Senat plant 5.000 Wohnungen in der Elisabethaue

elisabethaue

 

Der Senat plant, in der Elisabethaue zwischen Buchholz und Blankenfelde ein Wohngebiet mit rund 5.000 Wohnungen zun errichten – das entspricht ungefähr 15.000 bis 20.000 Einwohnern. Die Fläche gehört zu den landeseigenen Grundstücken, die der Senat kostenlos an städtsche Wohnungsbaugesellschaften abgeben wird. Den Zuschlag sollen dem Vernehmen nach GESOBAU und HOWOGE erhalten.

 

STEP Wohnen 2015 Wohnungsneubaustandorte (Stand: Juli 2014 ZumVergrößern anklicken)

Wohnungsneubaustandorte STEP Wohnen (Stand:07/2014)
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Offenbar handelt es sich dabei um eine Art Hau-Ruck-Aktion der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, denn im erst vor drei Monaten bekanntgemachten „Stadtent-
wicklungsplan (STEP) Wohnen 2025″
(siehe Karte links), in dem die Wohnungsbauplanung der nächsten 11 Jahre – vorgezeichnet wurde, war von einer Großsiedlung Elisabeth-
aue noch nicht die Rede.

Bemerkenswert an dem Vorgang ist auch, dass das Bezirksamt nicht in die Planungen mit einbezogen wurde und von dem Vorhaben erst im September in Kenntnis gesetzt wurde. Auch bei den weiteren Planungsschritten bleibt die Bezirksverwaltung außen vor: Das B-Plan-Verfahren wird durch den Senat betrieben. Und dort setzt man auch weiter auf Geschwindigkeit: Bereits in den kommenden Wochen sollen die Ausschreibungsunterlagen für einen „Städtebaulichen Wettbewerb“ versandt werden.

 

Umstrittener Standort

Dabei ist der Standort durchaus nicht unumstritten. Bereits Ende der 1990er Jahre war die Elisabethaue vom Land Berlin als Wohnungsbau-Standort auserkoren worden, damals allerdings noch für die Errichtung von Einfamilienhäusern. Doch nach allerlei Querelen (so wurde unter anderem das Ausschreibungsverfahren zur Vergabe der Grundstücke vom Landgericht Berlin für unrechtmäßig erklärt) und angesichts der damals im Sinken begriffenen Einwohnerzahlen wurde die Sache schließlich aufgegeben.

Als im vergangenen Jahr die Abstimmungen zum neuen „Stadtentwicklungsplan Wohnen“ zwischen dem Bezirk Pankow und dem Land Berlin begannen, brachte der Senat die Elisabethaue als Standort für den Wohnungsbau wieder aufs Tapet. Doch die Bezirkspolitik sperrte sich, das Bezirksamt verabschiedete im März 2013 im Einvernehmen mit der Mehrheit der Bezirksverordneten einen Beschluss zum „STEP Wohnen“, in dem es unter anderem hieß:

„Auf die Einbeziehung der Gesamtfläche Elisabethaue und der Bereiche Französisch-Buchholz-Nord (nordöstlich der Hans-Schumacher-Straße), Buch V (südlich der Moorlinse), Karow (südlich der Laake, Lindenberger Weg, östlich Straße 33) und nördlich/südlich Blankenburger Pflasterweg ist zu verzichten.“

Dem Wunsch des Bezirkes wurde seinerzeit entsprochen, für die Elisabethaue sah der „STEP Wohnen“ – wie gewünscht – nur einen Streifen Bauland zur Errichtung von Eigenheimen vor. Von den nun bekannt gewordenen Plänen des Senats wurde die Bezirkspolitik kalt getroffenen – noch im Oktober soll die Elisabethaue auf die Tagesordnung des BVV-Stadtentwicklungsausschusses gesetzt werden.

