Prenzlauer Berg, Wichertstraße, nahe der Greifenhagener Straße, am Samstagnachmittag: Was wie eine veritable Großdemonstration von zu allem entschlossenen „Wutbürgern“ aussieht, ist bloß der normale Fahrgastwechsel beim Schienenersatzverkehr der Berliner S-Bahn. Aber was heißt hier „Wechsel?“ Zwar steigen Fahrgäste aus und ein – doch der überwiegende Teil der Wartenden bleibt wegen Überfüllung des Gefährtes vom Transport einstweilen ausgeschlossen.
Und wartet also auf das nächste Ersatzverkehrsvehikel.
Das kommt dann auch – irgendwann. Der Platz darin reicht aber immer noch nicht für alle.

Haltstelle Storkower-/Ecke Greifswalder Straße: Mitfahren nur mit viel Glück und möglichst ohne Gepäck
Die S-Bahn hat über das Wochenende die Ringbahn zwschen Ostkreuz und Schönhauser Allee stillgelegt und lässt stattdessen Busse rollen.
Offenbar jedoch viel zu wenig.
Und so stehen sich die Fahrgäste nicht nur an der Endhaltestelle am S-Bahnhof Schönhauser Allee die Beine in den Bauch – auch an den Haltsstellen entlang der S-Bahn-Linie wurden Mitfahrwillige regelmäßig im Kalten zurückgelassen: Zu voll!
Diejenigen aber, denen ein gütiges Schicksal (oder die körperliche Durchsetzungsfähigkeit) ein Plätzchen im Innern des Omnibusses beschert hatte, fühlten sich spätestens nach der zweiten Station wie ein billig gepresstes Stück Formfleisch.
zur Endhaltestelle mitzufahren – auch wenn er das gar nicht wollte. Stehplatzinhaber lernten bei Volbremsungen die Vorzüge übergewichtiger Mitmenschen zu schätzen, und ein nicht beschreibbarer Geruchsmix betörte alle Sinne. Vor seinem inneren Auge sah der Zwangsgequetschte käfiggehaltene Legebatteriehühner an sich vorbeidemonstrieren – in den Schnäbeln Transparente mit Aufschriften wie: „Mehr Platz für Busbenutzer!“
Spätestens jetzt war es höchste Zeit, sich ins Freie zu kämpfen – Luft, Sauerstoff, Ruhe… . All dies fand man nur ein paar Meter weiter – droben auf dem S-Bahnhof Greifswalder Straße.
Kein Mensch weit und breit.
Nur wie von fern waren die Geräusche der tiefer gelegenen Straße zu vernehmen.
Der Körper erholte sich langsam, und auch die Seele beulte sanft ihre Stauchungen aus.
Nun gelang es auch, endlich wieder ein paar klare Gedanken zu fassen.
Zum Beispiel: Waren womöglich gar nicht zu wenig Busse im Einsatz, sondern bloß zuviel Fahrgäste mit dem dreisten Wunsch nach Beförderung von A nach B unterwegs…?
Der Ersatzverkehr auf einen Blick







