An der Bernauer/ Ecke Oderberger Straße, gleich hinter der lila Marthabox, da stehen sie: Ausgewachsene Wüstenschiffe, freundlich dreinschauend und gemächlich Grasbüschel malmend. Eine Fata Morgana? Nachwehen vom Genuss unbekannter Stoffe auf der letzten Party?
Ach was!
Die Kamele existieren tatsächlich und gehören dem kleinen „Cirkus Magic“. Der tourt durch Berlin, gastierte zuletzt in Neukölln und hat sein Zelt nun in Prenzlauer Berg aufgeschlagen. Heute abend beginnt die erste Vorstellung. Doch die Kinder, die hier vorbeikommen,
interessiert das nicht. Für sie ist jetzt schon Vorstellung, umsonst und draußen: Kamele, die man sonst bloß aus dem Bilderbuch kennt, aus dem Fernsehen oder aus dem Zoo (da aber sind sie doch viel weiter weg), nun plötzlich in echt und ganz nah.
Da hat Oma Mühe, die Enkelin festzuhalten. Angucken ja – aber streicheln… dann wohl besser doch nicht. Meint zumindest die Oma. Zumal da zwischen Trampeltier und Mensch noch ein Draht gespannt ist. Und durch den fließt elektrischer Strom. Nicht viel, aber wenn man ihn berührt zwackt es doch schon ein wenig. Nur soviel, dass die Tiere merken: Bis hierher und nicht weiter.
Dann erscheint die Prinzipalin, die Chefin des Unternehmens und lädt die Neugierigen zur Vorstellung ein. Aber was heißt hier eigentlich „Unternehmen“ – beim Zirkus sind schließlich alle eine große Familie.
Und beim „Cirkus Magic“ stimmt das sogar wortwörtlich: Das „Personal“ besteht aus Isabel Endres, ihrem Mann Samuel und ihren vier Kindern im Alter von vier bis 13 Jahren. Keine Angestellten oder Helfer, die Familie macht alles selbst: Zelt aufbauen, Zelt abbauen, die Tiere versorgen… – und natürlich das Programm gestalten. Seit zwei Jahren erst gibt es den „Cirkus Magic“, doch Isabel und ihr Mann kommen aus alten Schaustellerfamilien und da reicht die Tradition weit zurück:
„Seit sieben Generationen“, sagt Isabel, gehört ihre Familie nun schon zum fahrenden Volk. Die Kinder, die hier neugierig die Kamele betrachten, wissen mit solchen Traditionen noch nichts anzufangen – aber sie wissen, was sie wollen: In die Zirkusvorstellung. Zu den Kamelen. Und Ponys hat der Zirkus auch! Und ein Lama. Löwen leider nicht. Aber das macht ja nichts.
Und damit der Familienfrieden erhalten bleibt (und weil natürlich auch Mama und Papa sich freuen, wenn die Kleinen glücklich sind), wird also „Ja“ gesagt.
Die Vorstellungen beginnen täglich ab 17 Uhr, sonntags um 11 und 15 Uhr. Montags ist Ruhetag. Die letzte Vorstellung läuft am 5.September um 11 Uhr




