Ein Computerspiel, musizierende Papierkörbe und Kinder, die Erwachsene darauf aufmerksam machen, dass sie ihren Müll bitteschön in die vorhandenen Abfallbehälter werfen – das ungefähr war die Botschaft Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer am Mittwoch unter die Menschen bringen wollte. Dazu hatte sie in die Schule am Falkplatz geladen.
Die Schule ist seit 2007 eine „Umweltschule“ und wurde für ihr spezielles Engagement mehrfach als „Umweltschule in Europa“ ausgezeichnet.
In den 5. und 6. Klassen gibt es dort das Fach, Umweltlehre; aus jeder Klasse sind zwei Energiedetektive unterwegs, die regelmäßig die Raumtemperaturen messen
oder nachsehen, ob nach dem Verlassen eines Raumes die Lichter ausgeschaltet und die Fenster geschlossen sind. Und außerdem liegt nebenan gleich der Mauerpark. Genau der richtige Ort also, um die Initiative „Kein Müll im Park“ der Senatsverwaltung zu starten.
Nachdem die Gesamtschulsprecher Le Linh und Greta den Anwesenden ihre Schule vorgestellt und Chorkinder ein paar Lieder gesungen hatten (manche Dinge ändern sich nie!), erklärte die Senatorin den Grund ihrer Aktion: Mit Beginn der Freiluftsaison hat auch die Vermüllung der öffentlichen Grünflächen und Parkanlagen begonnen – und das geht ins Geld.
Mehrere Millionen Euro müssen die Bezirke in jedem Jahr dafür ausgeben, den Parkbesuchern den Abfall hinterher-
zuräumen. Die fehlen dann anderswo. Es seien vor allem Erwachsene, die so „unsozial“ handelten, und ihren Abfall in der Öffentlichkeit zurückließen – Kinder seien da viel umwelt-
bewusster und könnten den Großen in dieser Hinsicht durchaus als Vorbild dienen.
Doch selbst die Entsorgung der Hinterlassenschaften in Abfalleimer und Container ist der Senatorin noch zu wenig: Weil auch die BSR Geld koste, mögen die Parkbesucher ihren Müll doch bitte auch wieder mit nach Hause nehmen.
Obwohl die Erwachsenen als Hauptsünder geoutet wurden, richtet dich die Aktion nicht zuletzt an die ganz jungen. So wurde zum Beispiel ein Online-Spiel mit dem Titel „Trash it!“ kreiert: Wer dort den meisten Müll in die Tonne befördert hat die höchste Punktzahl und somit gewonnen. In den Aktionswochen, die bis zum bis zum 11. Juli laufen, sollen „Trash it!“-Wettbewerbe von Jugendlichen organisiert werden. Und damit jeder auch gleich mal erleben kann, wie das Spiel funktioniert, machten sich zwei Falkplatz-Schülerinnen daran, es – via Beamer – den Anwesenden vorzuführen. Allein – eine übergroße Punktzahl wurde nicht erreicht – was die Schulleiteren entschuldigenbd mit den fehlenden Mousepads erklärte.
Dann durften Fragen gestellt werden und die Schüler waren selbstbewusst genug, nicht nur brav zum Thema die Stimme zu erheben. Wenn denn schon mal Politikprominenz vor Ort ist… .
„Wann werden endlich unsere Aulafenster erneuert?“, fragte zum Beispiel Schülerin Gabi, und wusste zu berichten, dass der Schulversammlungsraum bei Regen und ungünstigem Wind auf Grund der schlecht schließenden Fensterflügel regelmäßig unter Wasser steht. Und nicht nur das: Durch die maroden Teile gehe viel Wärme verloren. Immerhin: Bürgermeister Matthias Köhne konnte verkünden, dass die Erneuerung für das nächste Jahr geplant ist.
Andere Schüler fragten, was sie denn tun könnten, wenn sie müllverbreitenden Erwachsenen begegneten: Die würden doch eh nicht auf Kinder hören. Die Senatorin gab sich optimistisch: Es sei den Angesprochenen bestimmt nur peinlich – deshalb würden sie nicht sofort reagieren. Aber im Nachinein würde es wohl doch wirken.
Gar kein verständnis hatte ein Schüler für Papierkörbe, die im Rahmen der Aktion aufgestellt wurden und beim Einwurf von Müll Musik abspielten: Das ist doch sinnlos!“
Nicht nur das. Als die Prenzlberger Stimme den angeb-
lich melodischen grünen Abfallbehälter im Mauerpark testete, blieb der genauso stumm, wie seine Kollegen in Orange.
Kein Müll im Park – Link zur Aktion









