Irgendwie gehörte sie längst dazu, war fast schon eine Art Markenzeichen des Arnimplatzes geworden: Rattus norvegicus, die Wanderratte.
Schon vor Jahren hatten ganze Heerscharen des Schad-
nagers den Platz in Besitz genommen. Die Tierchen spazierten ungeniert am hellerlichten Tage zwischen Bäumen und Bänken herum und vergällten nicht wenigen Platzbesuchern die Lust am Wandeln durch den kleinen Park.
Immer mal wieder waren die Ratten vom Arnimplatz auch Thema der Berliner Boulevard-Presse und Hobby-Tierfilmer konnten hier auch ohne eine Reise in die afrikanische Savanne in freier Wildbahn lebende Gruseltiere vor die Linse bekommen. Selbst in der Literatur fanden haarigen Gesellen Erwähnung – etwa in „Ich mache mir Sorgen, Mama“ von Wladimir Kaminer aus dem Jahr 2002.
Klar, dass irgendwann auch die Bezirkspolitik auf den ungeliebten Freilandzoo aufmerksam wurde. Seit September 2012 sah sich das Bezirksamt immer mal wieder mit Kleinen Anfragen aus der Bezirksverordnetenversammlung konfrontiert. Die aktuellste wurde am 8. August 2013 beantwortet. Unter anderem wird dort ausgeführt:
„Das Gesundheitsamt hat ab November 2004 mit den Berliner Wasserbetriebeneine Langzeitbekämpfung abgestimmt die z. Zt. noch läuft. “
Und tatsächlich konnte Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner dem BVV-Ausschuss für Stadtentwicklung und Grünanlagen nun mitteilen, dass die Rattenpopulation auf dem Arnimplatz erfolgreich bekämpft wurde. Eine gemeinsame Begehung des Platzes mit Vertretern des Umweltbundesamtes habe dies bestätigt.
Und er nannte auch den Grund für den nach neun Jahren vergeblichen Tuns nun so plötzlich errungenen Erfolges: Die für Kanäle und Schächte unter dem Arnimplatz zuständigen Institutionen (Wasserbetriebe etc.) und die für die oberirdische Bekämpfung verantwortlichen Stellen des Bezirksamts hätten ihre Giftköder diesmal zu selben Zeit ausgelegt.
Das geschah allerdings nicht auf Grund einer Absprache, sondern habe sich rein zufällig so ergeben.
So konnte Stadtrat Kirchner dem Ausschuss freudig nun berichten:
„Die (unbewusst angewandte) Strategie der gemeinsamen, also gleichzeitigen Bekämpfung in der Fläche, im Boden, in den Kanälen und Schächten und die regelmäßige Müllentsorgung ist die richtige Strategie.“
„Unbewusst angewandte Strategie“… – da muss man auch erst mal drauf kommen.




Markus
Sep. 03. 2013
Unbewusst angewandte Strategie- das wird sicher zum Klassiker politischer Theorie.
Die Links im Text zu den Kleinen Anfragen funktionieren nicht, da sie auf tmp-Seiten im Angebot des Bezirksamts verweisen. Der Übersichtlichkeit halber hier ein Link zur letzten Anfrage: http://www.spd-falkplatz-arnimplatz.de/index.php?nr=9089&menu=1. Die beiden anderen Kleinen Anfragen sind dort auch verlinkt.