Kino Colosseum: Überbordene Vergesslichkeit mit langem Vorlauf


 

Die merkwürdigen Vergesslichkeiten im Pankower Stadtentwicklungsamtes in Sachen Kino Colosseum werden immer bizarrer.
Hatte Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Bündnis 90/ Die Grünen) nach Bekanntwerden des positiv beschiedenen Bauvorbescheids berichten müssen, dass seine Verwaltungsmitarbeiter es versäumt (also – mindestens – vergessen) hatten, ihn über den Vorgang zu informieren, sieht sich Kuhn nun zu einem weiteren Vergesslichkeitseingeständnis veranlasst.

In einer „Kleinen Anfrage“ wollte der Pankower CDU-Fraktionsvorsitzende Johannes Kraft vom Bezirksamt wissen: „Warum hat sich das Vorhaben nach Erteilung des positiven Bescheids nicht auf der monatlichen sog. ‚Bauliste‘ gefunden?“
Stadtrat Kuhns Antwort: „Die Eintragung ist bedauerlicher Weise schlicht weg versehentlich vergessen worden. Dies wurde inzwischen nachgeholt.“ Nachgeholt, nachdem die Sache ohnehin öffentlich geworden war.

Auch nach dem Inhalt des Bauvorbescheides erkundigte sich CDU-Fraktionschef Kraft und erfuhr folgendes:

Das gesamte Gebäude soll bis auf die denkmalgeschützte Bausubstanz zurückgebaut und

„durch eine dem Standort angepasste Neubauplanung ersetzt werden. Ziel der Maßnahme ist die Schaffung eines Quartiers mit Campuscharakter. Die denkmalgeschützten Gebäudeteile werden durch einen zentralen, glasüberbauten Campusplatz im Erdgeschoss verbunden für den (teil-)öffentliche Nutzungen vorgesehen sind.
Die Neubaubereiche spannen sich über den Platzraum und teilweise über den Gebäudebestand. (…) Durch das geplante Vorhaben entsteht eine Bebauung mit bis zu 6 Vollgeschossen und einer Geschossfläche von insgesamt 15.960 m².“

 

Schon im Juni 2019 Ortstermin im Colosseum

Der seitens des Bezirksamtes bisher erweckte Eindruck, in der Causa Colosseum sei halt einiges schief gelaufen, weil irgendwo ein oder zwei Mitarbeiter es vergessen hätten, einen scheinbar routinemäßigen Vorgang an „nach oben“ weiterzugeben, wird auch in der am 15. Juli erfolgten Antwort auf die Anfrage des CDU Fraktionsvorsitzenden gepflegt:

„Der Antrag auf Vorbescheid, Posteingang 06.09.2019, wurde in dem laufenden Verfahren inhaltlich nicht geändert und am 25.11.2019 somit ‚… identischen gleich …‘ beschieden.“

Antrag gestellt, alles okay gewesen, Stempel drauf, fertig. Und dann eben vergessen…

Doch in der Antwort, die der Bezirksstadtrat nur fünf Tage später auf eine Anfrage des Bezirksverordneten Thomas Enge (FDP) formulierte, kommen neue Details ans Licht, die auf andere Dimensionen hinweisen.

Danach fand bereits am 7. Juni 2019 eine Ortsbesichtigung des Denkmalbestandes des Kino Colosseum mit dem Landesdenkmalamt (LDA) und der Unteren (bezirklichen) Denkmalschutzbehörde (UD) statt. Den Anlass sowie mögliche weitere Teilnehmer der Besichtigung teilte der Stadtrat nicht mit, doch gerade mal zwölf Tage später, am 19.Juli 2019, erfolgte laut Kuhn

„eine digitale Übermittlung einer Neubauplanung als Ersatz für den Neubau an der Gleimstraße aus den 1990er Jahren, die durch das LDA und die UD negativ beurteilt wurde.“

 

Stadtrat Kuhns Fachbereich regte Bauvorbescheid an

Wie Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn weiter schreibt, gab es daraufhin am 7. August 2019 einen Gesprächstermin mit den Architekten, dem Landesdenkmalamt und der bezirklichen Unteren Denkmalschutzbehörde. Mit dabei war auch ein Mitarbeiter aus Kuhns Fachbereich Stadtplanung. Thema der Unterhaltung war laut Kuhn ein „Neubau als Ersatz für den Neubau an der Gleimstraße aus den 1990er Jahren.“ Kuhn weiter:

„In diesem Zusammenhang hat ein Mitarbeiter des mit der Planung beauftragten Büros die planungsrechtliche Zulässigkeit von Neubauten auf dem Grundstück abgefragt. Da derartige Auskünfte nicht im Rahmen einer Bauberatung abgegeben werden können, wurde auf die Möglichkeit einer Bauvoranfrage hingewiesen.“

Am 13. August 2019 erfolgte „eine digitale Übermittlung“ der geänderten Neubauplanung als Ersatz für den Neubau an der Gleimstraße, die die Zustimmung der Denkmalschutzbehörden des Landes und des Bezirkes fand und die so zu Grundlage der letztlich positiv beschiedenen Bauvoranfrage wurde.

Angesichts des nun zu Tage getretenen Vorlaufes und der daran Beteiligten, dürfte die Thesen von „Versehen“ und „Vergesslichkeit“ zumindest etwas rissig werden.

 

Weitere Artikel zum Thema:

Kino Colosseum: Bezirksamt wusste bereits im 1. Quartal 2019 über Abriss- und Neubauplanung Bescheid

Kino „Colosseum“: Mehr als nur eine Panne

Colosseum kaputt

 



4 Kommentare zu “Kino Colosseum: Überbordene Vergesslichkeit mit langem Vorlauf”

  1. dieser Mann ist nicht mehr tragbar !

    Reply to this comment
  2. Anton Unbekannt

    Jul 21. 2020

    Unglaublich! Hier kommen echt immer mehr Fakten an die Oberfläche…wie es jetzt scheint geht das Ganze also schon über ein Jahr!
    Und am Ende sind wieder die MitarbeiterInnen, die Kleingewerbe und wir BürgerInnen die Leidtragenden

    Reply to this comment
  3. In der Politik hat man schon öffter Arbeit vergessen zu erledigen. Trotz der vielen Berater. Wenn die arbeitende Mittelschicht soviel vergessen würde wären schon viele gekündigt. So ist das halt mit der Immunität der Politiker. Dort ist vergessen erlaubt. 🤔🤨😑

    Reply to this comment
  4. kuhn ist eine katastrophe.

    ……………………………..“Angesichts des nun zu Tage getretenen Vorlaufes und der daran Beteiligten, dürfte die Thesen von „Versehen“ und „Vergesslichkeit“ zumindest etwas rissig werden. „

    Reply to this comment

Kommentar schreiben

Social Media Auto Publish Powered By : XYZScripts.com