Julia war ein Mann!

romeoDie Geschichte muss neu geschrieben werden – also: Die Geschichte von Romeo und Julia.

Korrekter gesagt: Sie wurde bereits neu geschrieben.

Während William Shakespeare den Leuten weismachen wollte, dass Romeo (männlich) eine gewisse Julia (weiblich) als einzige Frau in seinem Leben ebenso heimlich wie wie exzessiv liebte, Julia (weiblich) aber einem gewissen Paris (männlich) versprochen war… – stellt sich nun heraus: Romeo (immernoch männlich) verliebte sich seinerzeit dauernd in irgendwelche Frauenzimmer, ohne aber irgendwie zum Schuss zu kommen.

Julia (weiblich) hingegen gabs überhaupt nicht – stattdessen hatten die Capulets bloß einen Sohn namens Julius (männlich), auf den eine alternde, aber notgeile Gräfin Paris (weiblich) ihr lüsternes Auge geworfen hatte – und die dessen klamme Eltern mittels Aussicht auf großzügige Zahlungen dazu brachte, ihr den im Teenageralter befindlichen Julius zum Ehemann zu versprechen.

002Um sich dem zu entziehen, schlüpfte Julius in Frauenkleider.
In dieser Verkleidung begegnete er Romeo, der sich natürlich sofort unsterblich in sie bzw. ihn verknallte. Und die Situation wurde nicht entspannter, als sich herausstellte, dass Männer in Frauenkleidern die Gräfin Paris besonders antörnten…

Dass Mercutio eigentlich schwul und sowieso hinter Romeo her war, hatte man ja schon immer geahnt – dass ihn allerdings die Amme erst mit Wein abfüllte, um hernach den so willenlos Gemachten ins Bett zu zerren…

Immerhin nimmt die Geschichte – so, wie sie von den Brüdern Ingo und Ralph Woesner historisch korrekt auf die Bühne gebracht wurde – ein in jeder Hinsicht befriedigendes Ende: Pater Lorenzo ehelicht die Gräfin Pariser, Romeo steigt mit der Amme in die Kiste (oder war’s umgekehrt?) und selbst bei Julius‘ betagten Eltern regt sich wieder was…

Mit einer witzigen Klamotte im Stile der Commedia dell’arte eröffneten die Woesner-Brothers am Freitag ihr Sommertheater auf dem Pfefferberg.
 

Kommödienthetaer wird im September eröffnet

003Gezimmert, gehämmert und gebaut wurde an der rund 150 Plätze fassenden kleinen Freilichtbühne auf dem Pfefferberg-Areal noch bis kurz vor Beginn der Premiere, aber natürlich wurde alles noch rechtzeitig fertig.

Ganz im Plan liegt auch der Ausbau des neben der Sommerbühne befindlichen Kommödientheaters.

Auf dem Grundstück der alten Schankhalle, die nach Kriegszerstörung und mehr als sechzigjährigem Dahinrotten nicht mehr zu restaurieren war – entstand in den vergangenen vierzehn Monaten ein Neubau, der sich eng an die Gestalt des einstigen Brauereiausschanks anlehnt, zugleich jedoch den Wünschen der Erbauer und künftigen Nutzer entspricht: Mit Theater (das auch als Kino genutzt werden soll), einem Restaurant mit eigener Hausbrauerei und einem Seminar- und Tagungszentrum.

Schankhallenruine (Januar 2011)

Schankhallenruine (Januar 2011)

Eigentümer des Gundstücks ist die „Verbund für Integrative Angebote Berlin gGmbH“ (VIA), ein sozialwirtschaftliches Unternehmen, das Dienstleistungen für gesellschaftlich benachteiligte Menschen anbietet.
Die VIA hatte vor sechs, sieben, Jahren angedacht, die Schankhalle zu erwerben und dort einen Gastronomiebetrieb zu errichten. Betrieben werden sollte das Restaurant von Menschen mit Behinderungen, die dort einen dauerhaften Arbeitsplatz erhalten.

Auch die Woesner-Brüder, die seit 2005 auf dem Kollwitzplatz den Theatersommer organisierten, hatten ein Auge auf die Ruine geworfen. Als feste Spielstätte sollte sie der Compagni auch an nassen und kalten Tagen die Möglichkeit zum Theaterspielen geben.

004VIA und die Woesner-Brothers fanden zusammen und entwickelten ein Konzept, in dem sowohl Theater und Film, als auch die besondere Gastronomieeinrichtung ihren Platz fand.

Probleme gab es dann mit dem Denkmalschutz. Als sich schließlich herausstellte, dass die Gemäuerreste nicht mehr zu retten waren, wurde nach langwierigen Verhandlungen schließlich ein Grundriss genehmigt, der – den Bedürfnissen des Theaters angepasst – etwas vom historischen Schnitt abweicht.

Doch das ist längst Geschichte.

Am 16. September wird das Haus eröffnet – und bis dahin wird gleich nebenan kräftig Theater gemacht. Neben „Romeo und Julia“ kommt das Stück „Amphitryons Albtraum“ zur Aufführung. Premiere ist am Dienstag, dem 2. Juli.
 

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Und hier gehts zur Seite mit dem Programm und den Ticketbestellungen ===>

 

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