Der Kiez strahlt

Jede Menge Bleiplatten auf den Straßenbelag, dann ein Auto drauf gestellt und zum Schluss noch ein veritables Absperrgeviert: Da hat die Radioaktivität keine Chance mehr zum Entweichen, sie muss bleiben, wo sie ist – im Erdreich unter dem Asphalt.
Ein leichter Hauch von Aberwitz umstreicht die Geschichte: Das Deutsche Rote Kreuz wollte am Sonntag mal eben seine neuen Strahlenmessgeräte ausprobieren und fährt zu dem Behufe zufällig auch die Stargarder Straße entlang. Da plötzlich geben die Gerätschaften Signal. Ungläubiges Staunen bei der Besatzung, der Versuch wird wiederholt…
Die darauf folgende Straßensperre ist längst wieder aufgehoben und der strahlende Platz ist nun dreifach gesichert: Die Absperrung sichert das Auto, das Auto sichert die Bleiplatten (vor Diebstahl – die Preise für Buntmetall ziehen wieder an) und die Bleiplatten wiederum versperren der radioaktiven Strahlung den Weg. Wie lange da schon was gestrahlt hat, ist noch völlig unklar, nur die Intensität ist bekannt: Bis um das 100.000fache wurde der gesetzliche Grenzwert von 200 Nanosievert pro Stunde übertroffen. (Update: Andere Quellen gehen „nur“ vom 1.000fachen aus.) Aber das war und ist – na klar – für die Anwohner völlig unbedenklich.


Mittlerweile wird das sorgsam eingehegte Gefährt zur Sehenswürdigkeit: Passanten bleiben stehen, begutachen das spontan errichtete Mahnmal der Unbekannten Strahlenquelle und schießen ein paar Fotos. Andere nehmen ihr Handy und berichten den Lieben daheim vom strahlenden Stück Straße in Prenzlauer Berg. Anwohnerinnen geben bereitwillig Auskunft über den Ausnahmezustand vom Nachmittag, und alle rätseln, was das wohl sein könnte, das da die Geigerzähler klacken ließ.
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In den nächsten Tagen, so ist zu hören, soll eine noch ausfindig zu machende Spezialfirma der Sache auf den Grund gehen und das belastete Stück Stargarder Straße fachgerecht entseuchen. Dann kehrt wieder Ruhe ein an der Strahlenfront.
Zumindest solange, bis das Rote Kreuz ein paar neue Geräte zur Strahlenmessung erhält und sich zu deren Erprobung in die Straßen von Prenzlauer Berg begibt…



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