S-Bahnhof Greifswalder: Tunnel bleibt, direkte Verbindung Tram-S-Bahn gecancelt

 

Anheimelnd ist irgendwie anders. Der Fußgängertunnel, der seit über dreißig Jahren den Ausgang des S-Bahnhofs Greifswalder Straße mit der Straßenbahnhaltestelle und der Westseite der Greifswalder verbindet, war noch nie eine Schönheit: Düster, schmuddelig und auch bei wochenlangem sommerwarmem Wetter immer etwas feucht.

Keine Rolltreppen, kein Aufzug – und schlecht einsehbar

Darüber hinaus ist er – weil Aufzüge und Rolltreppen fehlen – nicht barrierefrei.
Wer mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs oder auch sonst nicht mehr so gut zu Fuß ist, um mühelos Treppen zu steigen, muss den rund zwanzig Meter vom Bahnhofsausgang gelegenen ampelgeregelten Übergang an der Kreuzung Storkower Straße nutzen.

In den Abend- und Nachstunden wird die Unterführung auch von vielen mobilen Fußgängern eher gemieden, denn nicht jeder kann sein wegen der mangelnden Einsicht in den Tunnel hochkommendes Unsicherheitsgefühl überwinden.
 

Keine direkte Verbindung zuwischen Straßenbahnhaltestelle und S-Bahnsteig

Wegen all dieser Unzulänglichkeiten hatten Senat und BVG vor drei Jahren die Überlegung angestellt, den Weg von der S- zur Straßenbahn zu verkürzen und einen direkten Zugang von der Haltestelleninsel zum S-Bahnsteig zu bauen (die Prenzlberger Stimme berichtete).

Keine direkte Verbindung zwischen Haltestelle und S-Bahnsteig

Diese Pläne sind nun vom Tisch.

Wie Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger-Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen) auf eine schriftliche Anfrage des SPD-Abgeordneten Tino Schopf mitteilte, habe eine „Variantenuntersuchung“ zur Verbesserung der Situation am S-Bahnhof Greifswalder Straße gezeigt,“dass die bis dahin favorisierte Lösung mit direkten Treppen vom S-Bahnsteig zu den Straßenbahn-Bahnsteigen nicht ohne massiven Umbau der Bahnbrücken für die S-Bahn-Gleise und den Bahnsteig machbar ist. Diese Lösung würde dadurch unverhältnismäßig teuer werden und wurde daher verworfen.“
Stattdessen sei nun eine „direkte Anbindung der S-Bahn-Halle an die Tram-Haltestellen auf Straßenebene mittels eines lichtsignalgesicherten und barrierefreien Fußgängerüberwegs geplant. Die BVG hat hierfür bereits die Vorentwurfsplanung fertig gestellt, die sich in der Abstimmung befindet.“
 

Senat denkt in langen Zeiträumen

Wer als Berliner von einer Planung hört, „die sich in der Abstimmung befindet“, weiß, es kann sich nur noch um Jahre handeln. Naheliegend wäre es da also, den Tunnel zumindest so weit aufzuhübschen, dass er ohne größere Abneigung betreten werden könnte – vom Einbau einer Rolltreppe mal ganz zu schweigen. Aber ach…

…theroretische Restnutzungsdauer 59 Jahre.

Der Tunnel, erklärte Staatssekretär Kirchner, sei ein „massives Bauwerk aus Stahlbeton“, dessen „theoretische Nutzungsdauer“ mit 90 Jahren veranschlagt sei. „Die theoretische Restnutzungsdauer für den Fußgängertunnel beträgt somit noch ca. 59 Jahre.“
Dementsprechend sind auch die Zeiträume, die der Senat für eine Instandhaltung und Sanierung sieht. Kirchner: „Notwendige Maßnahmen für den Erhalt der Restnutzungsdauer wären umfangreiche Grundinstandsetzungsmaßnahmen (Abdichtung, Beton, Fugen, Wandverkleidung etc.) in den nächsten 5 bis 10 Jahren.“

 

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4 Kommentare zu “S-Bahnhof Greifswalder: Tunnel bleibt, direkte Verbindung Tram-S-Bahn gecancelt”

  1. À propos schmuddelig: Dazu empfehle ich den Antrag: „Reinigung der Unterführung am S-Bahnhof Greifswalder Straße“ https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=4496
    Dieser wurde von #R2G abgelehnt.

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  3. Das Herz für Pankow hat Herr Kirchner ja sehr sehr schnell verloren, sofern er es vorher entwickelt hatte. Erschreckend, dass die Bedeutung einer solchen Anbindung für das gesamte Wohngebiet nicht klar ist und die Sicherheit der Bürger keine Fürsprecher in der Senatsverwaltung hat. Aber auch ein deutliches Zeichen, dass RRG nicht wirklich an umfassenden Verbesserungen der Verkehrsinfrastruktur interessiert ist. Angesichts der SPD-Senator_*Innen für Verkehr und Stadtentwicklung seit Januar 1996 (!!!) und der jetzigen links-grünen Zuiständigkeit ein weiterer Tiefpunkt hauptstädtischer Infrastrukturpolitik.

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    • Es ist ein reines Trauerspiel was in Pankow und Berlin passiert. Wir sehen das auch in vielen anderen Themenbereichen. #R2G macht wenig für die Bürger, aber viel für sich.

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