Deckelphantasien oder: Das Große planen und das Kleine nicht packen


 

Der Begriff „Deckel“ scheint das Zeug dazu zu haben, zum Berliner Wort des Jahres zu werden. Vor allem im Zusammenhang mit „Miete“ ist er in derzeit aller Munde: Kein Tag vergeht, an dem das wacklige Konstrukt eines Pankower Juristen gepriesen und von manchen gar als Alternative zu den Bestrebungen der Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen gesehen wird.

Nun kommt ein neuer Deckel hinzu: Der Straßen- und Schienendeckel.

Die Fraktionen von SPD, Linken und Bündnisgrünen haben einen Antrag in das Berliner Abgeordnetenhaus mit dem Titel „Deckel drauf“ eingebracht. Darin wird der Senat aufgefordert, zu untersuchen, „welche Verkehrsinfrastrukturflächen in Troglage sich für eine Überdeckelung eignen.“
Aufgeführt waren Teile der Stadtautonbahn, so zum Beispiel am Kaiserdamm.
Das ganze riecht also nach einem Großprojekt und mit Großprojekten hat man in dieser Stadt je so seine Erfahrungen.

Als dann aber auch noch die S-Bahn genannt wurde und da ausgerechnet der Streckenabschnitt von der Prenzlauer zur Schönhauser Allee…

Liebe Abgeordneten der SPD, der Linken und der Grünen, natürlich ist es möglich, ein paar hundert Meter Bahnstrecke zu überdachen und auf dem „Deckel“ eine Wiese anzupflanzen, Spielplätze zu schaffen und sogar Häuser zu bauen.
Es ist möglich: in Tokio, in Shanghai und vielleicht sogar in Hamburg.

Aber wir befinden uns in Berlin.

Seit rund zehn Jahren ist eine Planung für einen zweiten Zugang am S-Bahnhof Prenzlauer Allee in Planung. So ein Zugang ist nicht viel mehr, als ein paar Treppen plus einer kleinen Fußgängerbrücke zum Bahnsteig hin.

Seit rund zehn Jahren…

Bitte, liebe Abgeordnete, bevor ihr auch nur einen einzigen Gedanken an etliche Hektar „Deckel“ über den „Gleistrog“ verschwendet, schafft erst einmal das notwendige, kleine: Ein bescheidener Brückenübergang der Ahlbecker Straße über den „Trog“ hinweg zur Kanzowstraße, in dessen Mitte eine Treppe zum Bahnsteig führt.

Wenn dieses Jahrhundertbauwerk in weiteren zehn Jahren vielleicht irgendwie doch noch Wirklichkeit geworden sein sollte, dann – aber wirklich erst dann! – denkt über irgendwelche Deckel nach.

 

Hier soll der Zugang mal hin… irgendwann

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