Heute Mittag gegen 12.15 Uhr auf der Fußgängerinsel an der Kreuzung Kastanien-/Ecke Schönhauser Allee: Zwei Herren stehen an einer Laterne, an der etwas befestigt ist, das den Blicken der vorübereilenden Passanten durch ein darüber gehängtes Stück Stoff noch entzogen ist.
Dann erklimmt einer der beiden eine bereitstehende Leiter, greift zum Tuche, ein Ruck, und… zum Vorschein kommt – große Überraschung! – ein Plakat, ein – noch größere Überraschung! – ein Wahlplakat. Und zwar eines jener Partei, die sich derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Piratenpartei liefert: Nicht um ein Bürgermeisteramt, nein, aber immerhin um den Einzug ins Abgeordnetenhaus.
Von der FDP sind natürlich auch die beiden Enthüller:
Zur Rechten auf der Leiter stehend Dr. Christoph Dietrich, Arzt in einer Praxis gleich gegenüber in der Kastanienallee und Pankower Spitzenkandidat seiner Partei für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Zu Linken auf dem Erdboden assistierend: Sebastian Schnurre, Jurist und liberaler Frontmann für die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung.
Und das Plakat?
Ein Comic. Neunzig „Knöllchenschreibern“, wird dort erklärt, stünden im Bezirk nur neun Lebensmittelkontrolleuren gegenüber. Und als Text ist zu lesen: „Unsere Beamten können mehr für Pankow machen – als nur Kasse.“
Die Stellen, so erklärt Christoph Dietrich, die man für die Parkraumbewirtschaftung eingerichtet hat, wären in anderen Bereichen für den Bezirk nötiger und nutzbringender gewesen. Die Parkraumbewirtschaftung jedenfalls sei ein Fehler –
niemand im Kiez würde dadurch auch nur einen Parkplatz mehr bekommen.
Das kann man so sehen oder auch nicht – die Anwohner des Bötzowviertels, die in den vergangenen Monaten der BVV und dem Bezirksamt regelrecht die Türen einrannten um sofort und ohne weitere Prüfung „bewirtschaftet“ zu werden, haben da sicher eine gänzlich andere Meinung… .
Aber darauf kommt es nicht an.
Denn nach all den – oft auch von Partei zu Partei austausch-
baren Allgemeinplätzen („Gute Arbeit, Berlin“, bzw. „Arbeit mit Zukunft“) „über „Arbeiterpartei“-Zumutungen bis hin zur grenzdebilen Wahl(!!!)-Aussage „Berlin verstehen“, ist hier nun wohl zum ersten Mal im kommunalen Wahlkampf dieses Jahres ein konkret den Bezirk, ja, den Kiez betreffendes Thema aufgegriffen worden. Eines, das von Anfang an kontrovers diskutiert wurde und auch jetzt noch die Gemüter erregt. Somit fand heute Mittag also eine echte Premiere statt. Mögen die andere Parteien folgen.




Guido Westerstelle
Aug. 18. 2011
Ja Ja meine lieben Herren von der FDP (Fast Drei Prozent)
In der Prenzlauer Promenade alle Laternen bepflastert,was m.E. nicht erlaubt ist,denn nur jede zweite Laterne darf m.E. benutzt werden,und die Plakate der Mitbrwerber tifer gehangen.Das nenne ich fairen Wahlkampf ihr Brandt-Stifter.
Aber es wird nichts nutzen.
Marco Fechner
Aug. 18. 2011
F.D.P…. F.ast d.rei P.rozent
Bloss nicht von den Piraten versenken lassen…
Zugereister
Aug. 18. 2011
Auch auf der kommunalen Ebene stellt die Klientel-Partei unter Beweis, frei von jeder Sachkenntnis billigen Populismus zu betreiben.
„knöllchenschreiber“ = Beamte? Nein, Menschen mit Zeitverträgen, die sich jeden Tag üble Beleidigungen anhören müssen, weil andere etwas falsch machen.
Tobias Reinsch
Aug. 19. 2011
Richtig, die FDP ist eine Klientelpartei für die Menschen, die in unserem Land den Karren namens „Sozialmarktwirtschaft Deutschland“ jeden Tag mit ihrer Arbeit ziehen und mit ihren Steuern und Abgaben bezahlen: in Pankow, in Berlin, in Deutschland und sogar in Europa. Und ja wir sind die Partei der „Besserverdiener“: wir wollen das jeder mit Arbeit besser verdient!
Zugereister
Aug. 19. 2011
Das jeder mit Arbeit besser verdient? Das hören die vielen, die mit Geld vom Jobcenter ihre Hungerlöhne aufstocken müssen, damit sie an das Existenzminimum kommen, sicher gern.
Bart Simpson
Aug. 19. 2011
Mensch, Tobias! Bist du nicht der Typ, der Reinsch heißt?
Egel
Sep. 03. 2011
Wenn ich diese Plakate sehe, dann grault es mir!!!Schön versuchen die Bürger aufzuhetzen und somit Stimmen zu ergattern. Ich dachte die FDP macht Politik (oder auch nicht)!!Sie scheinen sich aber nicht mit diesem Thema befaßt zu haben, sonst wüßten Sie, dass nur für die Parkraumbewirtschaftung 90 Leute angestellt wurden und das nur für 2 Jahre befristet!! Alles andere wäre ja mal wieder zu teuer um die Ordnungskräfte auch für andere Aufgaben einzusetzen z.B Ruhestörung, Hundekurt, Nichtrauchergesetz, Radfahrkontrollen usw.! Die Schuld liegt nicht bei den Ordnungsämtern (die gerne mehr für Ihre Bürger/in machen würden), sondern an den Parteien die sich mit den Themen nicht ausseinandersetzen und nur auf Ihren Haushaltsplan schauen. Desweiteren sind die Mitarbeieter zu 99% keine Beamten!
Für mich hat diese Partei, mit diesen Plakaten, den absoluten Vogel abgeschoßen.
geranj
Sep. 03. 2011
Wenn sich die Damen und Herren von der FDP richtig mit dem Thema auseinandergesetzt hätten, wüssten sie, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zum einen keine Beamten sind und dass ihre eigenen Abgeordneten bzw. Partei dagegen sind, die Ordnungsbeamten zu entfristen.
Große Sprüche klopfen kann jeder aber wenn, dann wenigstens mit dem nötigen Hintergrundwissen.Schade, dass sie mit so billigen Plakaten auf Stimmenfang gehen müssen. Vortäuschen, dem Bürger mehr Sicherheit geben zu wollen, aber sich als Partei dagegen sperren.
Traurig!
Vielleicht wäre ein richtiger und wirklicher Einsatz für die Entfristung und die Erweiterung der Kompetenzen der Ordnungsamtsmitarbeiter angebrachter!Und ehrlicher…
Zugereister
Sep. 14. 2011
Bald könnte man Mitleid mit dieser erbärmlichen Randerscheinung der Parteienlandschaft haben. Die dokumentierte Ahnungslosigkeit im Schutz der Dunkelheit an parkende Autos zu heften, sieht nach Verzweiflungsaktionismus aus.