 

„Parkstadt Pankow“ verunsichert Bezirkspolitik

Die Offenbarung der still, aber schnell vorangetriebenen Planung des neuen Ortsteils war nicht die einzige Überraschung, die die Pankower Bezirkspolitik zu verkraften hatte. In einer von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt dem Bezirksamt übermittelten Skizze (siehe unten) mit dem lyrisch anmutenden Titel „Parkstadt Pankow“ ist nicht nur das neue Wohngebiet verzeichnet, sondern auch ein vom südlichen Karow über die Golfanlage am Blankenburger Pflasterweg bis hin zur Kleingartenkolonie Blankenburg reichendes Gebiet markiert, das als „Kernaufgabe“ bezeichnet wird. Allem Anschein nach soll dieses Areal als künftiger Wohnungsbaustandort untersucht werden. Ein Unterfangen, das auf der vergangenen Sitzung des Pankower Ausschusses für Stadtentwicklung für Ratlosigkeit sorgte.

Vertraut hingegen war den Bezirksverordneten die ebenfalls in die Skizze eingetragene, jedoch von allen Bezirksspolitikern Pankows einhellig abgelehnte POW (Planstraße Ost-West), die als Verlängerung der Granitzstraße mittels einer monströsen Brücke bis hin zur Mühlenstraße geführt werden soll. Auch der längst verworfene, weil als untauglich befundene Turmbahnhof Karow taucht dort wieder auf.

 

Parkstadt Pankow1

 

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3 Kommentare zu “Senat plant 5.000 Wohnungen in der Elisabethaue”

  1. Maeder

    Okt 05. 2014

    Wie soll das Wohngebiet Elisabethaue an das ÖPNV-Netz angeschlossen werden? Es sind keine U- und S-Bahn-Linien vorhanden.
    20000 Einwohner entspricht der Größe einer Kleinstadt, das sind etwa 15000 Fahrzeuge des Individualverkehrs: Fahrräder, Mopeds, Kräder, PKW. Wie soll die Anbindung an das jetzt schon marode Straßennetz erfolgen? Nicht zu vergessen ist die zu errichtende Inrafstruktur in Form von Schulen, Arztpraxen, Kindergärten,Pflegeheime, Einzelhandel. Oder soll es eine reine Schlafstadt werden?

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  2. Rudolf Brose

    Nov 29. 2014

    Ich finde die vorhaben des Senats gut,sehe allerdings auch das Verkehrsproblem..
    Deshalb hielte ich die Bebauung der an der Bucher Str. gelegenen Rieselfelder für geeigneter. Dort gibt es bereits die S-Bahnlinie und den in unmittelbarer Nähe gelegenen Autobahnanschluß ( A 114- Bucher Str. ).
    Auch die Nähe zu Buch wäre gegeben. Übrigens: Für diese Fläche gab es bereits Anfang der 90-Jahre eine städtebauliche Planung mit einem S-Bahnhof “ Buchholz „.Mich würde schon interessieren , weshalb diese Fläche nicht zur Disposition steht.

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  3. Bernd

    Dez 05. 2014

    Im Stadtentwicklungsplan Verkehr steht „Eine geringe und sich zudem kontinuierlich abschwächende Suburbanisierung sowie vergleichsweise kurze Wege vor allem im Hinblick auf Nahversorgung und Freizeitgestaltung schaffen die notwendigen Voraussetzungen dafür, den eingeleiteten Trend weg vom MIV hin zum Umweltverbund weiter zu unterstützen.“, und als Leitbild „Siedlungsgebiete befinden sich vornehmlich entlang der Schienenachsen“

    Der Motorisierungsgrad in und um Französisch Buchholz ist sowieso schon hoch. Ich glaube kaum, dass eine Verlängerung der Tram 50 auf breite Nutzung stoßen würde.

    Die Stadt will sich zudem einen Klimaaktionsplan geben, ist künftig dringend auf Frischluftschneisen aus dem Umland angewiesen. Das passt überhaupt nicht mit einer Bebauung der Elisbath-Aue zusammen.

    Der Senat sollte besser auf eine Nutzung schon versiegelter Flächen in innerstädtischen Bereichen setzen.

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