Pappelallee wird nicht entpappelt

schildWenn bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Straßenumbau der Saal nur mäßig gefüllt sind, kann man davon ausgehen, dass es für die Planungen von den Anwohnern im Großen und Ganzen akzeptiert werden.
So gesehen scheinen die Planer der rund drei Millionen teuren Neugestaltung der Pappelallee/Stahlheimer Straße auf einem guten Weg zu sein, denn bei der Präsentation des Planungsstandes des Straßenabschnitts von der Schönhauser Allee bis zur Erich-Weinert-Straße (siehe Download Entwurfsplanung unten)waren am Dienstagabend nur an die dreißig Interessierte in den BVV-Saal an der Fröbelstraße gekommen.

Info-Offenive:  Ecke Stargarder im vergangenen Herbst

Info-Offenive: Ecke Stargarder im vergangenen Herbst

Wie berichtet, hatte das Bezirksamt im vergangenen Jahr ein ausführliches Gutachten anfertigen lassen (siehe Downloads „Baumgutachten“ und „Einzelbaum-Beschreibung“ unten), bei dem wortwörtlich jeder Baum unter die Lupe genommen wurde. Der Zustand der Gehölze wurde in die Kategorien „Rot“ (scheintot), „Gelb“ (Ableben absehbar) und „Grün“ (voll im Saft) unterteilt.

Zur Vermittlung des Untersuchungsergebnisses gab es drei Begehungen, bei denen sich die Anwohner den Zustand der Straßenbäume mit eigenen Augen betrachten und von einem Fachmann erläutern lassen konnten sowie zwei Info-Stände zum Thema Baum & Pappelallee.

Was vielleicht noch fehlte, war die Produktion eines Aufklärungsilms mit dem Titel „Du und dein Baum – pappel á papp für Fortgeschrittene“.
Aber man kann ja nicht alles haben.
 

Bunte Mischung verschiedener Baumarten

Der Ansatz, alles zu roden, um bei den vorgesehenen Neupflanzungen eine halbwegs einheitliche Größe der Bäume zu gewährleisten, wurde nicht weiterverfolgt. Stattdessen soll die Kategorie „Grün“ vollständig erhalten bleiben.

Offensichtlicher Kettensägen-Kandidat

Offensichtlicher Kettensägen-Kandidat

Darunter befinden sich auch ein oder zwei als überlebensfähig eingeschätzte Pappeln.
Allerdings müssen in diesen Fällen bei der Sanierung des Gehwegs Einschränkungen hingenommen werden – um das Wurzelwerk nicht durch Bauarbeiten zu gefährden

In Zahlen bedeutet das: Von den aktuell 74 Bäumen bleiben 26 erhalten, die anderen 48 sind Futter für die Kettensäge.
Für Ausgleich ist allerdings ist gesorgt – und mehr als das: 68 neue Bäume sollen in die Erde gebracht werden. Und nicht etwa Setzlinge aus dem Blumentopf sondern „Starkbäume“. „Das Geld dafür ist vorhanden“, betonte Stadtrat Jens-Holger Kirchen, um jegliche Zweifel zu zerstreuen.

Eine bunte Mischung soll es werden aus Feldahorn, Scharlachkastanie, Amberbaum… und, ja auch eine Pappelart – die Birkenpappel – wird den Rand der Allee künftig zieren.
Das alles soll nicht etwa nach der Devise „quadratisch, praktisch, gut“ und sortenrein angeordnet, sondern locker gemischt über die Straße verteilt werden. (siehe Download „Neupflanzungen“ unten)

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Anzahl der Parkplätze wird um rundein Drittel reduziert

Auf der Brücke fallen die Parkmöglichkeiten weg

Auf der Brücke fallen die Parkmöglichkeiten weg

Wo es ein Plus gibt, ist auch das Minus nicht weit.
Ein solches wird es beispielsweise bei der Anzahl der Parkplätze geben. So wird es wegen eines anzulegenden Fahrradstreifens auf der Brücke über den Bahngleisen künftig keine Parkmöglichkeiten mehr geben.

