Der Wahl(plakat)kampf hat begonnen


 

Der Mann mit der Leiter, den man vergangene Nacht gegen Null Uhr in der Schivelbeiner Straße beobachten konnten, war nicht etwa eine jener finsteren Gestalten, die im Schutze der Dunkelheit den Wohnungen anderer Leuten einen ungebetenen Besuch abstatten, um sich dort – unbemerkt von den Bewohnern – nach Verwertbarem umzusehen. Und wer vermutete, es handle sich bei dem Herrn um einen zugereisten Bayern, der auch in Prenzlauer Berg nicht auf das alte süddeutsche Brauchtum des Fensterlns verzichten wollte, lag ebenfalls falsch.

Denn der Leitermann war Roland Schröder, Abgeordnetenhaus-Direktkandidat der SPD für den Wahlkreis 6, der ein Plakat mit seinem Konterfei höchselbst an einem Lichtmast befestigten wollte.

Weil das Berliner Straßengesetz vorschreibt, dass Plakate für den Wahlkampf erst sieben Wochen vor einem Urnengang aufgehängt werden dürfen, war das Stadtbild bisher weitestgehend wahlwerbefrei. Seit heute, Sonntag dem 31. Juli, sind die Laternen und all die anderen Plakatierungsgelegenheiten freigegeben für die Werbung um des Wählers Stimme.

Und so war es auch nicht verwunderlich, dass nur zehn Minuten, nach dem das Schröder-Portrait befestigt war, ein paar Meter weiter ein Trupp von Wahlkampfhelfern der Grünen erschien, um das nicht minder freundliche Gesicht des derzeitigen Mandatsträgers und erneut für den Wahlkreis 6 kandidierenden Andreas Otto zu platzieren.

So, wie die Sozialdemokraten und die Bündnisgrünen, ließen sich auch die PIRATEN nicht vom regnerischern Novemberwetter dieser Sommernacht abschrecken und waren quasi von der ersten Stunde des neuen Tages an in den Straßen von Prenzlauer Berg present.
Das war’s dann aber auch. Erstmal. Bis zum Sonntagnachmittag zumindest konnte die Prenzlberger Stimme im Kiez zwischen Schönhauser und Prenzlauer Allee keine Werbung weiterer Parteien entdecken. Die wird aber kommen – garantiert.

Dabei ist die Wirkung der Plakatflut auf die Bürger durchaus fraglich. Noch keine Partei hat von sich behauptet, eine Wahl durch tolle Plakate gewonnen zu haben – verzichten möchte aber auch niemand darauf.

Vielleicht ändert sich ja das einmal. Und eine politische Vereinigung tritt mit dem Slogan an: „Wir plakatieren nicht!“ Und tut das allen Leuten kund.

Zum Beispiel auf Plakaten…


 

 



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