Das Flüchtlingsheim in der Mühlenstraße ist eröffnet. Bis Freitagabend hatten etwa 180 der 220 erwarteten Bewohner ihr neues Quartier bezogen.
Empfangen wurden die Flüchtlinge aus Serbien, Tschetsche-
nien, Syrien und Afghanistan, die zuvor in der Erstaufnahme-
einrichtung Motardstraße im Bezirk Spandau untergebracht waren, von Angehörigen eines aus rund 90 Pankowern bestehenden Unterstützerkreises, der sich Ende September im Stadteilzentrum in der Schönholzer Straße gebildet hatte. Zur Begrüßung gab es selbstgebackenen Kuchen und Tee und für die Kinder ein Plüschtier.
Zwischen sechs und neun Monate – so lange dauert in der Regel ein Asylanerkennungsverfahren – werden die Flüchtlinge im in dem ehemaligen Bürohaus in der Mühlen-
straße dort verbringen.
Der Unterstützerkreis will mithelfen, dass sich die Neuan-
kömmlinge so schnell und problemlos wie möglich in ihrem zeitweiligen Zuhause zurechtfinden.
So gibt es Angebote für Sprachkurse für Erwachsene, Hausaufgabenhilfe für die Kinder, Hilfe bei Behördengöngen oder einfach nur Einladungen zu Spaziergängen durch die neue Umgebung. Mittlerweile füllt Spielzeug aller Art die Regale und auch Kinder- und Damenbekleidung ist reichlich vorhanden.
Nur das Angebot für die Herren ist derzeit noch etwas dürftig – und eine Unterstützerin mit offenbar längerer Eheerfahrung glaubt, den Grund dafür zu kennen: Männer trügen ihre Klamotten meist solange, dass sie danach nun wirklich niemand mehr anzubieten wären…
Der Unterstützerkreis war bereits an den Vorfeld der Heimeröffnung beteiligt. Alle zwei Wochen trafen sich die Akteure des Kreises mit den Betreibern des Heims, um die Vorbereitungen zu koordinieren. Kleiderspenden wurden organisiert und Spielzeug für die Kinder gesammelt.
Auch über den Unterstützerkreis hinaus, so Yvonne Lieske von der Prisod Wohnheimbetriebs GmbH, dem Betreiber des Heimes, sei das Flüchtlingsheim von den Pankowern positiv aufgenommen worden: „Als wir unsere Info-Telefonnummer bekanntgaben, hatten wir damit gerechnet, dass sich auch Ängste und Befürchtungen von Anwohnern wegen des geplanten Flüchtlingsheimes geäußert würden. Stattdessen kamen Spendenangebote, Angebote zur Kinderbetreuung oder Fragen nach Patenschaften für Familien.“
Besonders wichtig findet Yvonne Lieske, dass der Unterstützerkreis nicht nur im Vorfeld der Heimeröffnung aktiv war, sondern auch künftig die Arbeit im Heim begleiten wird.

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