Kino Colosseum: Bezirksamt wusste bereits im 1. Quartal 2019 über Abriss- und Neubauplanung Bescheid

 

Die Stadtentwicklungsabteilung von Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn (Bündnis 90/ Die Grünen, wusste schon mindestens seit dem ersten Quartal von den Abriss- und Neubauplänen für das Kino Colosseum. Das belegt eine E-Mail des Architekturbüros TCHOBAN VOSS Architekten GmbH an den Bereich Stadtplanung des Bezirksamtes Pankow.
Darin teilt der für den Bereich Prenzlauer Berg zuständige Sachbearbeiter mit Datum des 3. April 2019 dem Architekturbüro mit: „…das Vorhaben war ein Thema unserer heutigen Dienstberatung.“
 

 
Das Stadtplanungsamt reagierte mit dieser Nachricht auf eine Mail der Architekten vom 2. April 2019, in der es hieß: „…wie besprochen finden Sie anliegend unseren Planungsvorschlag als PDF mit der Bitte um Abstimmung.“
 

Intensiver Austausch zwischen Architekten und Bezirksamt

Das belegt, dass es bereits zuvor Gespräche mit dem Stadtentwicklungsamt über Abriss und Neubau auf dem Colosseum-Gelände gegeben hat.
In der Mail-Adressierung findet sich auch ein Weiterleitungsvermerk an die Leiterin der bezirklichen Unteren Denkmalschutzbehörde – ein Indiz dafür, dass das Vorhaben auch in diesem Teil des Verantwortungsbereiches des Bezirksstadtrates für Stadtentwicklung und Bürgerdienste schon in den ersten Wochen des Jahres 2019 bekannt gewesen sein dürfte.

In der Folge gab es weitere Schriftwechsel und Gespräche über die Art des Neubaus.

So wurde die erste Planungsfassung der Architekten unter anderem wegen der Höhe des geplanten Bauwerkes sowie der „Überkragung“ des denkmalgeschützten Teil des Kinos durch den geplanten Neubau kritisiert.

Nach mehreren Abstimmungen zwischen den zuständigen Bereichen des Stadtenwicklungsamtes und der Architekten – zu der unter anderem ein Ortstermin mit der Oberen Denkmalschutzbehörde des Landes und der bezirklichen Unteren Denkmalschutzbehörde – stellte das Architekturbüro in einer Protokollnotiz das nunmehr erreichte Ergebnis fest.
 

 
Die Protokollnotiz endet mit der Feststellung: „Die einvernehmlich hergestellte Lösung wird vom Denkmalschutz als deutliche Verbesserung der städtebaulichen Situation gewürdigt und als zustimmungsfähig erachtet.“
 


 

Die Unterlagen widerlegen damit den von Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn in seiner Antwort vom 15. Juli auf eine Kleine Anfrage des Pankower CDU-Fraktionsvorsitzenden Johannes Kraft erweckten Eindruck, der Bauvorbescheidsantrag sei praktisch ohne weitere weitere Befassung des Bezirksamtes genehmigt worden.
 

 

Tatsächlich sind die Planungen für Abriss und Neubau von Teilen des Colosseum über Monate hinweg von der Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn unterstehenden Stadtentwicklungsbehörde recht intensiv begleitet worden.

 

Weitere Artikel zum Thema:

Kino Colosseum: Überbordene Vergesslichkeit mit langem Vorlauf

Kino „Colosseum“: Mehr als nur eine Panne

Colosseum kaputt

 



16 Kommentare zu “Kino Colosseum: Bezirksamt wusste bereits im 1. Quartal 2019 über Abriss- und Neubauplanung Bescheid”

  1. Der grüne Stadtrat Kuhn findet die Schließung des Kinos nicht unbedingt als nachteilig für die kulturelle Infrastruktur des Kiezes. 😕
    Das kann man vielleicht meinen, aber nicht allein entscheiden. Und es ist schon gar kein Grund, den drohenden Abriss so lange zu verheimlichen.
    Die Frage ist auch, wer wusste noch die ganze Zeit Bescheid??
    Viele die jüngst für die Rettung des Colosseum demonstrierten hätten es wissen müssen. Verweigert der Stadtrat solche Informationen an seine Fraktion Die Grünen/B90? Schwer zu glauben.

    Reply to this comment
    • Wieso fragt ein Bürgerdeputierter hier , wer was und wann im Parlament wusste ? Es gibt ja auch Ausschüsse, die wohl kaum über einen Jahreszeitraum nichts getan haben ?
      Mir fehlen auch die Worte …

      Reply to this comment
      • Ich frage hier niemanden, sondern stelle ein rhetorische Frage in den Raum. Eine sehr interessante Frage. Das in den Ausschüssen nichts bekannt war ist nicht verwunderlich ohne ordentliche Information.

        Reply to this comment
        • von ODK

          Jul 23. 2020

          Das Problem besteht darin, dass man nur Dinge zu einem Sachverhalt erfragen kann, wenn der Sachverhalt bekannt ist. Den Sachverhalt hat der Bezirksstadtrat den Bezirksverordneten mitzuteilen. Wenn aber der Bezirksstadtrat nicht weiß, was in seiner Verwaltung rund eineinhalb Jahre lang in einer nicht ganz unbedeutenden Sache abläuft, kann er die Bezirksverordneten nicht informieren und die Verordneten können keine Fragen zu dem Sachverhalt stellen…

          Reply to this comment
  2. Zitat Tagesspiegel Pankow von heute: Schlichtweg „vergessen“ wurde allerdings, das Projekt in die sogenannte Bauliste einzutragen, mit der die Mitglieder des zuständigen BVV-Ausschusses über größere Projekte informiert werden. Das schreibt Kuhn jetzt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Fraktionschefs. Das sei aber nachgeholt worden. Dem Tagesspiegel teilte der Stadtrat ergänzend mit: „Es kommt in seltenen Fällen wegen Überlastung von Mitarbeitern im Amt vor, dass die Liste mit Bauvorhaben beziehungsweise Voranfragen nicht ganz vollständig ist, dazu gibt es dann Nachmeldungen an den Ausschuss – wie auch in diesem Fall. Hier gab es aber im September bereits die Nennung des Antrags in der Liste, die auch die BVV bekommen hatte.“ In den Unterlagen tauchte das Projekt, wie ebenfalls bereits berichtet, unter der (richtigen) Adresse Schönhauser Allee 123 auf – ohne dass die Bezirksverordneten Verdacht schöpften.

