Dass die CDU eine konservative Partei, die am Althergebrachten festhält, konnte man auf dem am Freitag stattgefundenen Parteitag des Kreisverbandes Pankow gut erkennen. Anstatt modern wie die eine oder andere Partei (vor allem aber die eine) auf einen Vorsitzenden zu verzichten und dafür mit einen Zentralkommiteechen aus Stellvertretern in das Wahlkampfjahr zu ziehen, bestanden die Pankower Christdemokraten wie selbstverständlich darauf, sich eine vollständige Führungsspitze zu wählen.
Weiterer Unterschied zum sozialdemokratischen Konkur-
renten: Während bei der Pankower SPD nicht nur darum gestritten wird, ob für die nächste Zeit überhaupt ein Kreis-
vorsitzender nötig ist – und wenn ja, ob dessen Wahl durch Delegierte erfolgen soll oder vielleicht doch durch die Parteimitglieder – ist es beiden Pankower Christdemokraten schon seit einiger Zeit Usus, dass Parteitag und Mitglieder-
vollversammlung quasi identisch sind.
Jedes Pankower CDU-Mitglied kann erscheinen – und nach der Registrierung nicht nur den Vorstand mitwählen, sondern auch über alle auf dem Parteitag zu entscheidenden Anträge abstimmen.
So stimmten eben nicht Parteitagsdelegierte, sondern rund 200 „normale“ Pankower CDU-Mitglieder über ein auf den Kreisparteitag eingebrachtes Papier ab, in dem angesichts der wachsenden Einwohnerzahlen gefordert wird, das Personal der Bezirksverwaltungen berlinweit um 1.200 Stellen aufzustocken. Davon sollen mindestens 140 Stellen auf den Bezirk Pankow entfallen.
Die zusätzlichen Mitarbeiter sollen vor allem den an Personal-
not leidenden Bürger- und Ordnungsämtern Erleichterung verschaffen, darüber hinaus müsse mit Neueinstellungen im Grünflächen- und Infrastrukturbereich sowie in den Bildungs-
wesen „ein zufriedenstellendes Niveau“ erreicht werden.
Ein weiterer Antrag schien ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein. Er wandte sich gegen die Anfang des Monats in Kraft getretene und von der CDU im Senat mitbeschlossene Umwandlungsverbotsverordnung, nach der die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen in sogenannten Milieu-
schutzgebieten unter Genehmigungsvorbehalt gestellt wird.
Damit werde, so die Begründung des Antrags, Familien die Möglichkeit genommen, Wohneigentum zu bilden und mit einer Wohnimmobilie eine Altersvorsorge zu schaffen. Dass der Antrag angesichts der geschaffenen tatsachen nur symbolischen Wert haben konnte, räumte auch der Antragsteller ein – dennoch stimmte eine Mehrheit der Anwesenden dafür.
So entspannt wie der gesamte Parteitag verlief, so gestaltete sich auch die Wahl des Vorstandes. Der neue Vorsitzende ist der alte: Gottfried Ludewig vom Ortsverband (OV) Pankow- Nord vereinte als einziger Kandidat mühelos eine komfortable Mehrheit der Parteitagsstimmen hinter sich. Zu seinen Stellvertretern wurden Sebastian Bergmann (OV Pankow Süd), Johannes Kraft (OV An der Panke) und Stephan Lenz (OV Schönhauser Allee) gewählt. Schatzmeister wurde Martin Hackober.
Dass es – ausgerechnet am Vorabend des Frauentages – mit Manja Schreiner als Schriftführerin nur eine Frau in den Vorstand schaffte, lässt auf einen gewissen Nachholebedarf in Sachen Gleichstellung schließen.
Was aber nicht heißen soll, dass bei der CDU Pankow die Wünsche von Frauen ungehört verhallen würden. Als Sybille Strukely – altvordere Parteifreundin aus dem Ortsverband Schönhauser Allee – im Vorfeld der Veranstaltung erklärte, dass sie wegen der zeitlichen Nähe zu ihrem 68jährigem Geburtstag nur dann erscheinen werde, wenn die Parteitagsorganisatoren ihr einen Extratisch mit Blumen und Sekt aufstellen lassen, wurde dem Verlangen widerspruchslos stattgegeben.






