Darüber hinaus werden Analog zur Kastanienallee sogenannte „Parktaschen“ eingerichtet – Ausbuchtungen in Richtung Gehweg, in die jeweils nur ein Auto passt. Da dann nicht mehr die gesamte Straßenlänge für den „ruhenden Verkehr“ zur Verfügung steht, verringert sich die Anzahl von momentan 241 auf 157 Stellflächen – das ist rund ein Drittel weniger als bisher.

Straßenseitig schließt sich den Buchten – auch hier ist die Kastanienallee das Vorbild – ein 1,50 Meter breiter Fahrradstreifen an. Von dessen äußerem Rand sind es dann noch einmal eineinhalb Meter bis zu den Straßenbahngleisen.
An der Haltestelle Schönhauser Allee wird der Radweg begradigt, bisher macht er noch einen Schlenker um das Wartehäuschen herum.

 

Drohender Papierkorbmangel und Wünsche nach Entschleunigung

Zu wenig Papierkörbe

Zu wenig Papierkörbe

Auf ein ungewolltes Defizit wurden die Planer durch die im Rahmen der Bürgerbeteiligung engagierten Schüler aufmerksam gemacht: Lediglich 30 Abfallbehälter (in vulgo: Papierkörbe) sind für die Strecke zwischen Schönhauser Allee und Erich-Weinert-Straße vorgesehen – und das ist tatsächlich etwas dünne.

Die Planer versprachen Abhilfe zu schaffen, was aber gar nicht so einfach sein dürfte. Denn über die Aufhängung der orangenen Behältnisse befindet die Berliner Stadtreinigung und die hat ihre eigene, nicht immer leicht zu durchschauende Verteil-Systematik, von der sie nur ungern abweicht.
 
Dem von den Anwohnern geäußerten und vom Bezirksamt mit Wohlwollen betrachtete Ansinnen, in der Pappelallee/Stahlheimer Straße die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h zu beschränken, dürfte das gleiche Schicksal beschieden sein, wie der Forderung nach durchgehenden 30 Stundenkilometern in der Kastanienallee.

Dort schmetterte die dafür zuständige Senatsbehörde namens Verkehrs-
lenkung Berlin (VLB) die durch einen BVV-Beschluss unterfütterte Bitte des Bezirks mit den Worten ab, dass „keine Notwendigkeit gesehen wird, die Kastanienallee in ihrem gesamten Straßenverlauf mit einer Geschwindigkeitsreduzierung von 30 km/h zu versehen.“

tram1Und die BVG barmte, dass durch die rund 700 Meter 30er Strecke eine Fahrzeiterhöhung von werweißwieviel Minuten entstehen würde, was wiederum den zusätzlichen Ankauf von Straßenbahnwagen nach sich zöge – und die kosten bekanntlich Millionen, die die BVG nicht hat.

Allerdings ist hier noch niemand bekannt geworden, der glaubhaft versichern konnte, dass in der Kastanienallee tatsächlich jemals auch nur eine Tram die erlaubten 50 km/h erreicht hätte…

Nach letzten Feinjustierungen an der Umbauplanung sollen die Arbeiten sowohl vom Norden, als auch vom Süden her in Angriff genommen werden. Hier wie da arbeitet man sich dann in Abschnitten von 200 bis 300 Metern Länge vor: Aufreißen, Sanieren, Fertigstellen – nächster Abschnitt.
Die Straßenbahn soll auch während der Bauarbeiten weiter fahren. Vermutlich mit der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h…

 

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Kommentar zu “Pappelallee wird nicht entpappelt”

  1. Man schaue sich mal im Sommer die prächtig belaubten Kreuzberger Mittelpromenaden in Yorckstraße, Gneisenaustrape, Fontanepromenade usw. an (z.T. auch entlang des U-Bahn-Tunnels)!

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