Reinhold-Burger-Schule doch keine „dreckige Schule“


 

Das machte Schlagzeilen: Die Pankower Reinhold-Burger-Schule gab Ende November den Schülern an einem Montag „Stinkefrei“, denn – so schrieb zum Beispiel der Berliner Kurier – „die Toiletten und das Haupthaus waren so verschmutzt, dass Schulleiter Guido Landreh (…) den Unterricht komplett absagte.“ Auch die Berliner Morgenpost schrieb von „unhaltbaren Zuständen“ und der Focus titelte gar: „Rektor schickt Schüler wegen dreckiger Schule nach Hause“.

Stimmt so nicht, erklärte nun Bezirksstadtrat Torsten Kühne (CDU)

 

Geruchsquelle: Wasserloses Urinal

Die Schule, so auf der letzten Sitzung des BVV-Ausschusses für Schule, Sport und Gesundheit, sei bisher stets zuverlässig und zur Zufriedenheit der Schulleitung gereinigt worden.
Auch das „Stinkefrei“ hatte nichts „unhaltbaren Zuständen“ oder einer „dreckigen Schule“ tun. Die Geruchsbelästigung, so Kühne, war dem Umstand geschuldet, dass eine Reinigungskraft, die vertretungsweise in der Schule für Sauberkeit sorgte, offenbar nicht mit den Besonderheiten von „wasserlosen Urinals“ (vulgo: Pinkelbecken ohne Spülung) vertraut war.

Die Vertretung – möglicherweise nicht ausreichend eingewiesen – hatte es versäumt, in die Becken eine sogenannte Sperrflüssigkeit in die Becken nachzugießen.
Bei wasserlosen Urinals bleibt der Urin – wie in einem herkömmlichen Siphon (Traps)- in einem Siphontopf stehen. Die Sperrflüssigkeit ist leichter als Urin und bildet so einen Schutzfilm über dem Urin im Siphontopf. Der Schutzfilm wiederum bildet die Geruchssperre. Da dies nicht geschah, blieb der Urin von gut zweihundert Schülern über das Wochenende „unverschlossen“ im gut beheizten Schulgebäude und entfachte die bekannt gewordene Geruchswirkung.

Davon, dass es sich bei der Reinhold-Burger-Schule – von diesem unangenehmen Zwischenfall abgesehen – um eine saubere Schule handelt, kann sich übrigens jeder selbst überzeugen: Am Freitag, dem 17. Januar 2020 (16.00 bis 19.00 Uhr) und am Samstag, dem 18. Januar 2020 (11.00 bis 14.00 Uhr) veranstaltet die Schule jeweils einen „Tag der Offenen Tür“. Allerdings steht hier nicht die Toilettenbesichtigung im Vordergrund, sondern das Schulprogramm.

 

Mehr Tagesreinigungen – aber längst noch nicht für alle

Unabhängig davon ist die Situation bei der Schulreinigung an den Pankower Schulen nach wie vor unbefriedigend.

Rund 5,7 Millionen Euro gibt der Bezirk jährlich für die Beauftragung von Reinigungsunternehmen aus. Viel zu wenig, denn meist reicht das nur für einen einmaligen Reinigungsgang, der meist am Abend absolviert wird. Da sieht’s dann am Nachmittag, wenn Eltern ihre Sprösslinge von der Schule abholen, eben nicht mehr so glänzend aus. Deshalb hatte das Bezirksamt für Schulen mit besonders großer Belegungszahl zusätzliche Zwischenreinigungen in der Mittagszeit beauftragt.

Um eine flächendeckende Tagesreinigung zu finanzieren, hatte Pankow beim Senat zusätzlich 1,2 Millionen Euro beantragt. Eine tagsüber stattfindende Schulreinigung bringt nach Ansicht von Stadrat Kühne nicht nur mehr Sauberkeit, sondern hätte auch einen psychologischen Effekt: Die Schülerinnen und Schüler wären mit der Arbeit der Reinigungskraft direkt konfrontiert – was vielleicht auch zu einem sorgsameren Verhalten beitragen könnte.

Doch der Haushaltsausschuss des Abgeordnetenhauses hatte berlinweit nur eine Aufstockung des Schulreingungsetats für die kommenden zwei Jahre um 16 Millionen Euro beschlossen: 7 Millionen für 2020 und 9 Millionen für 2021. Was längst nicht für alle Schulen reicht. So sollen nun besonders „geeignete“ Schulen ausgesucht werden, damit unmittelbar nach der Freigabe des Geldes die Auserwählten in den Genuss der Tagesraumpflege gelangen.

 

1899 stellte man sich die Raumreinigung im Jahr 2000 „voll elektrisch“ vor. So gesehen hinken wir den Vorstellungen des vorletzten Jahrhunderts noch mächtig hinterher…

 



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