2011: Die ersten Stunden

Berlin-Prenzlauer Berg, der 1. Januar 2011. Das neue Jahr ist erst wenige Minuten alt, das vielstimmige „Prost Neujahr“ auf den Straßen wurde vom Böller- und Raketen-
lärm noch überstimmt. Es ist nass und matschig – heute Nacht stört das niemand. Es wird gelacht, gefeiert, getrunken und getanzt. Auf der Straße, im Club, in der Kneipe. ICON kann weitermachen, für den Knaack war es die letzte Party. Und nicht überall, wo „Trauerspiel“ drübersteht, muss es auch traurig zugehen…
Ein Streifzug durch Prenzlauer Berg in den ersten Stunden des neuen Jahres.

 

Vor dem ICON-Club in der Cantianstraße warten etliche Partyhungrige auf Einlass. Irgendjemand stimmt die alte russische Volksweise „Kalinka“ an. Aber auch das verhilft nicht zu einem schnelleren Eintritt, denn: Der Club ist überfüllt.
Drinnen geht eine Party ab, als sollte es die letzte sein. Und die wäre es auch fast geworden. Die Schließungs-
verfügung zum 1. Januar
war bereits unterzeichnet. Aber weil Betreiber, Clubfans und Bezirkspolitik sich einig waren, konnte dem bürokratischen Wahnsinn des Pankower Stadtentwicklungsamtes Einhalt geboten werden. Die Party geht weiter.

Vor dem „Trauerspiel“ in der Milastraße stehen keine Menschenmassen, die auf Einlass warten. Möglicherweise schreckt ja der Name ein wenig ab. Drinnen aber ist es mindestens genauso voll wie im ICON. Und die Stimmung ist auch kein bisschen leiser.
Dafür ist die Musik ein wenig anders: Kein Drum&Bass, sondern solide Schlagermusik…

 

 

Was beim ICON gelang, war beim Knaack nicht mehr zu machen: Die Rettung des Clubs scheiterte. Die Unfähig-
keit und der Unwille der Pankower Baubehörde, Bauge-
nehmigungen nach den realen Umständen vor Ort zu erteilen, brachte dem ältesten Club der Stadt des Ende. „Nach Aktenlage“ wurde erlaubt, ein Wohnhaus direkt an den Club anzubauen. Die neu eingezogenen Bewohner verlangte Ruhe und obsiegten bei Gericht. Konzerte hatten seitdem um 22 Uhr beendet zu sein. Kein Problem – nur, dass zu so früher Stunde kaum ein Clubgänger schon richtig wach ist. In halbleeren Räumen zu spielen, macht aber keinen Sinn – stimmungstechnisch nicht, und wirtschaftlich schon gar nicht. Deshalb war Silvester die letzte Party – nach fast 59 Jahren seiner Existenz macht der Knaack endgültig dicht.

Die Feuerwehr hat zu Silvester immer viel zu tun. Deshalb sind auch Freiwilligen Feuerwehren der Stadt an diesem Tag voll im Einsatz. So auch die Freiwilligenwehr Prenzlauer Berg, die ihre Wache in der Schieritzstraße hat. Um 18 Uhr begann der Dienst, der erste Alarm kam kurz nach Acht. Spätestens des Morgens um Vier, so hofften die siebzehn Kameradinnen und Kameraden, könnten sie Feierabend machen und auf das neue Jahr anstoßen. Doch daraus wurde nichts. Gegen fünf Uhr wurden sie zum fünzehnten Mal in dieser Nacht gerufen. In der Storkower Straße brannte eine „Gelbe Tonne“.


Jede Party hat einmal ein Ende. Und dann stellt sich die Frage: Wie kommt man am besten nach Hause? Das Auto sollte es nicht sein – wegen Alkohol und so. Am besten also mit Bus und Bahn. Mit der S-Bahn zum Beispiel. Ein schlechtes Beispiel. Denn auch in der Nacht zwischen den Jahren fuhren die Gelb-roten eher sporadisch. Und ab Sonntag früh werden mangels funktionstüchtiger Züge vier Streckenabschnitte still-
gelegt: Westkreuz–Spandau, Springpfuhl–Wartenberg, Schönholz–Hennigsdorf sowie Strausberg–Strausberg Nord. Zum Ausgleich dafür steigen die Fahrpreise. Willkommen in 2011 – der Alltag hat uns wieder.



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