Sieben Uhr im Heinrich-Schliemann-Gymnasium in der Prenzlauer Berger Dunckerstraße. Draußen war es noch dunkel und ein aufdringlicher Regen nieselte sich vom Himmel. Da möchte man eigentlich nicht wirklich hinaus.
Doch für die Wahlhelfer, ohne die so eine Bundestagswahl nicht funktionieren könnte, sind an diesem Sonntag schon sehr früh auf den Beinen.
In zwei Lehrerzimmern des Schulgebäudes müssen die Wahllokale der Wahlbezirke 713 und 720 eingerichtet werden. An einem Regal ein angepinnter Zettel, der die Lehrerinnen und Lehrer zur Ordnung rufen sollte: „Bitte leeren Sie Ihre Fächer“.
Der Ruf verhallte ungehört, aber wozu gibt es Fahnentuch? Also wurden die nach wie vor stattlich gefüllten Ablagen mit den Fahnen von Berlin, Deutschland und Europa verhüllt.
Dann werden die seit einem Jahr in irgend einer Ecke überwintert habenden Wahlurnen entstaubt. Kurzer Blick ins Innere, ob sich da nicht vielleicht noch ein ein Wahlzettel von der Abgeordnetenhauswahl des vergangenen Jahres versteckt haban.
Weiß man ja nicht. Aber nein, alles leer.
Mittlerweile treffen auch die anderen Wahlhelfer ein, die Kabinen werden aufgebaut, die Helferinnen und Helfer holen die Wählerlisten. Es erfolgt eine letzte Einweisung durch den Wahlleiter – und nun könnte es eigentlich losgehen.
Halt, die Urnen müssen ja noch versiegelt werden. Dann ist es auch schon fünf vor Acht.
Fünf Minuten vor 18 Uhr stürmt noch ein letzter Wähler in Richtung Schultor, der wird das Beteiligungsergebnis des Wahlbezirkes 713 noch einmal etwas erhöhen.
Nebenan, im Wahllokal 720 herrscht dagegen schon Feierabendstimmung.
Von gut 1.000 eingetragenen Wählern, erzählt einer der Helfer, sind an diesem Tag über 800 zur Stimmabgabe erschienen – das ist sehr viel.
Mit dem Glockenschlag Sechs schließt der Hausmeister das Schultor, im Wahllokal werden die Siegel der Urnen gebrochen und die Wahlscheine auf den Tisch geschüttet.
Zuerst jene der Bundestagswahl. Sie müssen nach Erst- und Zweitstimme sortiert und mehrmals durchgezählt werden. Das kann dauern. Doch entgegen dessen, was man auf Grund der großen Aufregung der letzten Wochen annehmen könnte, sind die Ergebnisse der Bundestagswahl dann eben doch wichtiger, als jene über das Ja oder Nein zur Offenhaltung des Methusalemflughafens Tegel.



