„Нина, Нина, там картина…


 

…это трактор и мотор.“

 

Die älteren, DDR-sozialisierten Leser werden sich erinnern: Dieses Verslein war wohl der erste zusammenhägende Satz, der – abgesehen von persönlichen Angaben wie „Меня зовут…“ und „Я живу…“ – von den damaligen Fünftklässlern fehlerfrei gesprochen wurde. Bei nicht wenigen – den Autor dieser Zeilen eingeschlossen – ist dabei auch geblieben. Mit anderen Sprachen geht es mir nicht viel besser.

Das ist schade.

Denn man kann zwar das Glück haben, auf Muttersprachler zu treffen, die auch des Deutschen mächtig sind, um so aus erster Hand von fremden Kulturen und Denkmechanismen zu erfahren.
Der größte Schatz einer Sprache aber, die Literatur, wird einem ohne Kenntnis der Sprache, in der sie verfasst wurde, zu einem gewissen Teil für immer verschlossen bleiben. Da helfen auch Übersetzungen – so trefflich sie sein mögen – nicht weiter.
Das letzte Geheimnis einer Zeile, eines Verses, einer Erzählung, eines Romans entzieht sich der Übertragung in ein anderes idiom. Es bleibt gefangen im einzigartigen Original.

Wohl dem also, der in unterschiedlichen Sprachen lesen, schreiben, sprechen oder sogar denken kann. Oder es lernt – je früher desto besser. Oder aber als Kind das Glück hat, mit zwei Muttersprachen aufzuwachsen.

 

„Russisches Regal“ um 120 Titel erweitert

Für diejenigen, die des Russischen mächtig sind, wurde 2014 im Rahmen eines EU-Projektes in der Bibliothek am Wasserturm in Kooperation mit dem Karussell e.V. eine Auswahl an russischsprachigen Kinderbüchern aufgebaut, die nun um 120 neue Titel aktualisiert und ergänzt werden konnte.

Karussell e.V. entstand in Prenzlauer Berg im Jahr 2003 als Initiative russischsprachiger Eltern, die ihre Kinder zweisprachig — Russisch und Deutsch — erziehen wollen und zweisprachige Erziehung als wesentliche Voraussetzung für eine gute Integration ansehen. Der seit 2006 eingetragene Verein zählt heute rund 80 Familien, die in Prenzlauer Berg und Umgebung wohnen.

Am Dienstag, dem 19. März 2019, laden Bibliothek und Karussel e.V um 16:30 Uhr in das Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner in der Prenzlauer Allee 227 zur Einweihung des neuen russischsprachigen Medienbestandes für Kinder und Jugendliche ein.

Alle Kinder sind eingeladen, am „Russischen Regal“ in den neuen Medien zu stöbern und diese auszuleihen. Ehrenamtliche Mitglieder des Karussellvereins lesen aus den Büchern vor und erzählen etwas über die Autorinnen und Autoren.

 

Das „Russisch-Projekt“ der Bibliothek am Wasserturm soll übrigens kein Solitär bleiben. In Kooperation mit den Migrantenselbsthilfeorganisationen bauen alle Häuser der Stadtbibliothek Pankow in den nächsten Jahren, mit einem gesonderten Teil des Medienetats, fremdsprachige Medienbestände auf und aus. Dabei spezialisiert sich jedes Haus auf ein bis zwei Sprachen.

 

One Response to “„Нина, Нина, там картина…”

  1. diesen Satz kann ich im Schlaf

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