Schade, dass die SPD nicht in der Regierung sitzt…

 

„Der Wahlkampf ist eröffnet“, erklärte der erneut kandiderende Pankower SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup am Ende der Veranstaltung und meinte wohl damit seinen eigenen. Denn die Konkurrenz ist längst unterwegs – auf Festen und Fahrraddemos und sonstwo auf der Straße.

Klaus Mindrup hingegen wählte die große Bühne – zu groß wie es schien.

Denn während die wahrlich nicht kleine Grünanlage des benachbarten Falkplatzes überfüllt war mit sonnenhungrigen Anwohnern und Tausende Besucher des Mauerparks das in diesem Jahr so rare Sommerwetter in sich aufsogen, verloren sich auf dem großen Vorplatz der Max-Schmeling-Halle gerade einmal achtzig bis neunzig Interessierte – die überwiegend aus den anliegenden SPD-Ortsvereinen gekommen waren.

Mitgebracht hatte Klaus Mindrup zu seinem Wahlkampfauftakt als…- nun ja… Zugpferd einen leibhaftigen Bundesminister.

Das ist erst einmal nachvollziehbar.

Denn wenn es dem eigenen Namen an Zugkraft gebricht, ist es naheliegend, sich anderer, bekannterer Namen zu bedienen.
Was aber hatte Klaus Mindrup dazu bewogen, mit Heiko Maas ausgerechnet den Abstand unbeliebtesten und umstrittensten SPD-Minister für seinem Wahlkampfauftakt einzuspannen?
Jenen Mann, dessen „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ gerade erst freudig vom lupenreinen Rechtsstaat Russland quasi Eins zu Eins übernommen wird? Welche Botschaft wollte der Kandidat damit übermitteln?

Angekündigt waren eine Kundgebung und Gespräche zum Thema Mieten und Wohnungspolitik – ein Ressort das nicht von Maas, sondern dessen von Genossin Barbara Hendricks geführt wird.

Egal. Minister ist Minister, und so sprach Heiko Maas auf der Bühne Heiko Maas von einem Mietrechtsdschungel und meinte, dass es nicht angehen könne, „dass Wohnungen wie an der Börse gehandelt werden“. Ah ja.

Der neben ihm stehende Klaus Mindrup beklagte, dass die doch eigentlich gute energetische Sanierung „missbraucht“ werde, um die Mieten in die Höhe zu treiben. Maas sekundiert ihm und fügte hinzu, es könne nicht sein, dass nach einem Wohnungsumbau für altersgerechtes Wohnen die Mieten so stark steigen, dass sich die einstigen Bewohner ihre Bleibe nicht mehr leisten können.

Heiko Maas: „Die Union…, die Union…“

Auch dass die sogenannte Mietpreisbremse wirkungslos ist, weil, wenn sich zwanzig Leute um eine Wohnung bewerben und der Eigentümer mit Sicherheit nicht den Bewerber zum Zuge kommen lassen wird, der auf die Einhaltung der Bestimmung pocht, hat Justizminister Heiko Maas eigenen Angaben zufolge mittlerweile begriffen. Und von der Bühne herab kundgetan, dass sich da etwas ändern muss. So ging das eine ganze Weile.

Schade, dachte sich da der unbefangene, weil parteilose Zuhörer. Schade, dass die SPD nicht in der Regierung sitzt. Die hätte…

 

„Die CDU ist schuld“

Moment mal…

Wenn der Maas Minister ist und in dazu noch in der SPD, dann ist doch… – und richtig: Fast am Ende seiner Ausführungen gab Heiko Maas zu: Die SPD ist Regierungspartei!

Und schuld daran, so schoben Maas und Mindrup im Duett dann aber gleich noch hinterher, Schuld daran, dass die Sozialdemokraten all die schönen Dinge, die sie eigentlich machen wollten, nicht umsetzen konnten, sei „die Union“.

Klus Mindrup: „Wer Merkel wählt, wählt Seehofer!“

Womit nicht ein Köpenicker Fußballclub, sondern die die Christlich Demokratische Union Deutschlands – kurz: CDU – gemeint. Und deren Schwesterpartei CSU gleich mit.

Als die beiden das so offenbarten, sahen sie da oben auf der Bühne dermaßen traurig aus, dass bei dem unbefangenen, weil parteilosen Zuhörer für einen kurzen Moment so etwas Mitleid aufkam.
Doch die Ratio gewann gleich wieder die Oberhand. Der Grund: Dem unbefangenen Zuhörer wurden in seiner Kindheit die vier Grundrechenarten eingebleut, und so musste er nach kurzem Addieren feststellte: Mönsch, für all die schönen, sozialdemokratischen Träume gibt’s doch – jenseits der „Union“ – eine Mehrheit im Bundestag!

