Mit den Zwanzigern in die Zwanziger

 

Irgendwie sind ja Vereine auch Bürgerbewegungen. Damit sind jetzt erstmal nicht Sportvereine gemeint, (in denen sich die Bürger bewegen), sondern Vereine, in denen sich Bürger vereinen, um etwas zu bewegen, zu erforschen oder eben etwas in ihrem Umfeld voranzubringen. Das ist zum Beispiel der „Freundeskreis Chronik Pankow e.V., der die Geschichte Pankows erforscht, Veranstaltung und Ausstellungen zur Pankower Historie organisiert.
Oder der Bürgerverein Dorf Rosenthal e.V., der alljährlich den „Rosenthaler Herbst veranstaltet, der Bürgerverein Französisch Buchholz, der sich kräftig einmischt, wenn es um Wohnungsbau, Schulplätze und Verkehr im Ortsteil geht.
Jazz im Park – die mittlerweile weit über die Bezirksgrenzen bekannte Pfingstveranstaltung im Bürgerpark wurde einst vom „Verein für Pankow“ initiiert, im vergangenen Jahr hatte der der Verein die lange vor sich hin rottende Parkbibliothek reaktiviert.
Das sind nur eine wenige Beispiele – ohne die zahlreichen Vereine wäre der Bezirk um einiges an Kultur, Traditionspflege, aber auch und politischer Mitwirkung ärmer.
 

Historischer Ort

Wenn auch viele Vereine ein mehr oder weniger begrenztes „Spezialgebiet“ bedienen – wenigstens einmal im Jahr treffen Sie alle sie sich (fast) alle zusammen an einem Ort und zu einem Zweck: Das neue Jahr mit einem Empfang einzuläuten.

(Fast)Alle Vereinsvorsitzenden (+Bezirksamt) auf einer Bühne

Zweiundzwanzig Vereine waren es in diesem Jahr, die als Veranstalter des Neujahrsempfangs auftraten – ausgerichtet wurde er vom Verein Weißenseer Heimatfreunde e.V. mit Unterstützung des Tourismusverein Pankow.

Prenzlauer Berger Insider wissen natürlich, dass der Tourismusverein bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch „Pro Prenzlauer Berg“ hieß.
Und so passte es denn auch, dass der Neujahrsempfang fast metergenau an der Grenze zwischen einstmals selbständigen Bezirken Weißensee und Prenzlauer Berg zelebriert wurde.

Das „Delphi“ im Jahr 1955 – Foto: Deastar , CC BY-SA 4.0,

Denn an der Weißenseer Spitze befindet sich das einstige Stummfilmkino „Delphi“, der Veranstaltungsort des diesjährigen Empfangs.

Das Lichtspieltheater wurde 1929 nach den Plänen der Architekten Julius Krost und Heinrich Zindel erbaut und zählte damals – im Gegensatz zu den Zahlreichen „Flohkisten“ – zu den nicht allzu zahlreichen Großraumkinos: Über 800 Zuschauerhatten im Parkett und auf dem Rang Platz.
Die Leinwand war über der acht Meter breiten Bühne angebracht, im Orchestergraben fanden 13 Musiker Platz, die die Stummfilme begleiteten.

Das Kino überstand den 2. Weltkrieg, musste dann aber 1959 geschlossen werden, nachdem dort sich gelockert habender Stuck in den Zuschauerraum fiel. Danach ´diente es unter anderem als Filiale der DDR-Reinigungsfirma Rewatex und als Lagerhalle der DDR-Zivilverteidigung.

Nikolaus Schneider

Nach einigen Eigentümerwechseln wurden im Jahr 2013 wurden Nikolaus Schneider und Brina Stinehelfer neue Betreiber des Gebäudes.

Um den Anforderungen an eine ständige Kulturstätte zu genügen, war ein Ankauf mit anschließenden Restaurierungen und Umbauten erforderlich, die zusammen rund 1,4 Millionen Euro kosteten.
Finanzielle Hilfe kam von der schweizerischen Edith Maryon Stiftung, die das Haus Mitte 2016 kaufte und die Leitung Stinehelfer und Schneider mittel eines Erbbaupachtvertrages übertrug.

Sascha Hilliger und Jürgen Kirschke

Die beiden Organisatoren Jürgen Kirschke (Weißensee) und Sascha Hilliger setzten dann auch – dem Datum und dem Ort entsprechend mit dem Programm voll auf die (Neunzehnhundert)Zwanziger Jahre.
Sängerein Velia Krause war erst á la Marlene Dietrich von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt und brachte später noch einige Berliner Gassenhauer zu Gehör.

Und weil das ganze ja in einem alten Kino stattfand, wurde natürlich auch ein Fuilm aus jenerb Zeit präsentiert: Dick und Doof… – pardon! – Oliver Hardy und Stan Laurel mit dem Streifen „Golfspieler im Morast“. Begleitet wurde das Werk stilecht vom Metropolis Orchester Berlin. Der Film schien, nebenbei bemerkt, mit bedacht ausgewählt worden zu sein: Irgendwie erinnerte die Handlung ein wenig an den Ablauf der einen oder anderen Sitzung der Pankower Bezirksverordnetenversammlung…

Die die harte Gegenwart des mittlerweile sehr ruhebedürftigen Bezirks Pankow zurückgeholt wurden die Gäste dann um 22 Uhr. Da verstummte nämlich die Musik, das Licht ging an und der Tresen schloss schlagartig. Der Grund: Nach abends um Zehn könnten sich Anwohner durch unbotmäßigen Feierlärm gestört fühlen.

 

Impressionen

 

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