Kraftwerk überm Schlafzimmer

 

Auf den letzten Treppenstufen wird das Atmen von Tino Kotte deutlich hörbarer. Dabei wirkt der 41jährige durchaus sportlich. Doch die Räume sind hoch in diesem Altbau, dementsprechend steil sind die Treppen. Einen Aufzug gibt es nicht: Denkmalschutz. Noch einen Absatz, dann steht er vor der Dachbodentür. Nach ein paar Schritten ist die Dachluke erreicht.
Hier oben, auf den Dächern des Karrees zwischen Pappelallee, Schönhauser Allee, Gneist- und Buchholzer Straße befindet sich das neueste Teil der Energieerzeugung der Wohnungsbaugenossenschaft „Bremer Höhe“: Eine Photovoltaikanlage. Seit Anfang Juli erzeugen hier auf

einer Fläche von 341 Quadratmetern 232 Module elektrischen Strom. 45 Megawattstunden soll die Anlage pro Jahr liefern. „Damit“ , sagt Tino Kotte, „sparen wir jährlich rund 29 Tonnen Kohlendioxid ein.“ Tino Kotte ist seit der Gründung der Genossenschaft vor gut zehn Jahren in der „Bremer Höhe“ zu Hause. Er war dabei, als die Häuser von Anfang 2001 und bis Ende 2003 saniert wurden. Schon damals gab es strenge Auflagen, um die denkmalgeschützten Häuser in ihrem ursprünglichen Aussehen zu erhalten. Tino Kotte und seinen Mitgenossenschaftlern liegt durchaus viel am Erhalt der Baudenkmäler, er selbst ist Herausgeber eines Buches zur Geschichte der Bremer Höhe – aber manchmal gehen selbst ihm die Forderungen der Denkmalschützer etwas zu weit:

„Wir hätten hier noch viel mehr Module installieren und damit noch mehr umweltfreundlichen Strom produzieren können. Doch die Denkmalschutzvorgaben waren äußerst streng – die Sonnensegel durften auf keinen Fall von der Straße her zu sehen sein.“ So musste viel Dachfläche ungenutzt bleiben.
Die Genossenschaft selbst ist übrigens nicht Eigentümer der Solaranlage. Tino Kotte: „Solche Solarmodule sind noch immer nicht eben billig und auch die Wartung bedarf ausgewiesener Fachkräfte.“ Die dafür notwendigen Investitionen hätten das Budget der Genossenschaft dann doch zu sehr belastet. Also beschritt man einen anderen Weg:

Gekauft und installiert wurden die Geräte von der Berliner Energieagentur, die die Anlage auch betreibt. Die Genossenschaft vermietet der Agentur dafür die Dachfläche und erhält neben dem Mietpreis noch einen Anteil an den Erlösen, die für die Einspeisung des Sonnenstroms in das öffentliche Energienetz erzielt werden. Das Geld fließt in den Initiativenfonds der Genossenschaft, mit dem die Mitglieder Ideen für Gemeinschaftsprojekte realisieren können.
Die Zusammenarbeit zwischen der „Bremer Höhe“ und der Energieagentur dauert aber schon länger. Als nach der Gründung der Wohnungsbaugenossenschaft sich die Mitglieder schnell einig darüber waren, dass Heizung und

Strom für die Wohnungen aus umweltschonenden Blockheizkraftwerken (BHKW) kommen sollten, fand man in der Agentur den geeigneten Partner. Die Energieagentur stellte drei BHKWs auf, die seither alle Häuser der „Bremer Höhe“ mit Elektroenetgie, izung und Warmwasser versorgen. Das besondere: Weil die Kellerräume zu eng waren, wurden die Minikraftwerke auf den Dachböden installiert. Eines von ihnen soll sich sogar direkt über dem Schlafzimmer eines Bewohners befinden. Da die Energieerzeuger jedoch mit einer

hochmodernen Schall- und Schwingungsdämpfung ausgestattet sind, bleibt auch dessen Nachtruhe ungestört.

Die Energieselbstversorgung macht sich nicht nur durch eine enorme Abgaseinsparung (450 t CO2 pro Jahr) bemerkbar. Auch der Geldbeutel der „Bremer“ wird geschont: Für die Kilowattstunde Strom zahlen sie 5 % weniger als Vattenfall- Standardpreis-Kunden.

 



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