
Wieder in der Fröbelstraße:
Achim Bartsch, früher Kommunalpolitiker in Prenzlauer Berg, heute Mitglied der Piratenfraktion in der Pankower BVV
Er ist das Gegenteil des Klischees, das über die Piraten gemeinhin existiert: Achim Bartsch, Mitglied der Piratenfraktion in der Pankower BVV, ist mit seinen 62 Jahren nun wirklich nicht mehr ganz jung zu nennen, er ist kein Computer- oder IT-Spezialist und er hat – im Gegensatz zu seinen Parteikollegen – auch schon einige Erfahrungen in der Kommunalpolitik vorzuweisen. Die allerdings liegen schon mehr als zwanzig Jahre zurück.
„Anfang 1987“, erzählt Achim Bartsch, „kam jemand aus meiner Partei zu mir und fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, Stadtbezirksrat in Prenzlauer Berg zu werden.“
In der DDR wurden die wurden die kommunalpolitischen Ämter (und nicht nur die) nach einem vorgeschriebenen Schlüssel verteilt: Den größten Teil bekam die SED und ihre Organisationen, der Rest ging an die Blockparteien.
Achim Bartsch war damals Mitglied der LDPD (die nach dem Mauerfall in der FDP aufging) und arbeitete in einem staatlichen Ostberliner Außenhandelsbetrieb. Die angebotene Aufgabe reizte ihn und er sagte zu. Bartsch: „Danach durchlief ich dann sämtliche Bereiche meines zukünftigen Arbeitsgebietes.“ Und als Ende 1987 der bis dahin amtierende Stadtbezirksrat für stadttechnische Versorgung, Verkehr und Nachrichtenwesen in Pension ging, wurde Achim Bartsch dessen Nachfolger.
Fortan hatte er sich um die Versorgung der Prenzlauer Berger mit Heizmaterial zu kümmern; er war zuständig für die kleinen Fuhrunternehmen im Bezirk (einige von ihnen waren noch mit Pferden unterwegs), und wenn aus irgendwelchen Gründen mal ein Kesselwagen mit Asphalt für den Bezirk abfiel, war es an Achim Bartsch, auch eine entsprechende Zugmaschine aufzutreiben, die in der Lage war, den überschweren Hänger mit dem flüssigen Straßenbelag an jene Orte zu bringen an denen die Schlaglöcher am tiefsten waren.
Kurz nach der 1989er Grenzöffnung, als in Ostberlin nicht nur die Mauer, sondern auch die behördlichen Infrastruktur im Eiltempo zerbröselte, schickte ihn der neu ins Amt gekommene Bezirksbürgermeister Wolfgang Schulze auf Dienstreise in das kapitalistische Ausland: “Unsere Telefone gehen nicht mehr. Fahr doch mal rüber nach Kreuzberg und frag da mal nach, ob die uns irgendwie helfen können.” Die Kreuzberger waren nämlich gerade vom Rat der Bürgermeister zum Partnerbezirk von Prenzlauer Berg ausgerufen worden.
Also schloss Achim Bartsch schnell noch eine Kraftfahrzeug-Auslandsversicherung ab – Ordnung musste sein! – und machte sich dann auf den Weg in die Yorckstraße. Achim Bartsch: “Die Vorzimmerdame des Kreuzberger Bürgermeisters Günter König fiel aus allen Wolken, als ich als ich mich bei ihr vorstellte.”
Mit den Kommunalwahlen im Mai 1990 endete für Achim Bartsch seine Zeit als Prenzlauer Berger Kommunalpolitiker, wenig später trat er auch aus der FDP aus. Beruflich war er danach unter anderem als selbständiger Kaufmann tätig und arbeitet heute in einem Sanitätshaus.
Zu den Piraten ging er, weil er deren politische Positionen interessant fand: Bedingungsloses Grundeinkommen, Transparenz bei politischen Entscheidungen, Datenschutz, Achtung der grundrechtlich garantierten Privatsphäre…
Allerdings hatte er nicht wirklich damit gerechnet, dass er noch einmal in die Kommunalpolitik eintreten würde: “Der Erfolg bei den Wahlen hat uns ja selbst überrascht.”






