“Es ist nur ein Verdacht, und auch der klassische Verdachtsfall ist noch nicht bestätigt.” Sachlicher als Stefan Poloczek, der ärztliche Leiter der Berliner Feuerwehr, konnte man den Tatsachenbestand nicht mehr feststellen. Dennoch ließ es sich kein Medium nehmen, vom “Ebolaverdacht” im Jobcenter Pankow zu faseln.
Was war passiert? Eine 30jährige aus Westafrika stammende Frau erlitt am Dienstagvormittag im Jobcenter Pankow einen einen Kreislaufkollaps. Der herbeigerufene Notarzt stellte fest, dass die Patientin zudem Fieber hatte. Bekannt war offensichtlich auch, dass sie sich kürzlich in Afrika aufgehalten hatte.
Als die Epidemie in Westafrika ausbrach, hatte die Berliner Feuerwehr ihr Sicherheitsszenario verschärft: “Fieber in Kombination mit Afrika” reicht nun aus guten Gründen schon aus, um einen solchen Einsatz zu fahren, wie den am Jobcenter Pankow.
Sicher ist sicher.
Dramatik um jeden Preis
Doch der Journaille reichte dies offenbar nicht aus. Also wurde phantasievoll fabuliert, übertrieben, und wohl auch dazuerfunden.
„Ebola-Verdacht erschreckt Berlin“ titelte die Online-Ausgabe der Berliner Zeitung.
Doch ob in Schöneberg, Friedrichshain oder Prenzlauer Berg, nirgends waren „erschreckte“ Berliner zu entdecken, und wenn man jemand darauf ansprach, bekam man höchstens ein gelangweiltes „tja…“ zu hören.
Weil die Nachricht “Frau mit Fieber und Kreislaufproblemen zusammengebrochen” offenbar zu popelig war, setzte die “Berliner Zeitung” noch einen drauf: “Sie sagte”, verklickerte deren Online-Portal seinen Lesern, “dass sie Kontakt zu Ebola-Opfern in ihrem Heimatland gehabt habe.”
Woher die Schreiber diese Nachricht hatten, blieb im Dunkeln. Keine Quellenangabe, nix.
Was machte es da schon, dass nur drei Stunden später aus der Charité die Nachricht kam, dass eine Ebola-Erkrankung schon deshalb eher unwahrscheinlich sei, weil die Patientin sich in einer Gegend aufgehalten habe, die – tätä-tätä! – von der Epidemie nicht betroffen ist? Wichtig war, dass man es mit dieser unbelegten Behauptung geschafft hatte, von den Nachrichtenagenturen zitiert zu werden… – und alle anderen übernahmen es ungeprüft.
Dramatik ist wichtig. Und wo sie real nicht vorhanden ist, muss man sie halt konstruieren.
„Die Polizei sperrte das Gelände weiträumig ab“, machte n-tv den Leuten weis – und setzte gleich daneben ein Foto, das zeigt, dass das Absperrband gerade mal zehn Meter von Jobcenter-Eingang abgebracht wurde.
Obwohl die ersten Symptome von Ebola nicht anders sind, als die unzähliger anderer Infektionskrankheiten, wurde unisono von „Ebola-Symptomen“ schwadroniert. Das ach so seriöse „Handelsblatt“ ging trotz aller Erklärungen der Ärzte vor Ort noch ein Stück weiter: „In Berlin könnte es den ersten Ebola-Fall geben“.
Unter der Dachzeile Brust oder Keu… – ähm… – Magen-Darm-Infekt oder Ebola-Virus? titelte FocusOnline „Chaos nach Ebola-Verdacht in Jobcenter – Mann schreit: ‚Lasst mich hier raus!'“ – und verschaffte damit dem genervten Leser den fast unwiderstehlichen Drang, es dem Manne gleich zu tun…
Wie in der Nacht zum Mittwoch verlautbart wurde, ist die Frau an Malaria erkrankt. Es sei ihr gute Besserung gewünscht.
Den selben Wunsch an die deutschen Medien zu richten, dürfte hingegen sinnlos sein.




