Er wird geliebt und benutzt, wegen ihm kriegen sich sonst wohlgesittete und sanftmütige Bürger in die Haare; Politiker verzweifeln an ihm, für Touristen ist er ein Muss und für die Polizei ein Horrorort voller illegaler Bierverkäufer. Er beherbergt ein (fast) ganzjähriges Musikfestival und wohl nirgendwo auf der Welt ist die Holzkohlegrilldichte größer als auf seinem Rücken; er ist Abfalldeponie, Obstplantage und Partyort.
Der Mauerpark ist ein einziger Anachronismus. Einstmals ein normales Stück Stadt mit Straßen und Häusern, dann Grenzgebiet zwischen zwei verfeindeten Weltsystemen und damit Todeszone, sollte das Gelände nach dem Wegfall des
namensgebenden Bauwerkes der stolze Abschluss einer Stadtautobahn werden. Und wurde dann doch ein ewig ver-
narbter Grünzug, auf dem man zuweilen das Gras vor lauter Menschen nicht sieht – eine einzige Freakshow, mit all den Verrückten, die diese Stadt zu bieten hat – also: Mit uns.
Dass da nicht schon längst einer einen Film gedreht hat…
Nun aber ist er da, der Film, eigentlich schon seit dem Früh-
jahr. Denn bereits im April erlebte er einige, naja, Vorauffüh-
rungen beim „achtung berlin“-Filmfestival. Nun aber hat der
Streifen von Dennis Karsten die offizielle Kinopremiere:
Heute (Mittwoch) um 19.30 läuft er im Kino „Central“ in der Rosenthaler Straße – aber schon ab morgen ist er in Prenz-
lauer Berg zu sehen. Im „Lichtblick-Kino“ in der Kastanien-
allee steht er am Donnerstag, dem 7. Juli auf dem Programm (Beginn 19.45 Uhr). Am 9. und 10. Juli (Beginn jeweils um 20.30 Uhr) ist auch Regisseur Dennis Karsten mit dabei.
Neunzig Minuten Film, dazu mindestens eine Stunde Unter-
haltung mit dem Regisseur.
Und danach?
Ab in den Mauerpark. Das Wetter wird schön…

Mauerpark
D 2011, 79 Min., ein Dokumentarfilm von Dennis Karsten, mit: Dr Motte, Wladimir Kaminer, DJ Tanith, Joe Hatchiban, Fuck4Forest und vielen anderen
Der Dokumentarflm „Mauerpark“ erzählt die Geschichte der Menschen, Nutzer und Bewohner des Ostberliner Stadtparks zwischen Prenzlauer Berg und Wedding.
Der Film fängt Vielfalt, Geschichte und Realität des populärsten Parks Berlins ein. Der Park bietet Freiraum für künstlerische Entfaltung und ist interkultureller Treffpunkt für Menschen aus allen Schichten, für Individualisten, Künstler, Sportler und Musiker.
Der Mauerpark ist ein Park ohne Mauern und Grenzen. Der Park auf dem ehemaligen Grenzstreifen in Berlin, überwindet gesellschaftliche Grenzen und vereint Menschen aus unterschiedlichen Schichten und Herkunft miteinander. Er ist Sehnsuchtsort für Reisende, Treffpunkt für Subkultur, Spielwiese für Jongleure, Künstler, Musiker und Sänger. Er ist Freiraum und Freiheitsgefühl zugleich.
Doch der Park ist auch ein Symbol für den Wandel des Bezirks, denn auch er ist dem Gentrifzierungsdruck ausgesetzt, die Bebauungspläne einer Immobiliengesellschaft bedrohen diesen Ort. Noch hält er mit seiner durchmischten Nutzerstruktur wacker stand. Doch das Gesicht des Parks ändert sich bereits.
Der Regisseur Dennis Karsten lebt seit 10 Jahren in Berlin und ist selbst Anwohner des Parks. Er begleitet viele verschiedene Personen durch den Park, darunter Schriftsteller Wladimir Kaminer und Dr. Motte, dem Gründer der Loveparade.
„Mauerpark“ zeigt die Einzigartigkeit und Vielschichtigkeit des Parkmikrokosmos und das dort herrschende Freiheitsgefühl, dass schon heute in dieser Form bereits nichtmehr existiert.
Trailer


Michael Springer
Juli 09. 2011
Ein toller Film, … Lebensgefühl, Menschen, Typen und Szenen sind genial eingefangen!
Bei den Luftaufnahmen kann man sich für Sekunden in eine Krähe hineinversetzen, und sich den Mauerpark als eine riesige Fest-Tafel vorstellen :-))
… eigentlich sollte der Film als Public Viewing im Mauerpark selbst laufen!