Umstrittene Parklets: Das Richtige am falschen Ort

 

Es hätte nicht viel gefehlt, und es hätte eine heftige Karambolage gegeben. Schlagzeile: „Radfahrer überfahren wütende Passantin“.
Anfang voriger Woche hatte der Prenzlauer Berger Abgeordnete Andreas Otto (Bündnis 90/ Die Grünen) zu einer Bürgersprechstunde auf das Schönhauser-Allee-Parklet an der Einmündung Gneiststraße eingeladen.
Vier dieser Holzkonstruktionen stehen zwischen der Gneist- und der Wichertstraße auf der östlichen Straßenseite der Allee. Sie sind die kärgliche Erinnerung an ein einstmals geplantes mutiges Experiment zur Verkehrsberuhigung der Magistrale, das zudem der „Flächengerechtigkeit“ zugunsten von Radfahrern und Fußgängern dienen sollte.

Bahnhof Schönhauser Allee: Als Fahrradparkplatz genutzt

Was übrig blieb, waren jene vier Gestelle. Während jenes am S- und U-Bahnhof Schönhauser Allee zur Zeit als Fahrradabstellanlage genutzt wird, ist das Parklet an der Gneiststraße mit Bänken versehen. Es soll zum Verweilen einladen.
Kann man machen, wenn man den brausenden, und damit abgasreichen Autoverkehr unmittelbar im Rücken nicht als störend empfindet.
Allerdings können sind sie an diesem Stellplatz auch nicht ungefährlich. Denn zwischen Parklet und Bürgersteig befindet sich der vielbefahrene Radweg.
 

Vor Erregung fast überfahren worden

Das hatte eine Dame, die wohl eher zufällig zum Parklet-Termin des Abgeordneten dazustieß, in ihrer Erregtheit offenbar übersehen. Während sie sich mehr und mehr erregte („Unmöglich, diese Dinger! Wer nehmen hier nur Platz weg!! Unmöööglich!!! Wer bezahlt das eigentlich??!! Und beschmiert sind die auch schon!! Weg damit!!!…“) musste sie – da sie die Schimpfkanonade auch choreografisch untermalte – mehrfach von einem Mitarbeiter Ottos vom Radweg, auf den sie unbemerkt getänzelt war, heruntergezogen und so vor den den heransausenden Radfahrern gerettet werden.

Als sie schließlich mitbekam, warum man dauernd so an ihr herumzerrte, richtete sich ihr lautstarker Missmut unversehens auf die „rücksichtslosen Radfahrer“. Kurz darauf entschwand sie über die Straße – nicht ohne vorher noch einmal ruckartig zurückzuspringen – denn fast hätte sie ein Auto, dass sie übersehen hatte, erfasst.

Doch nicht nur für erregte Damen stellt die unmittelbare und stufenlose Nähe der Parklets eine Gefahr dar. Kleinere Kinder mit ihrem Bewegungsdrang beispielsweise müssten stets irgendwo angebunden werden, wenn Mama oder Papa sich zum Verweilen im Holzgestell entschließen sollten.

 

In Wohnstraßen wie der Stargarder denkbar

Darauf, dass die Konstruktionen nicht an sich falsch sind, sondern nur an einer falschen Stelle stehen, machte ein Besucher der Sprechstunde von Andreas Otto aufmerksam: Wenn zum Beispiel im Sommer in der Stargarder Straße die Bürgersteige vor den diversen Eisdielen überfüllt sind, könnte ein solches Parklet – aufgestellt am Straßenrand und direkt an den Fußweg grenzend – durchaus Sinn machen. Denn hier könnte, wie beim „Parking Day im vergangenen jahr gezeigt – tatsächlich für Fußgänger nutzbarer Raum zurückgewonnen und die Aufenthaltsqualität verbessert werden.

Doch in diesem Sommer wird das wohl nichts mehr werden. Denn die im vergangenen Herbst ausgestellten Straßenmöbel sollen – warum auch immer – ein geschlagenes Jahr an ihren Plätzen in der Schönhauser Allee verbleiben. Erst danach gehen sie in das Eigentum des Bezirks über, der dann nach eigenem Gutdünken mit ihnen verfahren kann.

 

Raum für Menschen statt für Autos („Parking Day“ 2018 in der Stargarder Straße)

 



Kommentar zu “Umstrittene Parklets: Das Richtige am falschen Ort”

  1. Ein weiterer Beweis dafür, dass seit Jahrzehnten gilt: wer im Senat arbeitet, darf nicht nachdenken

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