Wirtschaftstag im Kuppelbau

planetariumDu warst im Atomkraftwerk Prenzlauer Allee?“

Hä???

„Na das Ding mit der Kuppel.“

Achso, ja.

„Und was gab’s?“

Pankower Wirtschaftstag, der siebzehnte.

„Ach… – wie war’s denn so?“

Doch, ja…hm.

Mein Gott, was schreibt man über eine Veranstaltung, die so alle halbe Jahre wiederkehrt und irgendwie immer ähnlich abläuft? Gut, das Motto ist jedesmal ein anderes. Nach dem sinnfreien Ausrutscher vom November hieß es diesmal nun „Kennen Sie Pankow? – Was Wirtschaft alles kann.“ Naja.

Erfolgreich durch Sehhilfe-Versand:
Nicht-Brillenträger Björn Sykora (links im Bild)

Bezirksstadtrat Michail Nelken erklärte Pankow in seiner Eröffnungsrede mal eben zur Boomtown – und so ganz verkehrt ist das ja auch nicht. In einer Talkrunde stellten sich verschiedene Unternehmer des Bezirkes vor. So Beata Schulte-Wrede, die in ihrem Flagshipstore in der Oderberger Straße Mode von rund 30 Designer-Labels aus Berlin und Skandinavien führt.
Björn Sykora, Mitbegründer und Marketingchef des Bril-
len-Online-Händlers Mister Spex mit Sitz in der Greifs-
walder Straße, erklärte den Zuhörern, wie er und seine Mitgründer ausgerechnet auf die Idee eines Sehhilfen-Versandes gekommen waren: „Das war eine analytische Entscheidung“. Der Markt ist da – Brillen werden immer gebraucht. Und siehe: Bereits 2010, im dritten Jahr des Bestehens, standen 11 Millionen Euro Umsatz zu Buche. Im selben Jahr gewannen die Gründer den Deutschen Unternehmerpreis in der Kategorie Startup .

Thomas Frisch (Bildmitte):
Frauenquote im Tiefbau ist realitätsfremd

Beim Talk mit dabei war auch Thomes Frisch, geschäfts-
führender Gesellschafter der Frisch & Faust Tiefbau GmbH in der Buchholzer Straße (Niederschönhausen). Der Betrieb wurde im vergangenen Jahr von der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer als bester Ausbildungsbetrieb von Berlin ausgezeichnet. Thomes Frisch kritisierte das Berliner Vergabegesetz, das die öffentliche Auftragsvergabe im Land Berlin regelt: Die dort geforderte Frauenquote sei in einem Tiefbaubetrieb, in dem klassische Männerberufe dominieren, schlicht nicht einzuhalten. Wirtschaftssenator Harald Wolf hielt dies für ein Missverständnis, und bot an, die Quotenfrage in einem persönlichen Gespräch zu klären.

Vater (links) und Sohn (rechts) Kollmann, Kurt Krieger (2. von rechts) im Gespräch mit Wirtschaftssenator Harald Wolf

Nicht fehlen durfte an jenem Abend ein Dreigestirn, das künftig wohl genauso zum Pankower Stadtbild gehören wird, wie der Fernsehturm zum Alexanderplatz und auch wie jener nur noch dann auffallen dürfte, wenn es mal nicht vor Ort ist: Möbel-Tycoon Kurt Krieger mit seinem Expansions-Manager Michael Kollmann sowie dessen Sohn, der auch hier wieder souverän den Stadtbilderklärer am Modell des von Krieger geplanten, aber heftig umstrittenen Rangierbahnhof-Projektes gab. Während der Talkrunde wies Krieger darauf hin, dass in der Berliner Verfassung den Bezirken eine große Eigenständigkeit zugestanden werde – sie müssten die aber auch nutzen. Ein wohl nicht ganz uneingennütziger Rat…

Kleine Leistungschau der Pankower Unternehmen

In der Wandelhalle des Planetariums hatten die Veranstalter eine kleine, aber wirklich sehr kleine Auswahl des Spektrums der Pankower Wirtschaftsunternehmen, auf- bzw. ausstellen lassen.
Vom in Buch ansässigen Bio-Tech-Unternhemen Glycotope, einer Ausgründung aus dem Max-Delbrück-Institut, das hoch spezialisierte Pharmazeutika zur Krebsbekämpfung herstellt, über das Modeinstitut Berlin, das bloß noch so heißt und sich auf Berufsbekleidung spezialisiert hat, bis hin zur Keksfirma „Spreewaffel“ war eine bunte Palette von Firmen und Produkten aus dem Bezirk vertreten.

Favorit der Prenzlberger Stimme: Das Stepprad

Absoluter Favorit der Prenzlberger Stimme war allerdings weder ein High-Tec-Medizin-Produkt, noch eine saloppe Arbeitsjacke, sondern ein Gerät namens „Stepprad“, erdacht und gebaut von der Firma Dudek in Weißensee. Das Ding ist… ja, was eigentlich? Eine Art massives Fahrrad auf drei Rädern, das anstelle von Pedalen „Trittflächen“ besitzt.

Wie es zu dem patentierten und auf der Erfindermesse in Nürnberg mit einer Goldmedaille ausgezeichneten Gefährt gekommen ist, beschreibt die Firma Dudek so: „Herr Norbert Menning (Erfinder 1) fand es langweilig, im Fitness-Studio gegen eine Wand zu starren oder bei schönem Wetter in geschlossenen Räumen zu trainieren. Das war der Moment, um 2002 über ein Trainingsgerät an der ‚frischen Luft‘ nachzudenken.“

Angeboten wird das Stepprad nun aber nicht als Hometrainer-Ersatz, sondern als Therapiegerät für Schlaganfallpatienten. Zum Training und zum Wiederaufbau der Beinmuskulatur zum Beispiel. Der Absatz, so war zu hören, verlaufe derzeit noch stockend – auch die Reha-Kliniken, wo der Einsatz Sinn machen würde, müssten derzeit sparen. Schade eigentlich. Denn mit etwas Phantasie wären die Anwendungsmöglichkeiten bestimmt noch zu erweitern. Als Hantelersatz zum Beispiel. Das Gerät wiegt dreißig Kilo…


 

© Fotos: Dirk Grabowski

 

 



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