 8.August
    es waren mehrere Hunderttausend Demonstranten in Berlin. https://www.youtube.com/watch?v=dz0KzUt049M

    Dr. H. Demanowski
    Unmittelbarer Anwohner. Beobachtete den Demonstrationszug von seinem Balkon 21. Etage

    Auszug seines Briefes an die ARD:
    Hier ging es eher um hunderttausende, nicht um 20.000 (und diese völlig absurd niedrige Zahl haben Sie nicht etwa von der Polizei übernommen, sondern persönlich recherchiert? – siehe „Faktenfinder“; ich empfehle Ihnen, den verantwortlichen Redakteur für diese Fehlleistung zu feuern!
    Dito für deinen Faktenfuchs. Wird der eine vom anderen abgeschrieben haben.

    mehrere hunderttausend Demonstranten
    https://www.pressenza.com/de/2020/08/fehlerhafte-berichterstattung-anlaesslich-der-grossdemonstration-tag-der-freiheit-am-01-08-2020-in-berlin

    Thomas Stapper – Heilpraktiker/Homöopath

    Talkshow "Auf Augenhöhe" bei 9 min. 5 sec.

    Polizei hat abgeriegelt, weil nur bis zu 500 000 zugelassen sind zur Kundgebung auf dem 17. Juni.
    https://www.youtube.com/watch?v=4QIVMFNQ2PY

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    • von ODK

      Aug 13. 2020

      Lieber J.H.K,

      Okay, lassen wir das Rechnen. Schauen wir uns stattdessen ein Bild an.
      Oder zwei.
      Oder besser noch drei.

      Eines vom 1. August und zwei von der Loveparade im Jahr 2000. Wo es tatsächlich eine Million Menschen gewesen sein sollen (also längst noch nicht 1,3 Millionen).

      Und was sehen wir da? Auf dem ersten eine nicht vollständig belegte Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Großer Stern. Auf dem zweiten und dritten Menschen dichtgedrängt, vom Brandenburger Tot über den Großen Stern (dessen Ausfallstraßen ebenfalls dicht an dicht belegt sind) bis hin zum von Menschen völlig überlaufenen Ernst-Reuter-Platz. Und das sind dann wohl gerade mal eine Million.

      Einen Link zu den drei vergleichenden Fotos gibts natürlich auch: https://twitter.com/RobertBoni6/status/1291083535189671936/photo/1

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  6. J.H.K

    Aug 14. 2020

    Demo die Dritte:

    Lieber ODK,

    Gute Idee, wir rechnen mal nicht.

    Ja es stimmt es ist gut zu erkennen, das vor der Kundgebung und während der Demonstration, die vom Veranstalter mit der Zahl 1,3 Millionen angegeben wurde, schon einige Leute auf der Straße des 17. Juni waren. Diese füllte sich aber dann, als der Demonstrationszug von der Ebertstraße aus einbog.
    Ich möchte mich jetzt nicht unbedingt an dieser geschätzten Zahl festhalten. Aber es waren meiner Meinung nach weitaus mehr Menschen unterwegs als von den Staatsmedien öffentlich verbreitet wurde.
    Ohne zu zählen und zu rechnen. Das Fußballstadion „Alte Försterei“ vom 1. FC Union in der Wuhlheide hat Platz für 22 000 Besuchern. Es ist immer ausverkauft (vor Corona). Und jetzt muss ich hier nochmals auf das Video verweisen, wo man sich ein Überblick über die Menge an Demonstranten machen kann.
    https://www.youtube.com/watch?v=gKuGWFeQCN4
    Das sollen weniger sein als die Zuschauer bei Eisern Union?
    Wenn man jetzt das Bild auf der Gertraudenbrücke vom Faktenfuchs sich anschaut, ist es identisch mit dem Video. Zum Schluß laufen noch einige Leute hinterher (ab 1 Stunde und 12 min. im Video)
    Und nun noch der Vergleich zur Love Parade, die ja gerne aufgeführt wird: Die Streckenführung der Love Parade ging vom Ernst Reuter Platz vorbei an der Siegessäule hin zum Brandenburger Tor und retour. Ja, es war ein dichtes Gedränge. Eine Länge von ca. 4 km. Die Loveparade drehte sich also ständig im Kreis. Eine Straßenseite hin, die andere Seite zurück.
    http://a.rhein-zeitung.de/on/98/07/08/magazin/news/love-route.gif
    Wobei die Streckenführung der Demo am 1. August durch Berlins Mitte ging. Eine Strecke von ca. 8,5 km.
    Von der Demo aus ging es zur Kundgebung. Der Zugang wurde dann laut Aussage der Polizei „Wegen Überfüllung geschlossen“.
    Nachzulesen auf dem tweet den du verlinkt hast. https://twitter.com/RobertBoni6/status/1291083535189671936
    Nicht jeder Demonstrationsteilnehmer wurde durchgelassen.
    Das deckt sich auch mit der Aussage von Thomas Stapper – Heilpraktiker/Homöopath
    in der Talkshow „Auf Augenhöhe“ bei 9 min. 5 sec: Polizei hat abgeriegelt, weil nur bis zu 500 000 Personen zugelassen sind zur Kundgebung auf dem 17. Juni.
    https://www.youtube.com/watch?v=4QIVMFNQ2PY
    Es täte gut daran zwischen Demonstration und Kundgebung zu unterscheiden. Denn an der Demo konnte jeder teilnehmen, auf der Kundgebung auf dem 17. Juni war die Fläche wegen der Vorschriften begrenzt.
    Aufgelöst wurde die Kundgebung nicht wegen geringer Teilnahme, sondern weil es zu viele waren (ohne mich auf eine Zahl festzulegen) und deshalb den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand man nicht einhalten konnte.

    Dankeschön für Dein Interesse und Deiner Mühe, bleib schön Gesund.

    J.H.K

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