Visionen oder: Die CDU wills wissen

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Als CDU-Abgeordneter hat man es ja auch nicht immer leicht. Erst recht nicht, wenn man als solcher außerhalb von Wahlkampfzeiten mit Flyern bewehrt an einer Prenzlauer Berger Straßenecke steht und versucht, mit den Vorbeieilenden ins Gespräch zu kommen. Allzu schnell wird man dann erstmal für einen der zahlreichen Werber gehalten, die einen zum Beitritt in einen Tierschutzverein bewegen wollen, ihre ganz spezielle Lesart der Heiligen Schrift nahebringen möchten oder ein Abonnement für eine Zeitung aus echtem Papier anbieten.

 
02Dabei wollten sich Stephan Lenz und Gottfried Ludewig einfach nur inspirieren lassen. Also: Nicht (nur) sich selbst, sondern ihre Partei. Und zwar von Visionen.

„BERLINVISION 21“ heißt die Aktion der Berliner CDU, mit der sie die Zukunftswünsche und -vorstellungen der Bürger für ihre Stadt in Erfahrung bringen möchte. Zu diesem Behufe wurde unter anderem ein Piaggio Ape gechartert und auf dessen Ladefläche eine spacig anmutende „Videobox“ platziert. Dort hinein sollen die Visonen verkündet werden.
Das Gefährt gondelt seit Anfang dieses Jahres quer durch die Stadt, rund 180 Mal konnte dabei Visionäres auf die Festplatte gebannt werden. Nun machten die Visions-Sammler erstmalig in Prenzlauer Berg halt.

04Der Beginn war mühselig und von Mangel geprägt: Entweder hatten die Angesprochenen keine Zeit – oder aber keine Visionen.
Als sich dann doch noch Visionäre mit entsprechendem Zeit-
budget einfanden, wurde ein weiteres Defizit offenbar: Keine Vision durfte länger als zwanzig Sekunden dauern. Weil: Nach Ablauf des doch sehr frugal bemessenen Zeitrahmens schal-
tete sich die Box einfach ab.
Was einerseits unangemessen auschweifender Tiefgründig-
keit einen Riegel vorschob, andererseits aber bei den Visionären gewisse Irritationen hervorrief.
Behoben wurde das Problem, indem man Mehrteiler produ-
zierte: Das, was nicht in der ersten Drittelminute unterzubrin-
gen war, wurde auf weitere Clips verteilt.

Die gesammelten Statements werden neben anderen Erhebungen (wie zum Beispiel Online-Umfragen) in ein „Grundsatz- und Zukunftsprogramm“ der Berliner CDU einfließen, das Mitte 2015 fertiggestellt sein soll. Also gerade noch rechtzeitig vor dem Beginn des Wahlkampfs zur Angeordnetenhauswahl 2016.

 

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