Was in dem zugelöteten Metallquader nun wirklich enthalten ist, war nicht herauszufinden. Ingo Woesner erzählte etwas von einem Brot und anderen Dingen, die man bei einer wie auch immer gearteten Katastrophe zum Überleben benötigt.
So gesehen dürften er und sein Bruder Ralph ausgemachte Optimisten sein, die nicht wirklich an einen Weltuntergang glauben.
Denn die angebliche Survival-Kiste war der Grundstein für das künftige Komödientheaters der Woesner-Brothers auf dem Pfefferberg – und der wurde nach dem Versenken in das Fundament mit reichlich Beton überschüttet.
Das Theater wird auf dem Areal der alten Schankhalle der ehemaligen Brauerei Pfeffer entstehen.
Die Halle war die letzte Ruine auf dem Pfefferberg. Sie wurde 2008 vom Sozialunternehmen VIA gGmbH erworben, das auf dem Pfefferberg bereits das Hostel Pfefferbett und ein Apartmenthaus in der Choriner Straße betreibt.
Erfolgreicher Versuch – abruptes Ende
Das VIA-Management war es auch, das Ralph und Ingo Woesner – nachdem sie bereits seit 2005 ihren jährlichen Theatersommer auf einer Freilichtbühne am Kollwitzplatz veranstalteten – Anfang 2009 auf den Pfefferberg holte. Dort hatten die Zwillingsbrüder in einer Garage am Eingang
Christinenstraße ihr Komödientheater eingerichtet. Zwei, drei Spielzeiten lang sollte dort eine Art “Probelauf” absolviert werden – würde das Theater funktionieren, sollte der Umzug in die dann sanierte und theatergerecht umgebaute Schankhalle erfolgen.
Der Erfolg kam prompt – doch die Räumlichkeit musste alsbald schon wieder geräumt werden: Im Juli 2009 erteilte das Bezirksamt einen Vorbescheid für zwei Neubauten an der Pfefferberg-Einfahrt, für deren Errichtung auch die alte Theatergarage weichen musste. Ende April 2010 fiel dort der letzte Vorhang.
Nun war eigentlich Eile geboten, um die neue Spielstätte herzurichten. Doch an der – denkmalsgeschützten – Ruine war nichts mehr umzubauen: Deren desolater Zustand ließ zum Abriss keine Alternative. Folgerichtig stellte das Bezirksamt in einem Bauvorbescheid für das Schankhallen-Theater auch eine Abrissgenehmigung „in Aussicht“. Allerdings mit Auflagen: Das neu zu errichtende Gebäude sollte sich in Form und Maße an der historischen Halle orientieren. Was harmlos klang, zog einen kraft-, zeit- und nervenraubenden Kampf mit den Denkmalsschutzbehörden von Bezirk und Land nach sich.
Zwischenspiel als Filmproduzenten
Weil Frust sich offenbar am besten mit – kreativer – Arbeit bekämpfen lässt, nutzten die Woesners die theaterfreie Zeit für die Verwirklichung einer anderen Idee: Die Verfilmung ihrer
herrlichen Polit-Klamotte „Erichs Rückkehr“. Hauptdarsteller: Selbstgefertigte Gummipuppen. Der Streifen soll wohl in diesem Jahr zur Uraufführung kommen – also noch vor der Fertigstellung des Theaters.
Die Erfahrung mit dieser Filmarbeit soll nicht ohne Folgen bleiben: Neben Theaterinszenierungen wird es in der neuen Halle auch Puppenspiel und Filmvorführungen geben.
Von all den Frustrationen war bei der Grundsteinlegung natürlich nicht mehr die Rede, schließlich war man man ja zu guter Letzt zu einem für alle zufriedenstellenden Ergebnis gekommen: Bau wird der alten Schankhalle nicht unähnlich sein – und dennoch die nötige Größe erhalten, die einen wirtschaftlichen Theaterbetrieb
ermöglicht. Beim Abriss geborgene originale Bauelemente werden nach einer Aufarbeitung in den Neubau integriert werden. Neben Bühne und Theatersaal wird es ein Restaurant samt einer Minibrauerei und einen Seminarraum geben, ebenso Künstlergarderoben – und natürlich Platz für die notwendige Technik.
Im Zusammenwirken mit der VIA gGmbH werden mit der Eröffnung des Hauses dreizehn Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen, die dann im Theater und im Restaurant tätig sein werden.
Bis dahin wird allerdings noch ein wenig Bauzeit vergehen. Doch: Der Grundstein ist nun gelegt.
Weitere Artikel zum Thema:
Letzte Klappe für Erich
Keine Torte für den Pfefferberg













