Bezirksmedaille für Siegfried Zoels

 

Auf dem Neujahrsempfang von Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wurde Siegfried Zoels von Bezirksbürgermeister Sören Benn und BVV-Vorsteher Michael van der Meer (beide Die LINKE) mit der Pankower Bezirksmedaille ausgezeichnet.

Siegfried Zoels war 1991 Mitbegründer des Vereins Fördern durch Spielmittel – Spielzeug für behinderte Kinder e.V., dessen Geschäftsführer er bis heute ist.

Als Partner des UNESCO–Programms „Bildung für Kinder in Not“ erhielt der Verein internationale Anerkennung. Er organisierte siebzehn UNESCO-Kreativitätsworkshops (unter anderem in Mexiko, Indien, China, und Armenien). In diesen Workshops werden Spielsachen entwickelt, die sich besonders an den Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung orientieren.
Für diese Arbeit wurde Siegfried Zoels 2005 mit dem Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt.
Die Workshops sind allerdings noch um einiges älter als der Verein. Schon 1980 hatte Siegfried Zoels erstmals eine solche Veranstaltung in der DDR initiiert.

Doch seine Arbeit für Kinder ist nur ein kleiner Teil seiner Biographie.

Von 1969 bis 1970 war er als Hilfspfleger und Hilfsfürsorger in der Kinderpsychiatrie im Städtischen Krankenhaus Herzberge tätig und baute dort eine familienorientierter Sozialarbeit auf.
Nebenberuflich beschäftigte er sich kurzzeitig mit Zuschauerbefragungen und Sendungsanalysen für das DDR-Fernsehen. Das allerdings währte nicht lange. Ein Theologe an so sensibler Stelle war den Genossen der Abteilung Agitation und Propaganda nicht geheuer – Siegfried Zoels wurde gefeuert.

Weil das von ihm absolvierte Theologiestudium und die Reifeprüfung durch das Kirchliche Oberseminar Potsdam-Hermannswerder in der DDR staatlicherseits nicht anerkannt wurden, legte er 1972 an der Volkshochschule Pankow die Abiturprüfung ab, um danach ein Fernstudium der Kulturwissenschaft und der Kunstwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin aufzunehmen, das er 1980 als Diplom-Kulturwissenschaftler abschloss.
Siegfried Zoels war wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für industrielle Formgestaltung der DDR und von 1986 bis 1989 arbeitete er als freischaffender Kunst- und Kulturwissenschaftler mit dem Schwerpunkt „Design & Rehabilitation“.
Während dieser Zeit organisierte er unter anderem eine Ausstellung in Warschau zum Thema „Spielzeug für Behinderte“. Er war maßgeblich an der Erarbeitung eines Stadtbezirksplans „Behindertengerechter Stadtbezirk Berlin-Marzahn“ beteiligt und leitete den ersten und letzten UNESCO-Workshops der DDR „Toys for Children’s Rehabilitation“, der im September 1990 im Bauhaus Dessau durchgeführt wurde.

Bereits Mitte der 1970er Jahre geriet Siegfried Zoels wegen „Westkontakte“ in das Visier des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit, 1984 wurde die Überwachung mittels „Operativen Personenkontrolle“ intensiviert.

In den Wendemonaten des Jahres 1989 wurde Siegfried Zoels Mitglied des Neuen Forums und war gewählter Vorsitzender des Bürgerkomitees Oderberger Straße.
Anfang März 1990 delegierte ihn der Runde Tisch Prenzlauer Berg, dem er seit Dezember 1989 angehörte, in den Rat des Stadtbezirk Prenzlauer Berg um dort das Amt des Stadtbezirksrates für Inneres zu übernehmen.
Von Juni 1990 bis Oktober 1992 war er Prenzlauer Berger Stadtrat für Familie, Jugend und Sport und setzte sich dort erfolgreich für den Erhalt der fast 9.000 Kindergarten- und -krippenplätze des Bezirks ein.
Daneben war Siegfried Zoels von 1990 bis 2013 einer der Moderatoren des „Runden Tisches Instandbesetzung Prenzlauer Berg“.

Bis heute arbeitet Siegfried Zoels am Aufbau von Förderstrategien für Jugendliche mit geistigen Behinderungen und ist an der Projektarbeit mit inhaftierten Frauen beteiligt. Er ist Herausgeber vieler Publikationen, so zum Beispiel von sechs Bänden mit Spielzeugbauanleitungen.

Siegfried Zoels ist Mitinitiator und Mitglied des Behindertenbeirates Prenzlauer Berg bzw. Pankow, Mitglied der „International Toy Research Association (ITRA)“ und der „Deutschen UNESCO-Kommission e.V.“ und war bis zum vergangenen Jahr Vorsitzender des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der „Vereinigung für interdisziplinäre Frühförderung e.V“.

Außerdem ist er seit 1994 Vorstandsvorsitzender der in Prenzlauer Berg beheimateten Robert-Havemann-Gesellschaft.

 

Neue Bürger und alte Freunde

Genau 263 Pankower mit ausländischen Wurzeln erhielten im vergangenen Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft.

Stellvertretend für sie wurde die die in Großbritannien geborene Schriftstellerin Ruth Fruchtman willkommen geheißen.
Ruth Fruchtman studierte in London Germanistik und siedelte nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Frankreich 1976 in die Bundesrepublik Deutschland um.
Ende 1988 zog sie nach Berlin, seit 1992 lebt sie in Prenzlauer Berg. Als freie Autorin schreibt sie Erzählungen, Essays, Theaterkritiken, Beiträge und Features für den Hörfunk. Im Jahr 2013 erschien mit „Krakowiak“ ihr erster Roman.

Ein Pankower Neujahrsempfang ohne den Stadtpräsidenten von (Bürgermeister) von Kołobrzeg (Kolberg)? Unvorstellbar.
In seiner kurzen, launigen Rede wies Janusz Gromek darauf hin, dass es sich bei dem Freitag um einen historischen Tag handelt. Schließlich sei der Tag der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten auf den Tag des Pankower Neujahrsempfangs gelegt worden – oder war es umgekehrt? Egal…

Angesichts der zur Zeit auch nicht gerade unproblematischen Beziehung zwischen Polen und Deutschland meinte Gromek lapidar: „Die Regierungen kommen und gehen – wichtig ist allein, dass wir Freunde bleiben.“

 

Impressionen vom Neujahrsempfang

 

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