Theater in der Leichenhalle?

 

m Frühjahr 2017 sah es aus, als würde es das Theater o.N. in der Kollwitzstra0e nicht mehr lange geben. Nachdem der befristete Mietvertrag endete, wollten die Eigentümergemeinschaft ihn nicht mehr verlängern Denn schon eine geraume Zeil klang mochten die Bewohner des Hauses sich der Laute, die so ein Kindertheater nun mal macht, nicht mehr aussetzen. Schließlich hatte jeder Wohnungseigentümer viel Geld für seine kleine Edelimmobilie bezahlt, da mochte man nicht von Kinderlachen oder Beifallsgeräuschen gestört werden.

Protestaktion im April 2017 gegen die drohende Schließung des Theaters

Dem Einsatz und Verhandlungsgeschick von Kultursenator Klaus Lederer und Bezirksbürgermeister Sören Benn (beide Die Linke) war es schließlich zu danken, dass das Theater – das noch zu DDR-Zeiten unter dem Namen „Zinnober“ gegründet wurde – nicht der Obdachlosigkeit anheim fiel. Es wurden Mittel für den Schallschutz lockergemacht und eine Verlängerung des Mietvertrages bis 2022 erreicht. Bis dahin muss ein neues Domizil gefunden sein.

Im Januar 2018 forderte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) das Bezirksamt auf, das Theater bei der Suche nach einer Spielstätte ab 2022 zu unterstützen. In einem Zwischenbericht teilte die Bezirksverwaltung nun mit:

„Seitens der Senatsverwaltung für Kultur und Europa wurde dem Theater etwa die ehemalige Leichenhalle auf dem Gelände der Fröbelstr. 17 angeboten. Diese Option wird derzeit geprüft. Sollte diese Variante nicht zu einem guten Ergebnis führen, wird das Bezirksamt sich weiter um einen angemessenen Ort in Pankow für das Theater o. N. bemühen.“

Mal davon abgesehen, dass die Senatsverwaltung das Bezirksamt darauf hinweisen muss, dass es einen möglicherweise geeigneten Raum für das Theater auf seinem Gelände hat, stellt sich für den nicht ganz so ortskundigen Leser natürlich unversehens die Frage: Eine Leichenhalle auf dem Bezirksamtsgelände – was um Himmels Willen treiben die denn da?

Tatsächlich hat das etwas mit der Geschichte des Areals zu tun.
 

Einst ein „Krankenhaus am Rande der Stadt“

Als zur sogenannte „Gründerzeit“ Ende des 19. Jahrhunderts Berlin aus allen Nähten platzte, brauchte die Stadt für die vielen Zuzügler auch so etwas wie eine soziale Infrastruktur.

Die Leichenhalle nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1889 – von der Prenzlauer Allee aus gesehen. – Foto: Museum Pankow

Im Jahr 1886 Beauftragte die Stadt Berlin den Baurat Hermann Blankenstein vor zwischen der heutigen Fröbelstraße und der Prenzlauer Allee – das Gelände lag damals noch vor den Toren der Stadt – ein Hospital- und Siechenhaus einzurichten. Und weil der Auftrag am Ende des 19. und nicht Anfang des 21. Jahrhunderts vergeben wurde, konnte Blankenstein schon nach drei Jahren Vollzug melden.

Als das Krankenhaus im Jahr 1934 nach Buch verlegt wurde, zog in dessen Räumlichkeiten das Bezirksamt Prenzlauer Berg ein.

Wie lange das Gebäude, das sich Prenzlauer Allee und dem Eingang zum BVV-Saal befindet, bereits leer steht, vermag der Autor dieses Artikels nicht zu sagen. Solange er über die Bezirkspolitik berichtet, steht es jedenfalls ungenutzt herum. Was irgendwie auch nicht verwunderlich ist: Politker mögen unter Umständen die eine oder andere Leiche im Keller haben – eine Halle werden sie dafür aber nicht benötigen.

Vor ein paar Monaten brachte Bezirksbürgermeister Sören Benn das Gebäude angesichts des Ateliernotstandes schon einmal als Möglichkeit für eine Künstlerwerkstatt ins Gespräch – nun steht es als Theaterhaus zur Diskussion.
So oder so: der Leerstand sollte in überschaubarer Zeit beendet werden.

 



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