Lange Schlange – großes Kino

001„Gibt’s Bananen?“ Der Anblick der langen Menschenschlange vor dem ehemaligen Stummfilmkino Delphi an der Gustav-Adolf-Straße/ Ecke Caligariplatz ließ bei manchem Alteingessessenen nostalgische Erinnerungen aufkommen.
Aber nein, wegen der krummen gelben Südfrucht würde sich heute niemand mehr anstellen – all die dort geduldig Wartenden waren geladene Gäste des Neujahrsempfang von Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung.
Der Eingang zu dem als Veranstaltungsort gewählten Etablissement war allerdings ziemlich schmal – und das Foyer des alten Lichtspieltheaters von einer seltenen Enge, so

002dass die Neujahrsempfangenen nur Schubweise eingelassen werden konnten.

Dort gab’s dann für jeden ein Namensschildchen, danach ging es über eine kleine, nach unten führende Treppe zur Garderobe.
Enge und Gedränge auch dort.
Umso größer dann das Erstaunen beim Betreten des alten Kinosaals. Der ist von einer Größe, wie man ihn von außen nicht vermutet hätte.
Rund 800 Besucher fassten Zuschauerraum und Rang des 1929 erbauten Lichtspielhauses. Tonfilm gab es damals noch nicht, also das, was sich auf der Leinwand abspielte, mit

003Musik untermalt. „Live“, wie man heute sage würde. Im heute noch vorhandenen Orchestergraben konnten dreizehn Musiker Platz finden.
Das alte Lichtspielhaus war noch bis 1959 in Betrieb, dann wurde es wegen Baufälligkeit gesperrt. Eine Anfang der 1960er Jahre geplante Renovierung fiel aus, ebenso wie der danach vorgesehene Abriss. Lange Zeit diente das Gebäude als Lagerraum für die Reinigungsfirma REWATEX und für die DDR-Zivilverteidigung.

005Danach gammelte das auf der Landesdenkmalliste stehende Gebäude weiter vor sich hin.
Im Jahr 2007 erwarb es der Geschäftsmann Andreas Jahn bei einer Zwangsversteigerung. Er erneuerte die sanitären Anlagen, beließ das alte Kino aber sonst den Originalzustand. Seit einiger Zeit wird es als Veranstaltungsort für Varieté-
vorstellungen, Partys und ähnlichem genutzt.
Andreas Jahn will die behutsame Sanierung des Kinodenkmals fortführen. Aber das kostst Geld – ohne dass es hinterher unbedingt wieder etwas einbringt. Also lud er in seiner Begrüßungsrede mögliche künftige Freunde des Delphi ein, es ihm gleich zu tun und sich ohne Blick auf Rendite an der weiteren Sanierung des Hauses zu beteiligen.
006Wie in jedem Jahr, so wurde auch diesmal wieder ein „Neu-Pankower“ im Bezirks begrüßt – stellvertretnd für all jene, die in den vergangenen zwölf Monaten die deutsche Staatsbürgershaft erhalten hatten.

Professor Robert Malcolm Errington war britischer Staatsbürger und kam bereits 1973 nach Deutschland. Er lehrte bis zu seiner Emeritierung Alte Geschichte an der Philipps-Universität Marburg. Auf die Idee, Deutscher zu werden, erklärte der aus Nordirland stammende Professor, sei er aber erst gekommen, seitdem er in Pankow, der „heimlichen Hauptstadt der Hauptstadt“ wohne. Bürgermeister Matthias Köhne strahlte übers ganze Gesicht…

007Ebenfalls Tradition auf den Pankower Neujahrsempfängen ist die launige Grußansprache von Janusz Gromek, Bürger-
meister von Pankows polnischen Partnerstadt Kołobrzeg. Gromek erinnerte daran, dass die Partnerschaft seit nunmehr achtzehn Jahren bestehe und somit volljährig sei. da könne man nun vielmehr miteiander unternehme. Außerdem sollte man sich immer mal wieder daran erinnern, dass Kołobrzeg auch das alte Kolberg sei und nur rund dreieinhalb Autostunden von Berlin entfernt liege. Knapper kann man eine Einladung für den nächsten Ostseeurlaub kaum aussprechen…

Wie in jedem Jahr, so lag die Organisation des Festes auch diesmal wieder in den Händen der Auszubildenden des Bezirksamts Pankow. Und das abschließende Gruppenbild mit Bürgermeister scheint langsam auch zu einer Tradition heranzuwachsen. Eingeführt hatte die übrigens Prenzlberger-Stimme-Fotograf Dirk Grabowski beim Neujahrsempfang von 2011.
 
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  1. Neueste Ostsee Urlaub NachrichtenOstsee-Reisen | Ostsee-Reisen - 22. Januar 2013

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