Geht der Mensch im dunkeln Drang
Einen dunkeln Weg entlang,
Sieht er trüb und dunkel nur
Gottes liebliche Natur.
Hieraus merkt wohl jedes Kind,
Wie bewährt Laternen sind.(Aus: Erich Mühsam „Wüste – Krater – Wolken“, 1914)
Zuweilen verspürt der Mensch einen Drang, der gar nicht dunkel, sondern sehr bestimmt ist.
Befindet sich der Bedrängte auf freier Flur, bleibt ihm in höchster Not oft nur, sich seitwärts in die Büsche zu schlagen. Es sei denn, es befindet sich eine Einrichtung auf dem Weg, die man früher „Öffentliche Bedürfnisanstalt“ nannte und heute „City Toilette“ geheißen wird.
So, wie auf dem Helmholtzplatz.
Damit man den Ort der Erlösung auch im Dunkeln unfallfrei erreicht, wurde vor der High-Tech-Entsorgungstation eine Laterne installiert. Beziehungsweise das Häuschen neben die Laterne gestellt – so genau ließ sich das hier im Moment nicht nachrecherchieren.
So oder so – seit ein paar Monaten ragt dort nur noch ein kahler Mast gen Himmel. Denn die Lampe selbst ist weg.
Kaputt war sie – ob nun durch Hagel-, Blitz- oder Steinschlag zerstört, ist nicht überliefert.
Fakt ist: Nach Sonnenuntergang herrscht Finsternis am Klo.
Der Bezirksverordnete Jan Schrecker (Piraten) stellte nun eine Kleine Anfrage an das Bezirksamt; er wollte wissen, wann mit der Wiederherstellung der Erleuchtung des Toilettenhäuschens zu rechnen ist. Und bekam eine ziemlich harsche Antwort:
„Für den Helmholtzplatz als Grünanlage besteht für den Bezirk keine gesetzliche Verpflichtung, eine Beleuchtung zu unterhalten. Der Schaden ist durch Vandalismus verursacht und wurde bereits mehrfach wieder instandgesetzt. Eine erneute Reparatur ist beauftragt und wird bis zum Beginn der Winterzeit ausgeführt.“
Warum es bei einer „Beauftragung“ im Frühjahr bis zur Winterszeit braucht, um den Auftrag auch ausführen zu lassen, war aus der Antwort nicht zu entnehmen.
Wer also in den kommenden Sommernächten gezwungen ist, das Haus im Dunkeln aufzusuchen, sollte sich – der Unfallgefahr wegen – langsam Schritt für Schritt vortasten.
Was bei dringenden Fällen allerdings…
Ich bürste in dem Rosenhain
Den Rock mir und die Hosen rein.(Erich Mühsam,veröffentlicht in: „Fröhliche Kunst 1“, Oktober 1902)




