Ein Jahr – genauer gesagt, ein Schuljahr – soll es den Schülerladen “Komet” noch geben, danach werden die Jalousien an der Templiner/ Ecke Zionskirchstraße wohl auf Dauer geschlossen bleiben. Es sei denn, der Bezirk revidiert seine Entscheidung, die Mietkosten für den Laden nicht mehr zu tragen.
“Komet” wurde 2003 von Eltern gegründet, deren Kinder in der Schule am Teutoburger Platz keinen Hortplatz erhalten konnten. Sen dreißig Grundschülern der Klassen 1 bis 4 stehen für die Zeit nach dem Unterricht fünf Räume zur Verfügung. Für Hausaufgaben, spielen, lesen. Es gibt eine Fußball- und eine Theater-AG, es wird gemalt – und Ausstellungen der Werke der dann entstandenen Kunstwerke werden auch organisiert. Betreut werden die Kinder in der Regel von zwei Erzieherinnen und einem Erzieher – und da
der Unterricht wegen der Sanierung des Schulgebäudes in der Templiner Straße derzeit in der Danziger Straße stattfindet, hat der Verein bis zum Ende des Provisoriums noch eine weitere Kraft eingestellt – um die Sicherheit der Kinder auf dem Weg von der Schule zu ihren Kinderladen zu gewährleisten.
Bezirksamt: Ausreichend Hortplätze vorhanden
Doch wenn die Schule am Teute mit Beginn des neuen Schuljahres wieder öffnet, ist nicht nur der angejahrte Plattenbau nach modernsten Kriterien auf Vordermann gebracht, sondern auch um einen Anbau erweitert worden. Und der soll sowohl den gestiegenen Platzbedarf für den Unterricht, als auch ausreichend Räume für die Hortbetreuung aller Kinder der Schule bieten. Neben den vorerst knapp 160 Jungen und Mädchen, die derzeit den schuleigenen Hort besuchen, dann eben auch die 30 Kindern aus dem Schülerladen.
Denn Zielstellung des Senates ist es, die nachunterrichtliche Betreuung möglichst in der Schule selbst gewährleisten.
So ist denn auch in der Rahmenvereinbarung, die das Land mit den Dachverbänden der freien Trägern der Jungendhilfe abgeschlossen hat, festgeschrieben, dass den freien Trägern Räume in den Schulen zur Verfügung gestellt werden sollen und eigene oder angemietete Räume der Oräger nur dann finanziert werden, wenn in den Schulen geeignete Räumlichkeiten nicht oder in nicht ausreichendem Maße vorhanden sind.
Darauf berief sich auch die Stadträtin für Soziales, Gesund-
heit, Schule und Sport Lioba Zürn-Kasztantowicz, als ihr in der vergangenen Woche Vertreter des Schülerladenvereins 585 Unterschriften für den Erhalt der Einrichtung übergaben.
Zwar finde sie das pädagogische Konzept von „Komet“ hervorragend, so die Bezirksstadträtin, doch könne sie es dem Senat nicht plausibel machen, dass Mittel für Räume ausgegeben werden, wenn in der für viel Geld ausgebauten Schule geeignete Räumlichkeiten vorhanden seien.
Überraschend kam die Ankündigung des Auslaufens der Mietkostenübernahme für den Schülerladen nicht. „In der
Teutoburger Platz angedacht, dass die ergänzende Betreuung in den Räumen der Schule stattfindet,“ hieß es bereits im Mai 2008 in einer Antwort des Bezirksamtes Perspektive ist im Rahmen der Sanierung der Grundschule am
auf eine Kleine Anfrage der bündnisgrünen Bezirksverordneten Stefanie Remlinger. „Darauf sollten die Eltern bereits bei Vertragsabschluss hingewiesen werden.“
Misstrauen gegenüber bezirklichen Schätzungen
Einen Umzug in die Schule lehnen aber die Komet-Eltern ab. „Unser seit fast zehn Jahren andeuernde erfolgreiche päda-
gogische Arbeit lässt sich in den dort vorhandenen Räumen nicht umsetzen,“ erklärte Verena Veihl von Komet e.V. Außerdem bezweifeln die Eltern, dass mit wachsenden Schülerzahlen der Platzbedarf auf Dauer gedeckt werden kann.
Das Misstrauen gegenüber den bezirklichen Einschätzungen ist durchaus berechtigt: 2003 eröffnete auf dem Gelände der ehmaligen Schule in der Senefelderstraße das mit Millionenbeträgen errichtete Kinder- und Jugendkulturzentrum Eliashof. Geschlossen wurde die Schule seinerzeit, weil die Prognosen des Bezirksamtes eine auf Dauer sinkende Schülerzahlen vorhersahen. Tatsächlich aber stiegen die Schülerzahlen beträchtlich und der Eliashof wurde wieder hektisch wieder zur Schule umgebaut.
Die Eltern der Komet-Kinder wollen trotz der eingestellten Mietzuschüsse den Schülerladen weiter erhalten. Verena Veihl: „Der Verein wird dafür auf seine Rücklagen zurückgreifen – doch in einem Jahr werden die dann wohl aufgebraucht sein.“ Bis dahin hoffen sie auf ein Einsehen des Bezirkes – oder aber auf eine Möglichkeit, die Finanzierung auf andere Weise zu sichern.



