Baumfäll-Alarm in der Raumerstraße

Der Anruf kam am frühen Nachmittag: Eine Anwohnerin der Raumerstraße berichtete aufgeregt: „Hier werden Bäume gefällt!“ Dem einen Anruf folgten weitere.
„Hier“ – das ist die Kreuzung Raumer-/ Ecke Senefelder- straße, an der die Berliner Wasserbetriebe derzeit die Rohrleitungen erneuern. Ein Baumstumpf ragt direkt neben dem mexikanischen Restaurant „Girasol“ in die Luft, drei wohl noch zur Fällung vorgesehene Bäume sind mit roten Kreuzen markiert. Eine Passantin berichtet über verbale Auseinandersetzungen zwischen Baumfällern und Anwohnern. Offensichtlich wurden die Bürger über das Sägevorhaben nicht informiert.

Nach Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes dürfen zwischen dem 1. März und dem 31. September eigentlich gar keine Bäume gefällt werden – nicht zuletzt deshalb, weil sie als Nistplätze für allerlei Vögel dienen. Allerdings sieht das Gesetz umfangreiche Ausnahmen vor: Etwa, wenn Bäume Baumaßnahmen behindern oder wenn Behörden eine Erlaubnis zur Abholzung erteilen. In Pankow werden genehmigte Fällungen vorab in einer Baumfälliste des Bezirkes bekanntgegeben. Damit die Bürger vorab Bescheid wissen.

Zuständig für das Straßengrün ist das Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt des Bezirksamtes. Dessen Leiter Peter Lexen bestätigt gegenüber der Prenzlberger Stimme,

dass eine Genehmigung zur Fällung von vier Bäumen an der Kreuzung Raumer-/ Ecke Senefelderstraße erteilt wurde. Allerdings: „Die aktuelle Baumfällliste wurde am 23. Mai erstellt, die Erlaubnis zum Abholzen ist erst am 24. Mai erteilt worden.“ Deshalb habe man die Bäume nicht mehr in die Liste aufnehmen können. „Wir haben aber vor der Genehmigung kontrolliert, ob sich Nistplätze in den Baumkronen befinden.“ Es seien keine vorhanden gewesen.
Der Antrag zur Fällung der vier Bäume, so Peter Lexen weiter, sei von den Berliner Wasserbetrieben sehr kurzfristig gestellt worden. Hätte man die Fällung erst nach der Veröffentlichung der nächsten, Ende Juni erscheinenden Liste gestattet, wäre es zu einer mehrwöchigen Verzögerung der Arbeiten gekommen. „Da hat sich die zuständige Mitarbeiterin nicht getraut, die Sache bis nach der Veröffentlichung der Juni-Liste aufzuschieben.“ Allerdings hätte er sich gewünscht, dass bei der Kulanz, die man von bezirklicher Seite habe walten lassen, die Wasserbetriebe die Information der Bürger selbst in die Hand genommen hätten.


 

Nachtrag:

So schnell das Bezirksamt den den Abholzern zur Hand gegangen ist – so schleppend erfolgt die Information der Bürger: Die Baumfällliste vom Mai – wiewohl schon seit dem 23. Mai fertiggestellt – wurde vom Bezirk noch immer nicht online gestellt. Desthalb gibt es sie hier zum downloaden.

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5 Kommentare zu “Baumfäll-Alarm in der Raumerstraße”

  1. Eric Sturm

    Juni 04. 2012

    Der erste, heute gefällte Baum (siehe oben) befand sich direkt vor den Fenstern unserer Wohnung. Innerhalb von einer Stunde wurde das mächtige grüne Dach zu Gartenabfall verarbeitet. Traurig.

    Als Anwohner und damit unmittelbar Betroffene fragen wir uns:

    # Wie wird in Berlin festgelegt, ob eine Fällung notwendig ist? Sind hier Experten am Werk oder wird darüber per Handstreich im Amtszimmer entschieden?
    # Gibt es keine Alternativen zu den Fällungen? Oder ist es schlicht die billigste Lösung für die Wasserbetriebe?
    # Wie viele Bäume werden tatsächlich als Ausgleich für die betroffenen Anwohner gepflanzt?
    # Warum werden bei solchen Aktionen, die die unmittelbare Umwelt betreffen, die Anwohner nicht informiert?
    # Dürfen die Bauleiter, die vor Ort die Fällung durchführen, sich weigern, ihren Namen zu nennen und die Fäll-Genehmigung zu zeigen?
    # Warum muss eine Baumfäll-Genehmigung nicht wie bei einer Baugenehmigung vor Ort ausgehängt werden?

