Die Projekte des Klaus Mindrup (Teil 2)

Klaus Mindrup3 Das „Hafendorf Fleesensee“

Begonnen hatte alles kurz nach der deutschen Vereinigung. Die Idylle der Mecklenburgische Seenplatte lockte viele Investoren, Glücksritter, Möchtegern-Anleger, Träumer… an, die das weitgehend unerschlossene Gebiet zum Wohle des eigenen Geldbeutels touristisch erschließen wollten. Und vor Ort war man dankbar für jeden, der kam, und in dem strukturschwachen Gebiet Arbeitsplätze und wirtschaftliche Prosperität versprach.

Manche Pläne wurden – wenn schon nicht für die Geldgeber, so doch aber für die Hotelbetreiber – zu einer Erfolgsgeschichte. Auch um den Fleesensee herum: Das Land Fleesensee etwa, in der Gemeinde Göhren-Lebbin. Über 2000 Betten in vier Hotels, und mit einer Gesamtfläche von 550 Hektar „Nordeuropas größtes Golfresort“. Errichtet wurde das Bespaßungsdorf im Ort selbst und auf dem umliegenden ehemalgen LPG-Acker.

Auch auf der anderen Seite des Sees, dort, wo sich heute der Naturpark Nossentiner Heide erstreckt, gab es Begehrlichkeiten. Der Schweizer Geschäftsmann Werner Bleiker hatte nahe des kleinen Ortes Silz einen Flecken ausgemacht, an dem er Großes plante. Ein „Hafendorf“ sollte entstehen, mit Hotelanlage, Wellnessbereich, dörflicher Architektur nachempfundenen Ferienhäusern und einem Yachthafen.

Klotzen und nicht Kleckern, das war schon zuvor Bleikers Devise gewesen. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre plante er auf den Kapverdischen Inseln nicht nur ein Hafendorf, sondern gleich eine ganze Hafenstadt. Gut eine halbe Milliarde Schweizer Franken sollten in die am Reißbrett entworfene Touristenstadt investiert werden.

 

Die Gesellschaften eines wegen Schwarzgeld verurteilten Schweizers,
ein Plan und eine Umweltverträglichkeitsstudie
 

(…)Weil er sich mit einem Grossprojekt auf den Kanarischen Inseln übernommen hatte, musste er sich 1992 für zahlungsunfähig erklären und schlug sich fortan als kleiner Liegenschaftsverwalter durch.

Damit nicht genug. Die Justiz stiess auch auf krumme Geschäfte: 1995 bekam Werner Bleiker vom Zürcher Bezirksgericht zwei Jahre Gefängnis aufgebrummt. Bei einigen seiner Immobiliengeschäfte war Schwarzgeld in Höhe von 6,5 Millionen Franken geflossen.

Quelle: „Beobachter“ 12/01

 

Ganz so zahlungsunfähig schien Werner Bleiker dann aber doch nicht gewesen sein. Immerhin reichte das Geld noch, um mit 500.000 DM Kapital die Wohnbau MüritzWohnungsbaugesellschaft mbH, mit weiteren 200 000 DM die Hafendorf Karow Planungs- und Baugesellschaft mbH und schließlich die mit ebenfalls 200.0000 DM ausgestattete Hafendorf Silz Planungs- und Baugesellschaft mbH ins Leben zu rufen.

Allein, Sichtbares wurde nicht geschaffen.

Immerhin wurde Mitte der 90er Jahre Für das Projekt Hafendorf Silz von der zuständigen Behörde eine Umweltverträglichkeitsstudie (UVS)in Auftrag gegeben.
Möglicherweise war dies ja der Moment, an dem Klaus Mindrup zum ersten Mal mit dem Projekt Hafendorf Silz in Berührung kam. Denn der Auftrag ging an die GMZ Planungsgesellschaft Matthias Zinnen mbH (klick auf „Fachbezug“) in 13189 Berlin-Pankow, Berliner Straße 69. Das ist dieselbe Adresse, wie sie Klaus Mindrup als Sitz seiner Projektentwicklung angegeben hatte.

