Eine Angelegenheit ist ein Wunder…. – wenn man sich darüber wundert.
Und so grenzt es wohl auch für Reinhard Assmann vom Ökumenischen Arbeitskreis Prenzlauer Berg an ein Wunder, welchen Zuspruch die Filmreihe “Glaube und Kirche in DDR-Filmen” findet, die vom Arbeitskreis in der “UCI KINOWELT Colosseum” veranstaltet wird.
Eine eigentlich geplante Vorab-Pressemitteilung für den zweiten Film der Reihe wurde gar nicht mehr herausgegeben, denn der der Große Saal mit seinen 525 Plätzen war schon eine Woche vor der Veranstaltung hoffnungslos ausgebucht – über einhundert Interessenten musste abgesagt werden.
Diesmal stand “Ein irrer Duft von frischem Heu” auf dem Programm, eine die Komödie einem Theaterstück von Rudi Strahl, der auch das Szenarium für den Film schrieb.
Die Geschichte – angesiedelt in einem mecklenburgischen Dorf – ist schnell umrissen: Angelika Unglaube, eine junge Abgesandte der SED-Bezirksleitung soll im Dörfchen Trutzlaff Gerüchten nachgehen, nach denen – ausgerechnet! – Mattes, der Partei-
sekretär des Ortes, das “Zweite Gesicht” haben und allerlei Wunder vollbringen soll.
Doch die Partei ist nicht die einzige Institution, die sich an den angeblichen Wundern stört. Auch Pfarrer Himmelsknecht, dem Dorfgeistlichen von Trutzlaff, gehen die “Wundertaten” des Genossen M. gehörig auf den Keks.
Und während die Junggenossin Material zum parteifernen Verhal-
ten von Mattes sammelt und der Pastor gegen das heidnische Hokuspokus wettert, erscheint ein Abgesandter des Vatikans, um die vollbrachten “Wunder” einer Überprüfung zu unterziehen…
Gäste der Gesprächsrunde nach der Filmvorführung waren die Hauptdarstellerin Ursula Werner und der Theologe Gerhard Thomas.
Letzterer war in jungen Jahren Dorfpfarrer in der Nähe von Schwerin. So heiter wie im Film, erzählte er, habe er das Leben auf dem Dorf nicht in Erinnerung. Allerdings sei er auch zu einer anderen Zeit dort gewesen – Ende der fünfziger Jahre, als die Zwangskollektivierung der Bauern ihrem Höhepunkt entgegenging
Ursula Werner, die in Prenzlauer Berg aufwuchs, erzählte von einem Onkel von ihr, der in keine LPG eintrete wollte und deshalb in den Westen ging.
Die Schauspielerin berichtete von die Dreharbeiten in einem kleinen Dorf in der Nähe von Greifswald. Extra Kulissen, so
erinnerte sie sich, habe man eigentlich kaum benötigt: Auf den Dörfern sah es zu DDR-Zeiten tatsächlich immer ein wenig so aus, als wäre die Zeit stehengeblieben.
Befragt nach dem, was er für ein Wunder halte, bekannte Gerhard Thomas, dass die unblutige Revolution in der DDR für ihn nach wie vor das größte Wunder sei, das er erlebt habe.
Bei Ursula Werner nahm sich das Wundern ganz persönlich aus: „Das ich meinen Weg gehen konnte, dass ich diesen Film und viele andere drehen konnte, und dass ich schließlich hier heute vor Ihnen stehen kann, das ist das größte Wunder überhaupt.“

Weitere Filme und Termine von “Glaube und Kirche in DDR-Filmen”
20. März 2013, 20 Uhr: Martin Luther
DDR 1983, 89 Min., Spielfilm in fünf Teilen, Regie: Kurt Veth
Teil 4. Hier stehe ich…
17. April 2013, 20 Uhr: Thomas Müntzer
DDR 1956, 134 Min., Regie: Martin Hellberg
26. Mai 2013, 17 Uhr (Familienvorstellung): Die Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche
DDR/BRD 1967, 94 Min., Regie: Werner Jacobs
Nach dem gleichnamigen Roman von Ehm Welk
Weitere Artikel zum Thema:
Im Colosseum: DEFA, Kirche, Christen