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  2. Katharina Höhnk

    Juni 04. 2012

    Im Jahr 2011 wurden 2000 Bäume in Berlin gefällt.
    Das geht 2012 gleich weiter. Diese Hauruck-Aktion ist der beste Beweis für ein Berliner Geschmäckle. Da arbeitet eine Behörde mit einem Unternehmen, das u.a. dem Land gehört, mal wieder sehr eng zusammmen. Ein Persilschein muss her für alle Ausnahmtatbestände, die das Gesetz hergibt.
    Meine Frage sind: Für wie viele Bäume haben die Berliner Wasserbetriebe eine Fällgenehmigung im Jahr 2011 eingeholt? Landet die Ausgleichszahlung mal wieder im Berliner Stadtsäckle, sprich in dem Loch der Verwaltung? Wie viel Bäume wurden zum Ausgleich gepflanzt und an welcher Stelle? Am Stadtrand etwa, wo die Berliner Werwaltungsleiter schnaufen?
    Und eine kurze persönliche Einschätzung zur Überprüfung der Nistplätze: Haha, gut gelacht. Der Baum geht in den 4. Stock und sie haben das von der Straße valide überprüft? Diese Stadt kann so schlampig sein.

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    • D. Müller

      Juni 05. 2012

      Liebe Katharina,

      ich kann Dir nur aus vollstem Herzen zustimmen!

      Genauso ist es!

      Liebe Grüße
      Daniela

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  3. D. Müller

    Juni 05. 2012

    Ich bin einfach nur noch traurig. Das bisschen Grün hier in dieser tristen Stadt wird dann auch noch sinnlos niedergemetzelt!

    Aber was soll man von einer Stadt erwarten, die es nicht einmal geregelt bekommt, einen Flughafen pünktlich zu eröffnen?

    Man sollte einen Hollywood-Streifen drehen mit dem passenden Namen: „Gesegnet sind die Bekloppten, denn sie brauchen keinen Hammer mehr!“

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  4. Katharina

    Juni 05. 2012

    Vielen Dank, Daniela. 🙂
    Ich habe jetzt viel telefoniert. Mir wurde der Genehmigungsbescheid zugesendet. Herr Kölm vom Umwelt und Naturschutzamt Pankow hat sich ausgiebig Zeit genommen und mir alle Details erklärt. Die Berliner Wasserbetriebe haben sich auch bemüht, sich sogar für die Unfreundlichkeit ihrer Mitarbeiter vor Ort entschuldigt.

    Es bleiben weiter Fragen, z. B. wie viel Bäume werden anlässlich der Bauarbeiten von Vattenfall und der Berliner Wasserbetriebe gefällt und gibt es eine alternative Methode, die ohne Baumfällungen auskommt.

    Mein Kritik bleibt. Anwohner müssen vorab informiert werden. Uns fehlen hier vier Sauerstoff-Produzenten und Helfer bei der notorischen Feinstaub-Problematik.

    Was wir alle, die wir hier wohnen, nun noch tun können ist eines: Darauf drängen, dass Bäume nachgepflanzt werden und zwar hier bei uns. Das ist nicht sicher. Zuständig ist Herr Schläger. Hier die Kontaktdaten:

    Bezirksamt Pankow von Berlin
    Abteilung Stadtentwicklung
    Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt
    Bereich Planen, Bauen und Pflegen, Grün
    Leitung: Walter Schläger
    Fröbelstraße 17
    10405 Berlin
    Tel.: 030 90295-6448
    Fax: 030 90295-6216
    E-Mail: schlaeger@ba-pankow.verwalt-berlin.de

    Ich würde sagen: freundlich und bestimmt dranbleiben.

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