Temporäre Spielstraße in der Templiner Straße eröff… äh… nee, doch nicht


 

Wer es noch nicht wusste, kam umsonst. Denn das Teilstück der Templiner Straße, für das ab dem 30. Juni für jeden Dienstag eine (autofreie) temporäre Spielstraße angekündigt wurde, blieb – von den dort parkenden Autos mal abgesehen – leer.

„Wir hatten alles vorbereitet“, erzählt Wenke Rottstock vom direkt an der geplanten Spielstraße gelegenen Schülerladen „Komet“. „Das Spielmobil wollte kommen, das Nachbarschaftshaus hatte einiges vorbereitet, der Schülerladen auch und die Edeka-Halle nebenan wollte Eis und Getränke bereitstellen. Einige von den Organisatoren hatten sogar einen Urlaubstag angemeldet – doch dann dann kam am 18. Juni die Absage vom Bezirksamt.“
In der Mail, die die Veranstalter erhielten, teilte das Büro von Stadtentwicklungsstadtrat Vollrad Kuhn (Bündnis 90/ Die Grünen) mit, dass nicht nur die Eröffnung, sondern auch die Spielstraßenveranstaltungen der kommenden Wochen ersatzlos ausfallen müssen. Begründung: Der Mitarbeiter, der für das Anbringen des Spielstraßenschildes zuständig ist, sei für mehrere Wochen krankgeschrieben.

Dass es im Bezirksamt sonst niemand gibt, der so ein Schild anschrauben könnte, erscheint indes wenig wahrscheinlich. Eher dürfte ein gepflegtes Desinteresse des Pankower Stadtentwicklungsamtes an der Einrichtung solcher Spielgelegenheiten für Kinder als Grund in Frage kommen.
 

Gepflegtes Desinteresse

Schon bei der Anfang Juni nach fünf Jahren Kampf um ein Teilstück der Gudvanger Straße erstmalig dort eingerichteten temporären Spielstraße schien die von Stadtrat Kuhn geführte Behörde Enthusiasmus zu entwicklen.

Nachdem eine Anwohnerin gegen die Einrichtung der Spielstraße geklagt hatte und sich der Rechtsstreit hinzog, hatte der grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar vom Bundesverkehrsministerium die Auskunft erhalten, dass die rechtlichen Vorbehalte, die bisher eine Rolle spielten, gar nicht existent sind. Es genüge, so das Ministerium, die Aufstellung eines entsprechenden Verkehrsschildes – ähnlich wie beim Parkverbot für Flächen, auf denen ein Wochenmarkt stattfindet. Dennoch benötige Kuhns Behörde nochmal ein ganzes Jahr, bis es zur Premiere in der Gudvanger Straße kommen konnte.

Während der Coronakrise hatte das Bezirksamt Friedrichhain-Kreuzberg dreißig Straßen ausgewählt, auf denen temporäre Spielstraßen eingerichtet werden könnten und die Bewohner des Bezirks aufgerufen, die Organisation zu übernehmen. Über zwanzig davon wurden realisiert.
Als bei der Mai-Tagung der Pankower Bezirksverordnetenversammlung eine Anwohnerin fragte, ob Pankow diesem Beispiel folgen werde, sagte Bezirksstadtrat Kuhn „nein“. Wenn es Anwohner gäbe, die so etwas organisieren wollen, würde das Bezirksamt die Angelegenheit prüfen – selber tätig werde es nicht.
 

Scharfer Split aufgetragen

Wie groß das Desinteresse beim Pankower Stadtentwicklungsamt ist, Kindern auf diese Art zusätzlichen Raum fürs Spielen zu geben, zeigt sich auch in der Templiner Straße – und das nicht nur bei der bizarren Absage.

„Vor einigen Wochen“, erzählt Wenke Rottstock, „rückten auf dem Straßenteilstück, auf dem die temporäre Spielstraße organisiert werden soll, plötzlich Straßenbauer an, die auf den glatten Asphalt eine Teerschicht mit scharfen Split aufbrachten.“
Wozu das gut sein soll, bleibt unklar, denn das Straßenteilstück ist eine kaum befahrene Sackgasse. Allerdings ist die Spielqualität nun eingeschränkt. Rollschuhlaufen geht wohl eher nicht mehr – dafür dürfte die Verletzungsgefahr auf Grund des scharfen Splits erheblich steigen.

 

Trotz aller Unwägbarkeiten, soll ein neuer Anlauf genommen werden. Geplanter Termin: 11. August
 

 



2 Kommentare zu “Temporäre Spielstraße in der Templiner Straße eröff… äh… nee, doch nicht”

  1. Besser ist es.

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  2. Teutoburger Platz reicht nicht zum spielen ? Warum auf einer Fahrbahn. Absoluter Quatsch mal wieder.

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