Der Weihnachtsmann hat fertig – und nun?

WeihnachtsmannNoch ein paar Grad mehr, und Knecht Ruprecht hätte seine Runde in Bermuda-Shorts machen können: Bis zu zwölf Grad plus – es soll schon Sommertage gegeben haben, an denen es nicht wärmer war.
Doch selbst wenn mancher einer “Weißen Weihnacht” hinterher-
getrauert haben sollte – das Frühlingsklima hat ja auch seine Vorteile: Eine für die Jahreszeit unterdurchschnittliche Knochenbruchrate zum Beíspiel.
Gut aber auch für die, die kein Dach über dem Kopf haben: Die Gefahr des Erfrierens während des Nächtigens unter freiem Himmel ist da nicht ganz so groß.

Da kann man nur hoffen, dass das milde Wetter anhält. Denn spätestens ab Februar ist die einzige im Bezirk Pankow befindliche Übernachtungsstätte für Obdachlose dicht. Die befindet sich bis dahin noch in der Prenzlauer Allee 89 und gehört zum Verein Mob e.V. Der der gibt die Straßenzeitung „Straßenfeger“, betreibt das Café „Kaffee Bankrott“ sowie einen „Trödelpoint“Bereits Ende Juni erhielt der Verein die Kündigung zugestellt, auf den eingelegten Widerspruch folgte die Räumungsklage.

Bemerkenswert ist die Begründung des Rauswurfes:

Prenzlauer Allee 87: Armut unerwünscht

Prenzlauer Allee 87: Armut unerwünscht

„Die Wohnungssituation“ schrieb die Vermieterin, „hat sich im Laufe der letzten Jahre im Prenzlauer Berg so verändert, dass es uns nicht mehr möglich ist, ein Projekt Ihrer Art in unserem Objekt zu halten.“

Was im Klartext heißt: Eure Armut kotzt uns an, wir können sie nicht mehr ertragen – verschwindet also gefälligst aus unserem Blickfeld. Verwertungshemmendes und selbst nicht mehr verwertbares Menschenmaterial. “Die Würde des Menschen ist…” – ach. lassen wir das.

Einen Platz für Zeitungsausgabe, Café und Trödelladen hat Mob e.V. mittlerweile gefunden: In einem ehemaligen Teppichlager im Gewerbegebiet an der Storkower Straße. Also weit weg und gut versteckt vor dem Anblick “vollwertiger” Menschen.

BER-Terminal: Flughafenfinanzierung gesichert, Notunterkünfte unerschwinglich

BER-Terminal: Flughafenfinanzierung gesichert, Notunterkünfte unerschwinglich

Nur die Notübernachtungsplätze werden wohl wegfallen und die zuständige Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz hebt – wie stets in solchen Fällen – ratlos die Hände. Woher nehmen… .
Denn Berlin ist arm und der Bezirk sowieso. Letzterer hatte zwar in 2012 einen Überschuss 4,7 Millionen Euro erzielt – doch da sie nicht ausgegeben wurden – etwa für die bessere Ausstattung von Schulen, für die Kultur oder eben für die Bedürftigenhilfe – musste das Geld zur “Schuldentilgung” an den Senat überwiesen werden.
Und der braucht es dringend: Der Katastrophenflughafen Berlin-Brandenburg zum Beispiel kostet 34 Millionen Euro pro Monat. Da hat Pankow also im vergangenen Jahr rund vier Tage BER finanziert.
Man sollte das Bezirksamt für seine Verdienste um den Flughafen für die Auszeichnung mit der Goldenen Wowerine mit Meh-Dornen und Platz-Ecken am Bande vorschlagen.

 

Sone und solche

Bei Pamphleten jeglicher Art erweist es sich oft als Vorteil, zuerst einen Blick auf den Unterzeichner zu werfen. Steht da etwa als Unterschrift „Ein besorgter Mitbürger“, weiß man schon so ungefähr, was einen erwartet.

zettelSo auch im Winskiez, wo sich ein anonymer Westentaschen-Seehofer bemüßigt fühlt, seinem großen Vorbild nachzueifern.
Vor ein paar Tagen waren dort wieder einmal Zettel an den Laternen zu finden, auf denen unter der Überschrift „Achtung vor Betrügereien!!!“ fröhlich gegen Rumänen gehetzt wird.

Da radebrecht jener unbekannte Hilfshorst von

„“(…) Rumänischen Banden die hier in Berlin und in anderen deutschen Städten ihr Unwesen treiben, unsere armen Mitbürger die z.B Zeitschriften (Motz bzw Der Straßenfeger) verkaufen, um damit ihr Lebensunterhalt und was damit verbunden ist, zu finanzieren, mit allen Mitteln versucht Sie von ihren Verkaufsplätzen zu vertreiben, um damit Sie mit ihren rumänischen Frauen und Kindern besetzen (Sie einzuverleiben) um damit Mitleid bei unserer Bevölkerung zu erreichen…”

Um am Schluss diesen Knaller zu landen:

„Trauen Sie nur Leuten die fließend unsere deutsche Sprache sprechen.“

 

Hochwertiger Flüchtling: Michail Chodorkowski (rechts) im später von ihm kritisierten Kreml

Hochwertiger Flüchtling: Michail Chodorkowski (rechts) im später von ihm kritisierten Kreml

Wertunterschiede werden selbstverständlich auch bei Flüchtlingen gemacht.

