Funkhaus Prenzlauer Berg

Die Gäste, die Jenz Steiner zu seiner Sendung einlädt, müssen manchmal lange suchen. Im Hof des Hauses in der Lottumstraße steht ein massiver Bau, der eine Agentur, eine Medienproduktion und ähnlich kreatives Gewerbe beherbergt. Doch wer bis hierher gekommen ist, ist schon zu weit gegangen. Denn das Studio befindet sich im Vorderhaus. Genauer gesagt: Darunter.
Der Eingang befindet sich – von wucherndem Grün fast verdeckt – im Vorderhaus: Durch eine niedrige Tür führen steile Stufen direkt in einen Kelleraum, dessen Mobilar – ein paar Klappstühle, zwei sperrmüllreife Sessel, ein prähis-

prähistorischer Kühlschrank samt Kaffeemaschine obendrauf sowie zwei Tische – ausreicht, um die übersichtlichen zehn bis elf Quadratmeter leicht überladen wirken zu lassen. Dominiert wird das Ensemble von einem großen Röhrenmonitor, über dessen dazugehörigen PC die Signale ins Netz und von dort an die Sendetürme der Stadt weitergeleitet werden.
Das Kellerzimmerchen mit der anheimelnd niedrigen Decke dient als Sendezentrale, Warte- und Vorbereitungsraum für Moderatoren und als Garderobe.
Von ähnlich palastartigen Ausdehnungen ist das Studio im Raum nebenan. Der allerdings sollte von Menschen

mit auch nur leicht erhöhtem Bewegungsdrang unbedingt gemieden werden – zu groß wäre die Gefahr, zwischen Mischpulten, freiliegenden Kabeln und ausladenden Mikrofonständern irgendetwas zu berühren, anzustoßen, umzureißen und damit den gesamten Sendebetrieb lahmzulegen: Willkommen bei Pi Radio.
 

Pi Radio

Die Ursprünge von Pi Radio gehen wohl bis ins Jahr 1990 zurück, als sich eine Truppe um Feeling-B-Frontmann Aljoscha Rompe zusammenfand und von den Dächern von

Prenzlauer Berg – stets gejagt von Post und Polizei – Radio P“ auf Sendung ging.
Das „P“ stand dabei sowohl für Piratensender, als auch für Prenzlauer Berg. Heute soll das Pi – beziehungsweise π – für Radiopiloten stehen.
Hervorgegangen sind die Radiopiloten aus dem Verein Pi-Radio e.V., zu dem sich 1995 verschiedene Radioprojekte für die Gründung eines eigenen nichtkommerziellen Hörfunk-
sender in Berlin zusammenfanden.
Dabei beließen es die Rundfunkaktivisten offenbar nicht immer nur bei trockener Vereinsarbeit: Die Macher des Ende der neunziger Jahre funkenden Piratensenders mit dem

herrlichen Namen „Radio Westfernsehen“ kamen dem Vernehmen nach aus dem Umfeld des Vereins… .
Auch wenn es den Radiopiloten bisher noch nicht gelungen ist, ein eigenes, unabhängiges und nichtkommerzielles Kuturradio in Berlin zu etablieren, so sind sie auf dem Weg dahin schon ein ganzes Stück vorangekommen: Unter dem Dach der Medienanstalt Berlin-Brandenburg teilt sich Pi Radio die Frequenzen 88,4 und 90,7 MHz mit sechs weiteren Radioinitiativen und dem in ALEX umbenannten Offenen Kanal der Stadt.
Die Prenzlauer Berger sind dort dienstags und donnerstags von 20 Uhr bis zum nächsten Morgen um sechs auf Sendung.

Steiner wie er singt und lacht

steinerNatürlich nennen die Radiopiloten ihr Domizil nicht Funkhaus Prenzlauer Berg. „Funkhaus Prenzlauer Berg“ ist der Titel der Sendung von Jenz Steiner, die er bisher einmal im Monat auf Radio Pi moderierte.
Schon der Einstieg in die Sendung ist von ganz besonderer Art: „Funkhaus Prenzlauer Berg. Das Bühnenwunder Jenz Steiner. Der King vom Prenzlauer Berg.“ Jenz Steiner war und ist Publizist, Blogger, Sänger… – er selbst würde sich wohl vor allem als Hiphopper bezeichnen.
Was wohl auch stimmt. Auch.
Über seinen Werdegang hat er in einem Interview mit dem Ecoluddit berichtet.

Als er die Sendung angeboten bekam, sollte das dann eigentlich eine reine Hiphopveranstaltung werden. Doch irgendwie schien das auf die Dauer eintönig zu werden.
Also lud er schon bald Nachwuchsbands anderer Musikrichtungen zum Talk ein – wie im August Toro Camino aus Weißensee. Dazwischen „gemafreie“ Musik, bei der man sich zuweilen wundert, warum sie nicht schon längst einen viel größeren Bekanntheitsgrad erreicht hat. Aber dann wäre sie wohl auch nicht mehr gemafrei…

Die Gesprächinhalte sind vielfältig – Steiner redet über alles, was im eben gerade so wichtig erscheint.

Manches aber erscheint dem Außenstehenden dann doch etwas … nun ja … überraschend – zum Beispiel, wenn er darüber sinniert, warum offenbar im Norden des Großbezirks Pankow ein anderer Sound produziert wird, als in Prenzlauer Berg. Da geht es einem wie bei Steiners Musik – man weiß nicht immer so genau, ob er es noch ganz ernst meint, oder ob sich da nicht auch schon eine feine Ironie die Bahn bricht.
Immerhin heißt seine aktuelle CD „Steiner wie er singt und lacht“.
Den Zuhörern gefällts – und so ist „Funkhaus Prenzlauer Berg“ ab sofort alle zwei Wochen zu hören. Schon heute, Dienstag, kann man wieder ab 22.30 Uhr auf 88,4 MHz dem Bühnenwunder und seinen Gästen lauschen. Und wer es verpassen sollte, für den hält Jenz Steiner zeitnah einen Mitschnitt auf seiner Homepage bereit.

 


 



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