 

Mindrup und Zinnen dürften sich schon seit rund zwei Jahrzehnten kennen. Beide betrieben sie in Osnabrück eine Projektgesellschaft – der eine links, der andere rechts der Bundesautobahn 33.
Beide zogen sie 1995 in Richtung Berlin, und in Pankow betreiben sie eine Art Bürogemeinschaft. Zusammen bestritten sie Gutachterprojekte und Klaus Mindrup tritt zuweilen auch namens der Firma GMZ auf. Wen man auch fragt, die Antwort ist stets: Da wo Zinnen aufschlägt, ist Mindrup nicht weit.

gmz mindrup

Da die Umweltverträglichkeitsstudie hier noch nicht vorliegt und Klaus Mindrup auf Nachfrage abblockte („Ohne meinen Anwalt rede ich mit Ihnen nicht!“), kann nur vermutet werden, dass er auch an diesem Zinnen-Projekt – direkt und indirekt – nicht unmaßgeblich beteiligt war.
Denn das Unternehmen von Matthias Zinnen firmierte sowohl in Osnabrück, als auch bei seinem „Zwischenaufenthalt“ in Zehdenick bei Berlin stets als „Planungsgesellschaft für Energietechnik“. Das änderte sich erst 1996 in Berlin, also zu dem Zeitpunkt, als die Umweltverträglichkeitsstudie erstellt wurde.
Auch die Beteiligung eines Mindrup-Kommiltonen aus der Osnabrücker Studentenzeit spricht dafür.

Der Hannoveraner Diplombiologe Andreas Otto (nicht zu verwechseln mit dem Prenzlauer Berger Abgeordneten gleichen Namens), der mit Mindrup schon am Klöckner-Projekt beteiligt war und auch mit ihm gemeinsam publiziert hat, weist auf seiner Referenzseite unter anderem auf einen „Vegetationskundlichen Fachbeitrag zur ‚UVS Hafendorf Silz'“ hin. Darüber hinaus finden sich dort noch ein „Fachgutachten zur Makrophyten-Vegetation des Fleesensees im Bereich einer geplanten Fahrrinne“ sowie die „Mitarbeit bei der Projektleitung, Biotoptypenkartierung und Erarbeitung mehrerer Kapitel für den ‚Landschaftsplan Gemeinde Silz'“.
Befragt nach seiner Stellung und jener von Klaus Mindrup bei der Erstellung der Umweltverträglichkeitsstudie für das Hafendorf Silz, zeigte Diplombiologe Otto deutliche Gedächtnisschwäche: Er könne sich daran nicht mehr erinnern.

 

Viele Pleiten, ein Firmenbestatter und die merkwürdige Wanderschaft einer Überlebenden

Wie dem auch sei – die Studie bestätigte offenbar die grundsätzliche Umweltverträglichkeit des Vorhabens. Die Sache kam dennoch nicht voran. Eine Gesellschaft nach der anderen landete schließlich in Silz bei einem Agraringenieur, der von dem Schweizer Werner Bleiker einst zum Co-Geschäftsführer gemacht wurde, um dort ihr Leben auszuhauchen.

Doch nicht alle Bleiker-Gründungen wurden in dem lauschigen Mecklenburger Dörfchen bestattet. Den Sitz seiner OPED Grundstücksgesellschaft mbH ließ der Eidgenosse vor deren Sterben noch schnell nach Berlin Pankow, Berliner Straße 69, der Büroadresse von Klaus Mindrup und Matthias Zinnen verlegen.

Noch bemerkenswerter ist der Weg des Bleiker-Unternehmens „Wohnbau Müritz“. Vom Gründer aus der Firmen-Grabstätte Silz herausgeholt, fand es seine vorläufige Heimstatt ebenfalls in der Berliner Straße. Und damit nicht genug: Neuer Geschäftsführer wurde kurz darauf Mindrups Büropartner Matthias Zinnen.

Doch hier war die Reise der „Wohnbau Müritz“ noch nicht beendet. Nach einem Aufenthalt am Hohenzollerndamm wurde der Unternehmenssitz in das hessische Homberg (Efze) verlegt. Und als Geschäftsführer firmiert nun wieder – Überraschung! – der Schweizer Werner Bleiker.

 

 

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kommentar zensiert1Entgegen der sonstigen Gepflogenheiten der Prenzlberger Stimme beibt die Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen. Der Grund: Dieser Artikel nimmt auf den Pankower SPD-Politiker, Mitglied des Berliner Landesvorstandes der SPD und Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup Bezug.Klaus Mindrup4
Mindrup hatte in den Kommentaren eines ihn betreffenden Artikel Behauptungen zu seiner Person als unzutreffend angesehen. Anstatt die ihm gebotenen Möglichkeiten einer Richtigstellung in seinem Sinne zu nutzen, zog er es vor, diese Äußerungen gerichtlich verbieten zu lassen. Näheres über die juristische Attacke des SPD-Politikers gegen die Prenzlberger Stimme ist hier zu lesen ==>

 

 

 

 


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