Das war schon immer so: Die Anton-Saefkow-Straße – eher ein Sträßchen oder eine Gasse – ist so schmal, dass eigentlich nur ein Auto durchpasst. Folgerichtig ist sie eine Einbahnstraße. Auf der nördliche Seite der Straße ist dann nocheinmal soviel Platz, um sein Auto dort abstellen zu können – quer, um Fläche zu sparen.
Doch seit Mitte Juli ist plötzlich alles anders. Zumindest, was das Parken betrifft.
Gemerkt hatten es die Anwohner, die ihren Wagen dort abstellten, als die ersten Knöllchen an der Windschutzscheibe flatterten. Die Begründung fürs Bußgeld: Falsch geparkt. Quer ist nicht mehr erlaubt, nur noch längs zur Fahrtrichtung darf das Automobil ruhen.
Das sorgte natürlich für Ärger im Revier. Erstens, weil niemand zuvor auf eine solche grundlegende Änderung der Lebensumstände der Autofahrer aufmerksam gemacht hatte und zweitens, weil – zumindest auf den ersten Blick – ein Grund für den plötzlichen Parkrichtungswechsel nicht zu erkennen war.
Über Bande kommuniziert
Das wäre nun so ein Moment gewesen, wie man ihn regelmäßig in der Kommunalpolitik erlebt. Die Betroffenen schließen sich zusammen und statten erst einmal dem zuständigen Stadtrat einen Besuch ab. Falls das folgenlos bleibt, wenden sie sich an die Bezirksverordnetenversammlung, auf dass sie auf Änderung poche.
Die verärgerten Anwohner der Anton-Saewkow-Straße aber wählten einen anderen Weg: Sie starteten eine Online-Petition.
Das klingt zwar schwer wichtig, ist aber nichts anderes als eine Art Unterschriftensammlung, die man bequem von von zu Hause aus organisieren kann und wo ein Klick die Unterschrift ersetzt. Irgendwelche Folgen oder Verpflichtungen für eine Verwaltung hat so eine „Petition“ nicht.
Vor allem aber: Wohl kein Amtsträger schaut des Morgens – oder wann auch immer auf eine Online-Petitionsseite, um zu schauen, ob da nicht zufällig jemand aus seinem Einzugsbereich… – nö, wirklich nicht.
Bemerkt hatte das Malheur aber immerhin Mike Szidat von der SPD-Fraktion in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und stellte eine Kleine Anfrage an den zuständigen Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner.
Und der klärte die Ursache der Parkrichtungsänderung auf
Die Öffnung der Einbahnstraße Anton-Saefkow-Straße für den Radverkehr in Gegenrichtung entspricht einer langjährigen Forderung von Vertretern des
ADFC und des BUND im FahrRat Pankow. In der Sitzung des FahrRates Pankow am 05.04.2016 wurde die Umsetzung dieser Maßnahme zugesagt.
Durch die bezirkliche Straßenverkehrsbehörde wurden dann, nach Einbeziehung der Polizei im gesetzlich vorgeschriebenen Abstimmungsprozess, die notwendigen sicherheitsrelevanten begleitenden Maßnahmen geprüft und am 13.06.2016 angeordnet. Hierzu zählt auch die Veränderung der Aufstellordnung der parkenden Fahrzeuge, um die Sichtbeziehungen zwischen den ausparkenden Verkehrsteilnehmern auf dem linksseitigen Gehweg und dem nunmehr entgegenkommenden Radfahrern zu gewährleisten.
Kurz gesagt: Damit Radfahrer von (rückwärts) ausparkenden Auotomobilisten nicht übersehen und versehentlich unter die Räder kommen, sollen die Fahrzeuge nur noch der Länge nach parken.
Und dann gab sich der Stadtrat etwas zerknirscht: Die Anwohner – so Kirchner – wurden von der vorgenommenen Änderung nicht informiert
Dass die eigentlich beabsichtigte Anwohnerinformation nicht erfolgte, wird bedauert. Woran dies lag, lässt sich im Nachgang nicht mehr ergründen. Der Vorgang wurde aber ausgewertet, um eine Wiederholung auszuschließen.
SPD: Vorwärts nimmer – rückwärts immer!
Die Aufklärung ist erfolgt und die Begründung erscheint einleuchtend. Damit könnte die Sache nun eigentlich erledigt sein.
Ist sie aber nicht.
Denn durch das Längsparken passen natürlich weniger Fahrzeuge auf die Parkplätze – was die Anwohner nach wie vor verärgert.
Deshalb hat die SPD-Fraktion nun einen Antrag in die heutige BVV eingebracht, der allen gerecht werden soll: Querparken soll wieder erlaubt sein – allerdings nur, für diejenigen, die es schaffen, ihr Fahrzeug rückwärts einzuparken. Weil man dann nämlich vorwärts – und mit voller Sicht auf die Fahrbahn wieder ausparken kann.
Dass dieser Antrag heute von den Bezirksverordneten angenommen wird erscheint unwahrscheinlich – er wird wohl noch genauer im zuständigen Fachausschuss diskutiert werden müssen.



Jana Schubert-Rakowski via Facebook
Nov. 17. 2016
Der Vorgang hat eindeutig komödiantische Züge seitens der Behörden und für den einfachen Bürger (natürlich) Nachteile (wie immer).