Das Haus Pestalozzistraße 4 in Pankow ist das Pilotprojekt für eine sozialverträgliche Modernisierung, wie sie zwischen dem Bezirksamt und der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU vereinbart wurde. Die Grundidee: Die bisher in den Wohnungen lebenden Mieter sollen nicht durch die auf die Miete umgelegten Modernisierungskosten aus ihren Wohnungen verdrängt werden. Daher werden die Mieten den finanziellen Verhältnissen der Mieter angepasst.
Um die Schere zwischen den Kosten der Modernisierung und den Einbußen die der GESOBAU durch die soziale Mietpreisgestaltung entstehen, in Grenzen zu halten, wird in den sogenannten „Bestandswohnungen“, in die die bisherigen Mieter nach den Modernisierungsarbeiten zurückkehren, nur das Nötigste getan. Doch was eine Mieterin nun vorgesetzt bekam, war nur nicht nur sparsam gearbeitet, sondern zuweilen einfach nur Pfusch.
Nähert man sich dem Haus Pestalozzistraße 4 von seiner Rückseite her, kommt man wohl kaum auf die Idee, dass hier eine Sanierung oder auch nur eine bloße Instandhaltung stattgefunden hätte.
Eine nackte Ziegelwand ragt über das anliegende Nachbar-
haus Pestalozzistraße 3 hinaus. Den Steinen sind die Wetterunbilden der letzten 100 Jahre deutlich anzusehen und Teile des Mörtels in den Fugen haben den unwirtlichen Platz längst verlassen.
Auch das Mauerwerk selbst scheint Reiselust bekommen zu haben – ohne sich allerdings schlüssig zu sein, in welche
Richtung es nun gehen soll. Das Resultat: klaffende Lücken im Gemäuer.
„Bei der noch nicht gedämmten Außenwand“, teilte dazu die GESOBAU der Prenzlberger Stimme auf Anfrage mit, „handelt es sich um eine Giebelwand, an die ein Nachbar gegebenenfalls anbauen möchte. Diese noch ausstehende Entscheidung des Nachbarn verhindert, dass wir hier im Moment weiter fortschreiten können. Die Mieter in der Pestalozzistraße 4 wissen das.“
Da haben die Mieter der Pestalozzistraße 4 offenbar einen Wissenvorsprung. Zum Beispiel gegenüber Uwe Schriever. Der Berliner Kaufmann ist nicht nur Geschäftsführer der das Nachbarhaus Pestalozzistraße 3 verwaltenden „Askanisches Quartier GmbH“, sondern über eine GbR auch Miteigentümer des GESOBAU-Nachbarhauses.
Uwe Schriever weiß nichts von einer „noch ausstehenden Entscheidung“. Mehr noch: Wie er gegenüber der Prenzlberger Stimme klarstellte, bestehe überhaupt keine Absicht, das Haus aufzustocken. Der Aufwand wäre viel zu groß, als dass dies wirtschaftlich einen Sinn machen würde. Im übrigen wundere er sich darüber, wie die GESOBAU zu einer solchen Aussage kommt – er wisse zwar, dass es irgendwann mal einen kurzen Anruf bei einem Mitarbeiter seiner Verwaltung gegeben habe – die Eigentümer des Grundstückes aber hätte niemand gefragt.
Wenn die GESOBAU die Giebelwand dämmen wollte, so
Uwe Schriever weiter, hätte sie die Rüstung über dem Haus Pestalozzistraße 3 errichten müssen. Das wäre zwar mit Beeinträchtigungen für die dortigen Mieter verbunden gewesen – aber über die Modalitäten hätte man sich einigen können. Uwe Schriever: „Da hätten wir sicher nicht mal eine Stunde für gebraucht.“
Außen pfui – innen… auch
Hinter der Brandwand hat Gudrun Wollnik ihr Zuhause. Beziehungsweise sollte dort längst wieder ihr Zuhause sein. Denn im Sommer vergangenen Jahres zog sie mit Modernisierungsbeginn in eine Ausweichwohnung und nach einigen Verzögerungen im Bauablauf erhielt sie Mitte Januar von der GESOBAU die Nachricht, dass sie nun wieder in ihre angestammte Wohnung zurückehren könne. Doch nach der Besichtigung ihres angestammten Domizils lehnte sie die Rückkehr erst einmal ab.