Also nahm sich der unbefangene, weil parteilose Zuhörer vor, den Minister mal zu fragen, warum ihm das vier Jahre lang nicht aufgefallen ist.

Die Gelegenheit schien günstig, denn vor der Bühne stand einsam und verlassen ein Mikrofon, das darauf wartete, aus den Zuhörern zu Hörende zu machen.

Doch leider…

Nur eine einzige Dame kam in den Genuss, von unten nach oben sprechen zu dürfen. Das, was sie sagte, war nicht dazu geeignet, Wohlwollen oberhalb des Bühnenbodens zu erzeugen. Und so wurde die Versammlung ohne weitere Wortmeldung beendet.
Und zwar mit dem schönen Schlusswort von Klaus Mindrup: „Wer Merkel wählt, wählt Seehofer.“

Dass, wer vor vier Jahren Mindrup und die SPD wählte, im Endeffekt auch bloß Merkel und Seehofer gewählt hatte, war dem Kandidaten offenbar für einen Moment entfallen.

 

Gekonnt Pointe gesetzt

Eine letzte Chance aber gab es dennoch, dem Minister die Gelegenheit zu geben, das Rätsel um die von ihm vier Jahre lang nicht erkannte Möglichkeit zur Realisierung all der tollen sozialdemokratischen Vorhaben zu lösen, die nun erst – im Falle eines Wahlsieges der SPD – in der nächsten Legislaturperiode umgesetzt werden können.

Denn nachdem Heiko Maas die Bühne verlassen hatte, ließ er nicht nur zwei, drei Selfies mit sich aufnehmen, sondern sprach auch noch ein paar Worte mit den Umstehenden.

Also zückte der unbefangene, weil parteilose Zuhörer sein Smartphone und streckte es in Richtung Justizminister. Dann entspann sich folgender lustige Dialog:
 
ODK: „Herr Minister, sie sagten in Ihrer Rede immer wieder ‚die Union, die Union‘, dabei…

Maas (mit Blick zum Smartphone) Nehmen Sie hier auf?

ODK: „Noch nicht, aber gleich.“

Maas: „Dann hab ich keine Lust mehr, zu antworten.“
 
Sprach der Minister, der das – vermutlich verfassungswidrige – Vorratsdatenspeicherungsgesetz zu verantworten hat.

Eines muss man den Sozialdemokraten schon lassen: Pointen setzen können sie.

 



10 Kommentare zu “Schade, dass die SPD nicht in der Regierung sitzt…”

  1. Als Direkt-Kandidat weiter chancenlos: Aber Klaumi wurde ja präventiv auf Landesparteitag als angeblicher Fachmann per Liste abgesichert.

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  2. Ach der Kampmann auf seinem Feldzug gegen die SPD.. immer wieder lustig

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  3. …tja, wenn sommerliche Stimmung wichtiger ist, scheint’s den MieterInnen ja gut zu gehen, ist doch erfreulich, daß sie es nicht nötig haben, das Gesprächsangebot anzunehmen 😑 falls dann in den nächsten Wochen zahlreiche Unzufriedene beim Kandidaten auftauchen sollten und alles besser wissen, kann er sie ja fragen, warum sie sich nicht bei dieser Veranstaltung eingebracht haben… übrigens hätte auch schon am letzten Sonntag ausreichend Gelegenheit zum persönlichen Meinungsaustausch mit Klaus Mindrup bestanden 😉

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  4. Ach, ein Mönsch war auch da?
    Aber der wird mit Ch geschrieben! War bestimmt ein Spion von den Parteien mit dem großen C im Namen!

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  5. Nö 😀

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  6. Er hätte vegane Bio-Bratwürste anbieten sollen. Da wären die Bürger angeströmt.

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  7. Michael Springer

    Jul 21. 2017

    Die Redaktion der Pankower Allgemeine Zeitung hat die SPD-Kreisgechäftsstelle auf eine FAKE-NEWS aufmerksam gemacht, wonach sowohl auf der Internetseite der SPD- PANKOW als auch von Klaus Mindrup ein falsches Datum verzeichnet war:

    „19.Juni 2017“

    … es war ein Lapus,ein Zeichen von Wahlkampfstress, kaum zu bemerken, aber offenbar wirksam! Die Mieterbeschimpfung ätzt deshalb!

    Ansonsten war der Termin wohl etwas unglücklich, denn wenige Tage nach Ferienbeginn sind viele weg …

    … und um 18:30 Uhr stehen viele Pankower_innen noch im Berufsverkehrs-Stau!

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