    Reply to this comment
    • Jessica Just ja , wenn man die Straßen nicht so genau kennt

      Reply to this comment
      • Die Straße kann man ja googeln, ok aber wenn ich das so lese scheint mir das alles schon suspekt. Die Rede von „überlasteten Mitarbeitern“ und „Verdacht schöpfen“. Der Eindruck auch durch vorhergehende Nachrichten wo von Corona bedingter Schließung die Rede war wirft Fragen auf. Das Kino soll doch schwarze Zahlen geschrieben haben. Es scheint hier schon ein gewisses Kalkül dabei zu sein, könnte man interpretieren. Von wem auch immer.
        Wie sehen Sie denn die Sachlage Paula Panke?

        Reply to this comment
        • Meine Lebenserfahrung sagt mir , die Politik ist alles andere als ehrlich .
          Manche Dinge sind Mittel zum Zweck und persönliche Belange spielen leider meist eine Rolle.
          Umfänglich einschätzen kann ich es nicht, da müsste man echt die Strukturen studieren …..
          Traurig ist es allemal.

          Reply to this comment
          • Danke für Ihre ehrliche Antwort.
            Ich habe vermutlich nicht soviel Lebenserfahrung, gebe die Hoffnung aber auch nicht auf das Politik ehrlich werden kann. Manchmal bedarf es eines Vertrauensverschuss.
            Im Fall Colosseum gibt es aufjedenfall Klärungsbedarf und wir sind gespannt was dazu noch gesagt wird und viel mehr was getan wird.

            Reply to this comment
  3. Marco Meier

    Jul 23. 2020

    Unglaublich! Was muss eigentlich noch passieren damit die Grünen Vollrad Kuhn zum Rücktritt bewegen. Es musste doch klar sein, dass der Umbau von Kino zu Büro für Pankow von Bedeutung ist. Das war doch kein Versehen, sondern der fördert bewusst Immobilienspekulation. Dieses Schmierentheater ist unwürdig.

    Reply to this comment
  4. Meiner Meinung nach steht nur das alte Kino (die umgebaute Wagenhalle der Straßenbahn) unter Denkmalschutz. Der sollte wohl beachtet werden. Der Rest ist 90er Jahre-Müll. Damals wollte man Multiplex Kinos haben ohne Ende …. heute braucht das kein Mensch. Also weg damit. Solange man also den Denkmalschutz beachtet, sehe ich da kein Problem, aber genau das will man wahrscheinlich nicht. Bei dem grandiosen Müther-Bau „Ahornblatt“ spielte der Denkmalschutz am Ende leider auch keine Rolle mehr.

    Reply to this comment
  5. Natürlich; auch wenn der Bezirk kein Königreich ist, haben gewählte Vertreter politische Verantwortung. Sogar bei den Scheinheiligen Grünen @VollradKuhn @GrueneBVVPankow .#highnoonfürvollradkun @Linkebvvp @MatthiasZarbock @DoebertSteffen @MIETERFOR

    Reply to this comment
  6. Andreas Schreier

    Jul 25. 2020

    Aus meiner Sicht eine weiterer Sauerei: Kuhn betreibt in Weißensee die Umwidmung von Friedhofsland in Bauland. Auf dem Georgen-Parochial III Friedhof sollen 620 Wohnungen, Stadtvillen, Werkstätten und eine Privatschule gebaut werden. Dabei benötigen die Anwohner gerade in dieser etwas öden Gegend bspw. einen Park zur Erholung.

    Reply to this comment
  7. Ludger Müller

    Jul 26. 2020

    Frage an die Redaktion: M.E. gehören ALLE Namen, so sie nicht dem Amt zuzuordnen sind, eingeschwärzt. Was haben die beteiligten Planungsbüros verbrochen, dass sie hier mit an den Pranger gestellt werden?

    Reply to this comment
    • von ODK

      Jul 26. 2020

      Nein.
      Grundsätzlich: Es handelt sich um einen Vorgang von erheblichen öffentlichen Interesse. Das schränkt Persönlichkeiutsrechte jener, die an einem solchen Vorgang beteiligt sind, erheblich ein.
      Ich habe dennoch die Namen der Personen geschwärzt, weil nach meinem gegenwärtigen Wissenstand nicht einzelne Personen innerhalb der Verwaltung oder des Architekturbüros entscheidend für den Vorgang sind, sondern die Institutionen. Institutionen verfügen aber über kein „Persönlichkeitsrecht“ im eigentlichen Sinne.
      Darüber hinaus wird das Architekturbüro auch nicht „an den Pranger gestellt“. Es wird sachlich berichtet, dass es im Auftrag eines Unternehmens eine Planung entworfen und in Verhandlung mit verschiedenen Verwaltungsbereichen des Landes und des Bezirks das Projekt zur vom Auftraggeber gewünschten Genehmigung geführt hat. Ich wüsste nicht, was daran prangermäßig sein soll.

      Reply to this comment

Kommentar schreiben

Social Media Auto Publish Powered By : XYZScripts.com