Denn Risse gibt es nicht nur außen, auch im Innern ziert ein Riss eine Zimmerdecke. Ein weiterer verläuft senkrecht an der Außenwand entlang. Bei Letzterem wurden nun Gipsplomben gesetzt, um zu kontrollieren, ob sich die Wand noch weiter auftut.
„Die GESOBAU ist der Meinung“, erzählt Gudrun Wollnik, „dass die Risse möglicherweise schon vor der Modernisierung vorhanden waren und meint, das fiele dann unter die Rubrik ‚Schönheitsreparaturen‘, die von mir selbst auszuführen wären.“
Mal davon abgesehen, dass es schon bemerkenswert erscheint, dass solche Schäden als „Schönheitsfehler“ verbucht werden sollen – wurde der Zustand der Wohnung vor Beginn der Arbeiten nicht dokumentiert? Eine entsprechende telefonische Anfrage wird von der GESOBAU-Sprecherin mit vielsagendem Schweigen beantwortet.
Während der Modernisierungsarbeiten wurde auch das Dachgebälk saniert und eine Wärmedämmung zwischen dem vierten Obergeschoss und dem Dachboden eingezogen. Dabei muss wohl einer der Bauarbeiter vom dabei freigelegten Deckenbalken abgerutscht und mit dem Fuß durch die Zimmerdecke getreten sein. Der Schaden wurde nach dem Verputzen des Loches mit einem formschönen Tapetenflicken überklebt.
Ein ähnliches Missgeschick muss auch im zweiten Zimmer passiert sein – allerdings nicht mit derselben Heftigkeit. So blieb die Tapete dabei unversehrt und erfüllt nun ihre neue Aufgabe als Rückhaltebehältnis für den dabei pulverisierten Deckenputz auf das vorzüglichste.
Dass Elektrizität durchaus auch unangenehme Eigenschaften haben kann, weiß jeder, der schon mal versehentlich eine unter Strom stehende elektrische Leitung angebohrt hat.
Wohl um derartige Unbill von der Mieterin fernzuhalten, wurde der Verlauf neuverlegter Kabel durch die GESOBAU deutlich hervorgehoben.
Und zwar im Wortsinne.
Eindruck in der Tapete hinterlassen auch die vor dem Tapezieren kreativ auf die Wand aufgebrachten Mörtelkleckse, die der Rauhfaser noch einmal zusätzliche optische Höhepunkte verschaffen.
Doch es ist ja nicht alles schlecht. So staunte Gudrun Wollnik zuweilen ehrlich über die gerwerkeübergreifende Flexibilität der von der GESOBAU eingesetzten Hausmoderniserer.
Als beispielsweise die Heizungsmonteure mit ihrer Arbeit schneller fertig waren, als die Maler, war es für den Meister des Pinsels kein Problem, das Heizgerät noch einmal von der Wand zu schrauben.
Dass nach dem Wiederanbau nicht mehr alles so richtig zusammenpasste… – mein Gott, man kann nicht alles haben.
Zu den konkreten Mängeln sowie zu Möglichkeit und Zeitrahmen ihrer Beseitigung wollte die GESOBAU keine Stellung nehmen. Statt dessen ließ Unternehmenssprecherin Kirsten Huthmann die Prenzlberger Stimme wissen: „Die vorgebrachten Mängel sind bekannt und mit der Mieterin erörtert.“
Um die Dauer der Erörterung etwas abzukürzen, hat Gudrun Wollnik einen Anwalt mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt. Denn die Zeit wird langsam knapp: Demnächst will die GESOBAU mit der Modernisierung jenes Hauses beginnen, in dem sie für die Zeit der Sanierung ihrer Wohnung untergebracht ist.





Oliver Görs via Facebook
Feb. 11. 2015
als schloßallee 43, 13156, der eine sanierung in den kommenden jahren ins haus steht, lese ich dieses mit beigeschmack.
Gudrun Kundri Wollnik via Facebook
Feb. 17. 2015
Na dann: erörtern tut die GESOBAU gar nichts mit den Mietern. Das ist glatt gelogen.