Da gibt es zum einen diejenigen, die man sich mit allen Mitteln vom Halse halten möchte, weil sie entweder Habenichtse sind oder aber wirksam und in aller Öffentlichkeit mit der Verschwörungstheorie aufräumen, Geheimdienste seien keine demokratiefeindlichen kriminellen Vereinigungen – und die sich somit den Zorn der weltgrößte kriminelle Vereinigung samt ihrer Untergebenen zugezogen haben.

Als wertvoll hingegen wird ein Flüchtling dann eingestuft, wenn er sich binnen kurzer Zeit ein zweistelliges Milliardenvermögen ergaunert hat, hernach wegen Wirtschaftsverbrechen verurteilt wird – um dann mit Hlfe einer US-amerikanischen Werbeagentur zum “Kreml-Kritiker” zu mutieren. Ein solcher wird mit Hilfe eines ehemaligen Außenministers per Privatjet nach Deutschland ausgeflogen und im besten Hotel der Stadt einquartiert.

Egon Bahr, ehemaliger sozialdemokratischer SPD-Politiker (was keine Tautologie darstellt), formulierte das kürzlich vor Heidelberger Schülern so:

“In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.”
 

Apropos Hotels…

Im Oktober vergangenen Jahres teilte der Pankower SPD-Bundestagsabgeordnete in seinem Facebookaccount mit, dass er nun erstmal fort sei für „zwei Tage zum Durchatmen und um wieder Energie zu gewinnen“.

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Daneben postete er ein Foto, aufgenommen aus einem Zimmer des „Yachthotel Chiemsee“ im bayrischen Prien.
Eigentümer der luxuriösen Herberge ist der langjährige Mindrup-Spezi Klaus Wiesner, der als Chef- Lobbyist die Absenkung der Mehrwertsteuer für das Hotelgewerbe durchdrückte – die sogenannte „Mövenpick-Steuer“. Geschätzter Verlust für den Bundeshaushalt: Rund eine Milliarde Euro pro Jahr.
Nach Mindrups Facebook-Mitteilung spotteten einige seiner Genossen hinter vorgehaltener Hand, dies sei wohl sein

Antrittsbesuch als Bundestagsabgeordneter bei dem bundesweit bekannten Lobbyisten gewesen.

Das ist natürlich eine üble Nachrede.

Denn womöglich wohnte Klaus Mindrup gar nicht als Gast in Wiesners Hotel, sondern ist dort schlicht und ergreifend zu Hause.
Warum sonst hätte er ins Handelsregister eintragen lassen, sein Wohnsitz befinde sich in „Prien a. Chiemsee“?
 
Außerdem sind Mindrup und Wiesner schon „seit zwanzig Jahren“ (O-Ton Mindrup) geschäftlich miteinander verbunden.

So auch bei der Aufhebung eines Teils eines Mecklenburger Landschaftsschutzgebietes, bei dem unter Mindrups Leitung erst eine für die Herauslösung der Immobilie nötige Umweltverträglichkeitsstudie erstellt wurde, von der dann später Mindrup selbst als „Projektplaner“ und Wiesner als AG-Vorstand und Architekt profitierten.

Darüber hinaus wird Klaus Mindrup im Bundestag auch gar nichts mit Steuern oder dem Beherbergungsgewerbe zu tun haben.
Schenkt man einem als inoffizielles Verlautbarungsorgan Mindrups geltenden Webportal Glauben, soll er künftig dem Bundestagsausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit angehören.

 

Der Weihnachtsmann hat fertig und das neue Jahr ist auch schon wieder ein paar Tage alt. +
Es kann noch spannend werden.
 

Schaumermal.

 

 

Weihnachtsmann-Foto: Wikipedia/Derek Ramsey (Ram-Man)

BER-Foto: Wikipedia/Denis Apel

Foto Kreml: Presseamt des Präsidenten der Russischen Förderation

 

 

 

 


kommentar zensiert1Entgegen der sonstigen Gepflogenheiten der Prenzlberger Stimme beibt die Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen. Der Grund: Dieser Artikel nimmt auf den Pankower SPD-Politiker, Mitglied des Berliner Landesvorstandes der SPD und Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup Bezug.Klaus Mindrup4
Mindrup hatte in den Kommentaren eines ihn betreffenden Artikel Behauptungen zu seiner Person als unzutreffend angesehen. Anstatt die ihm gebotenen Möglichkeiten einer Richtigstellung in seinem Sinne zu nutzen, zog er es vor, diese Äußerungen gerichtlich verbieten zu lassen. Näheres über die juristische Attacke des SPD-Politikers gegen die Prenzlberger Stimme ist hier zu lesen ==>

 

 



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