Wer sich auch nur einmal in der Schönhauser Allee umsieht, der weiß: Der Bedarf ist da. Radfahrer allüberall drängeln sich auf dem viel zu schmalen Radweg. – und es werden immer mehr.
Da wir ausnahmslos von weisen und vorausschauenden Politikern regiert werden, wurde die Möglichkeit zur Einrichtung von Fahrradstraßen bereits 1997 in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen. Fahrradstraßen sind – der Name lässt’s bereits erahnen – Straßen, auf denen lediglich Fahrräder verkehren dürfen.
Doch da die Weisheit der Regierenden zwar groß, aber nicht unendlich ist haben sie der Verordnung eine Verwaltungsvorschrift beigegeben, die unter anderem vorgibt, dass vor der Anordnung einer Fahrradstraße „die Bedürfnisse des Kraftfahrzeugverkehrs ausreichend berücksichtigt werden“ müssen.
Damit fällt die Schönhauser Allee also schon mal flach.
Selbst die Vorstellungen des Bezirksamtes Pankow, jeweils eine der Spuren der Schönhauser für den Radverkehr zu reservieren, löste beim Senat mittelschwere Panickattacken aus…
Berlin ist eine Stadt mit Tempo. Und so verstrichen zwischen dem Fahrradstraßenmöglichkeitserlass und der tatsäch-
lichen Einrichtung eines solchen Verkehrsweges bloß schlappe drei Jahre.
Als erste dazu ausersehen wurde die Alberichstraße in Biesdorf Süd, ein asphaltierter Feldweg – vorsichtshalber erstmal als Modellprojekt.
Man kann ja nie wissen.
Das zuständige Tiefbauamt in Marzahn brauchte allein ein geschlagenes Jahr, um die entsprechenden Schilder aufzustellen…
Allerdings hatte das Modell einen Schönheitsfehler: Es erlaubte auch weiterhin den Autoverkehr, so sich die Wagenlenker als „Anlieger“ fühlten. Diese Einschränkung wurde – soweit hier übersehbar – für alle anderen Berliner Fahrradstraßen übernommen. Nun gut, immer noch besser als nichts.
Apropos alle anderen… – so viele andere Fahrradstraßen gibt es in Berlin gar nicht.
Von 1997 bis zum heutigen Tag – also in einem Zeitraum von mehr als 16 Jahren – wurden in Berlin lediglich 17 in Worten: Siebzehn) solcher Verkehrswege eingerichtet.
Und alle sind nur Einzelstücke, nirgendwo miteinander verknüpft.
So auch in Prenzlauer Berg, das immerhin mit drei
Fahrradstraßenteile aufwarten kann: Die Norweger Straße, Choriner-/Gormannstraße und ein Stück zum Schwedter Steig.
Zuwenig für den Kiez, zuwenig für die Stadt, meint nun Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar, der nicht nur Prenzlauer Berger Mandatsträger im Abgeordnetenhaus ist, sondern daselbst auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Verkehrspolitischer Sprecher.
Seine Fraktion erarbeitet derzeit ein Konzept für ein berlinweites Netz von Fahrradstraßen. Dabei sollen die wichtigsten Zentren miteinander verknüpft und auch die Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel eingebunden werden.
Da aber die Arbeit am – in jeder Hinsicht grünen – Tisch das eine, die praktische Realität zuweilen aber noch mal was ganz anderes ist, hat Stefan Gelbhaar nun eine Karte ins Netz gestellt, auf denen Radler Vorschläge unterbreiten können, wo ihrer Meinung nach eine Fahrradstraße vonnöten ist.
Bis Ende Februar wird die Internet-Seite Online bleiben. Nach einer Auswertung der Vorschläge soll das Ergebnis im kommenden Frühjahr veröffentlicht werden.
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