Fast ein Vierteljahrhundert war Wolfgang Thierse in der deutschen Politik aktiv. Im Januar 1990 trat er in die Sozialdemokratischen Partei der der DDR ein, am 18. März des selben Jahres wurde er in die frei gewählte Volkskammer gewählt und war dort Fraktionsvorsitzender . Am 9. Juni 1990 wurde er Parteichef der Ost-SPD, auf dem Vereinigungsparteitag am 27. September des selben Jahres wurde er stellvertretender Vorsitzender der gesamtdeutschen SPD. Eine politische Blitzkarriere, wie sie wohl nur in Umbruchzeiten möglich ist.
Doch während viele „Wende“-Akteure schon bald nach der deutschen Vereinigung in der Versenkung verschwanden, blieb Wolfgang in der Politik präsent. Höhepunkt seiner Laufbahn war die Wahl zum Bundestagspräsidenten, das Amt hatte er bis 2005 inne.
Danach fungierte er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundesstag als Vizepräsident.
Wolfgang Thierse kandidierte stets in einem der – in den Jahren unterschiedlich zugeschnittenen – Wahlkreise des heutigen Bezirks Pankow. 1990 sowie 2002 und 2005 zog er als direkt gewählter Abgeordneter in das Parlament.
Das Ende seiner bundespolitischen Karriere war nicht ganz freiwillig. Eine einflussreiche Gruppierung innerhalb des Pankower SPD-Kreisverbandes sah vor der letzten Bundestagswahl die Zeit gekommen, einen der Ihren auf den Kandidatenplatz zu hieven – und trat wenig später noch einmal in demütigender Weise nach.
Als am vergangenen Freitag auf dem Pfefferberg eine von Freunden und Genossen organisierte Veranstaltung für eine würdige Verabschiedung Wolfgang Thierses aus der Bundespolitik sorgte, war von diesen Querelen nicht mehr die Rede.Für die heitere Stimmung sorgten erst einmal Musiker der Musikschule Pankow und das Theater „Rambazamba“.
In Gesprächen mit dem ehemaligen Prenzlauer Berger Bürgermeister Reinhard Kraetzer, der Bildungssenatorin Sandra Scheeres, dem Abgeordneten Nikolaus Karsten
und dem einstigen Pankower SPD-Kreisvorsitzenden
Hans Misselwitz, der auch sechs Jahre lang Thierses Büro leitete, wurden Begebenheiten aus Thierses Leben in Erinnerung gerufen, Anekdoten zum Besten gegeben.
Nachdem der „offizielle“ Teil der Veranstaltung beendet war, blieb den Gästen noch viel Zeit zum persönlichen Gespräch.
Antwort Wolfgang Thierses auf die Frage, was er denn, gesetzt den Fall, die DDR wäre nicht zusammengebrochen, nach dem Ende seines Berufslebens so angefangenen hätte: „ Das, was wohl jeder DDR-Rentner gemacht hätte: Erstmal in den Westen fahren… .“

Gruppenbild mit Bürgermeister:
Alex Lubawinski (a.D., Pankow) Matthias Köhne (Pankow), Reinhard Kraetzer (a.D., Prenzlauer Berg), Gert Schilling (a.D., Weißensee)















