Grenzübergang Bornholmer Straße: Mauerfall ohne Landesfestprogramm

 

Als das Landesprogramm zu den opulenten Feiern zum 30. Jahrestag der Maueröffnung bekannt wurde, stellte man fest: Ausgerechnet die Bösebrücke an der Bornholmer Straße, jener Ort, an dem sich die Grenze von Ost- nach Westberlin öffnete kam in dem Veranstaltungsplan nicht vor. Peinlich, meinten viele – aber vielleicht dachte sich das Veranstaltungsteam im Senat ja auch nur: Dort findet ja sowieso jedes Jahr was statt, da müssen wir diesen Ort nicht auch noch bespielen.

Tatsächlich treffen sich hier seit 1990 an jedem 9. November die beiden Bezirksbürgermeister (anfangs die von Prenzlauer Berg und Wedding, nach der Bezirksreform von 2001 jene von Pankow und Mitte), um mit Handschlag und Sekt an den historischen Moment zu erinnern.

Seit 2004 gibt es an den an dem Gedenktag auch ökomenische Andacht verschiedener Kirchengemeinden aus Prenzlauer Berg und Wedding und der Prenzlauer Berger Heilsarmee – unterstützt vom CDU-Ortsverband Schönhauser Allee.
Mit dabei sind an jedem Jahrestag auch die SPD mir rotem und die Bündnisgrünen mit grünem Glühwein. Und gleich neben dem grünen Glühweinstand entlockt der bündnisgrüne Abgeordnete Andreas Otto Jahr für Jahr Menschen ihre Mauerfall-Geschichte.

Weddings einstiger Bezirksbürgermeister Jörg-Otto Spiller

So war nun auch in diesem Jahr – nur eben ein bisschen ausladender. Zur Andacht erschien als prominenter Gast der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, im SPD-Zelt erzählten sozialdemokratische Veteranen wie der frühere Weddinger Bezirksbürgermeister Jörg-Otto Spiller ihre Maueröffnungs- und Vereinigungserinnerungen – und statt der sonst ein- oder zweihundert Menschen waren im Laufe des Abends wohl mindestens tausend vor Ort.

Die bejubelten wie anno ’89 die in Richtung fahrenden „Trabbis“ ud „Wartburgs“, die schon des mittags in einem Korso durch die Stadt und über die – nur nun eben noch stilechter mit „aufs-Wagendach-klopfen“ und so.

Stephan von Dassel (links), Söre Benn

Die beiden Bezirksbürgermeister Sören Benn (Pankow) und Stephan von Dassel (Mitte) stießen nach alter Tradition mit Prickelgeträndk an. Lustigerweise trug jeder der beiden ein Shirt überm Pullover, auf dem ein Abbild des jeweiligen Trägers von vor 20 Jahren aufgedruckt war.

Ausgelassen und kritisch zugleich machte Gruppe Jüngerer auf sich aufmerksam, die erst auf der Brücke jeden Passanten ironisch mit „Wir wollen Konsuuum“ begrüßten, die Botschaft auch irgendwie tanzten – und darüber hinaus auch an daran erinnerten, dass der 9. November auch der Tag der „Reichspogromnacht“ ist.

Zum Abschluss gab es ein Feuerwerk, dass aus der Kleingartenanlage „Bornholm“ (oder war’s „Bornholm 2“?) abgefeuert wurde,

Kurzum: Eine Einbeziehung der Bornholmer Brücke in das offizielle Fest- und Gedenkprogramm zum 30. Jahrestag des Mauerfalls war gar nicht nötig.

Und 2020 wird an der Bösebrücke auch ohne Jubiläum wieder des Mauerfalls gedacht.

 

Fotoimpressionen

 



Kommentar zu “Grenzübergang Bornholmer Straße: Mauerfall ohne Landesfestprogramm”

  1. Sehr schön. (y) 🙂

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